Land- & Forstwirtschaft

Molkerei Berchtesgadener Land: Weide kommt wieder in Mode

Im Grünlandgürtel der Alpen war es früher üblich, die Kühe im Sommer auf die hofnahen Wiesen oder auf die Alm zu treiben. Doch mit den steigenden Anforderungen an Betriebswirtschaftlichkeit, Optimierung der Produktionsabläufe, immer weniger Arbeitskräfte auf den landwirtschaftlichen Betrieben und steigendem Verkehrsaufkommen auch im ländlichen Raum nahm der Anteil der Landwirte, die ihre Kühe auf die Weide trieben, seit den 60er Jahren stetig ab. Das ändert sich seit einigen Jahren in der Region zwischen Watzmann und Zugspitze – seit die Molkereigenossenschaft Berchtesgadener Land freie Bewegung für die Kühe mit einem höheren Milchpreis finanziell honoriert. Eine Bewegung, die Vorteile für die Kühe, den Humusaufbau, die Wasseraufnahmefähigkeit der Böden ebenso wie für das Klima bringt.

Die Kühe sollen Bewegung haben. Das hat die Molkerei Berchtesgadener Land mit der Einführung der Bewegungsprämien deutlich gemacht. In einem Beschluss von Vorstand und Aufsichtsrat wurden 2017 Laufstall-, Laufhof- und Weideprämien in der Genossenschaft eingeführt. Der Mehraufwand für mehr Tierwohl durch Bewegung wurde zum Start mit jeweils 1 Cent pro Kilogramm Milch zusätzlich finanziell honoriert.

Ziel der Molkerei war dabei, einen Anschub zu leisten, dass wieder mehr Kühe freie Bewegung bekommen. Das Konzept war erfolgreich. Im Gegensatz zu 2017 weiden heute rund 4.000 Kühe zusätzlich auf den Wiesen entlang der Alpenkette. Inzwischen stammt die gesamte Milch, die in den Markenprodukten verarbeitet wird, von Tieren, die sich auf der Weide oder im Laufstall frei bewegen können. 2019 hat die Molkerei dafür die Weideprämie nochmals um 50% auf nun 1,5 Cent pro Kilogramm Milch erhöht. Außerdem wurden und werden seither Weidemanagement-Seminare im Rahmen der Wissenswerkstatt in der Molkerei angeboten. Die Initiative hat gefruchtet.

Heute treiben wieder über 1.000 Betriebe zwischen Watzmann und Zugspitze ihre Kühe auf die Weide.

Weide – gut fürs Klima

Wiesen sind – wie unser Wald – riesige CO2 Speicher. Je höher die Humusschicht, desto mehr CO2 speichert im Boden. Und da kommt die Beweidung ins Spiel, denn durch die Tritte und das Rupfen der Kühe wird das Wurzel- und Pflanzenwachstum angeregt. Abgestorbene Wurzeln im Boden werden von Mikroorganismen und Regenwürmer abgebaut, zu Humus aufgebaut, der wiederum zusätzliches CO2 speichert.

Wenn Kühe weiden, spart das auch Kraftstoff, da dieses Futter nicht eingebracht werden muss. Und je weniger der Boden durch schweres Gefährt verdichtet wurde, desto besser ist seine Wasseraufnahmefähigkeit. Durch den Klimawandel wird es in Zukunft noch wichtiger diese Bodenfruchtbarkeit zu fördern und intakte Böden als Filter und Speicher zu haben. Die Niederschläge kommen in immer kürzeren Abständen und in immer größeren Mengen, davon ist auch Johannes Schwabenbauer, Landwirt aus Gmund am Tegernsee überzeugt. Seine 60 Kühe dürfen sich auf einer 27 ha großen Weide frei bewegen.

Weide fördert Trinkwasserschutz

In der Alpenregion regnet es circa 1.600 bis 2.000 Millimeter pro Jahr. Diese enormen Mengen Wasser sind sehr gut für das Graswachstum. Grünland – also Wiesen – die bewirtschaftet und gepflegt werden, haben durch die dicke Humusschicht eine hohe Filterwirkung für Regenwasser, das dann langsam in den Boden sickert. Stickstoff und andere Nährstoffe, die das Gras aufnimmt und letztendlich von den Kühen gefressen werden, können zudem nicht ins Grundwasser gelangen. So leisten Kühe auf der Weide ganz nebenbei einen wertvollen Beitrag für eine gute Trinkwasserqualität.

Bericht und Foto: Molkerei Berchtesgadener Land

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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