Tourismus

Mit der Himmelsleiter ins Holztechnische Museum

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Sie knarrt, ächzt und führt kerzengerade durch alle Stockwerke nach oben – Für die Menschen einst verlief dieser Weg geradewegs hinauf in den Himmel. Darum nannten sie die schwere Eichen-Treppe „Himmelsleiter“. Heute gelangt man über sie zum Holztechnischen Museum im Ellmaierhaus auf dem Max-Josefs-Platz.

Die Ursprünge des Ellmaierhaus reichen bis ins Spätmittelalter zurück. Es ist eines der wenigen Häuser, das noch im reinen Inn-Salzach-Baustil erhalten ist. Als Wohn- und Geschäftshaus erfuhr das Gebäude in der Vergangenheit etliche Umbauten, bei denen wenig Rücksicht auf historische Substanz genommen wurde. Erhalten blieb neben der geschlossenen Fassade zum Max-Josefs-Platz hin die „Himmelsleiter“- das letzte Rosenheimer Beispiel dieser Art von Treppe.

Seit 25 Jahren ist nunmehr das Holztechnische Museum im Ellmaierhaus untergebrach. Die Geschichte der „Himmelsleiter“ stößt auch bei Führungen dort immer wieder auf großes Interesse. Die altehrwürdigen Häuser am Max-Josefs-Platz ähneln sich nämlich in einigen Punkten sehr. Da aneinander gebaut, verfügt keines über Fenster im Treppenaufgang. Elektrisches Licht gab es in früheren Zeiten nicht. Das gefahrlose Besteigen der Treppen wäre also auch am Tag nur mit Kerzenlicht oder Fackeln möglich gewesen. Doch die Bauherren der damaligen Zeit wussten sich zu helfen. Ganz oben im Speicher wurde ein kleines Fenster eingebaut. Dadurch, dass die Treppen kerzengerade nach oben führen, fällt das Tageslicht bis hinunter in den Eingangsbereich. Besonders gut ist dieses „Schauspiel“ im Ellmaierhaus am Vormittag zu beobachten. Wer unten steht und nach oben zum Fenster hin blickt, sieht den Himmel. Darum entstand für unsere Vorfahren der Eindruck, der Weg führt direkt in das Himmelreich.

Mit Einzug der Elektrizität wurde diese bautechnische Raffinesse unnötig und die „Himmesleitern“ dienten auch in Rosenheim nach und nach aus. Einzig das Exemplar im Ellmaierhaus blieb über die Jahrhunderte hinweg erhalten und befindet sich nach wie vor im Original-Zustand. Das hohe Alter macht sich mit dem Knarren und Ächzen der Eichenstufen deutlich bemerkbar.

Bericht und Foto: Karin Wunsam

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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