Leitartikel

Mit 24 Jahren neuer Mesner im Pfarrverband Oberes Priental

Anton Hötzelsperger
Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

„Was bin ich?“ An diesem Kandidaten und seinem Beruf hätte sich auch das legendäre Rateteam von Robert Lembke schon alleine vom Erscheinungsbild her die Zähne ausgebissen. Ein volles Schweinderl wäre Lukas Kraus (24) sicher gewesen. Lukas Kraus ist hauptamtlicher Mesner beim Pfarrverband Oberes Priental, hauptsächlich ist er in der Aschauer Pfarrkirche „Darstellung des Herrn“ beschäftigt, als Hausmeister kommt er aber auch zu den anderen Kirchen und kirchlichen Einrichtungen des Pfarrverbands in Frasdorf, Sachrang und Umrathshausen. Mit seinen gerade einmal 24 Jahren ist er einer der jüngsten Mesner in der ganzen Diözese von München und Freising; „normalerweise sind die Mesnerinnen und Mesner ehrenamtlich für die Gemeinde tätig, als Hauptamtlicher falle ich eh schon total aus dem Rahmen und dem Klischee, das die Leute vom Mesnerberuf haben“.

Aber wie kommt man denn nun zum Mesnerberuf? Bei Lukas Kraus war der Weg irgendwie schon vorgezeichnet: schon mit zehn Jahren fing er als Ministrant in der Aschauer Kirche an, damit sind ihm das Gotteshaus mit all seinen Räumen von der Sakristei bis zur Orgelempore und die weiteren kirchlichen Bauten im Pfarrverband bestens bekannt. Als Ministrant war er natürlich überall in der Kirche zuhause und half in dieser Zeit dem Mesner oder vertrat ihn später auch einmal bei der Vorbereitung und Durchführung der Gottesdienste.

Doch zunächst lernte er nach seinem Schulabschluss den Beruf des Garten- und Landschaftsbauers. Spätestens als klar wurde, dass sein Vorgänger Walter Genzinger in den Ruhestand gehen wollte, überlegte er es sich ganz ernsthaft, sich für diese Stelle zu bewerben. Die Ausbildung zum Mesner dauert nicht allzu lange: bei einem dreiwöchigen Mesnerkurs an der Schule in Freising lernen die angehenden Mesner alles, was ein Mesner so wissen muss. „Aber es ist wie so oft im Leben: die Praxis fordert vieles, was an der Schule gar nicht gelehrt werden kann. Erst daheim in der eigenen Kirche lernt man von allen, was man ganz speziell braucht“.

Im Juli 2019 trat Lukas Kraus seinen Dienst als hauptamtlicher Mesner und Hausmeister in Aschau an, einen Teil seiner Arbeiten – vor allem Pflege der liturgischen Gewänder, das Waschen der anfallenden Chorröcke und Tücher sowie den Blumenschmuck – übernahm dabei seine Co-Mesnerin Christa Maurer. Es bleibt jedoch genug zu tun, um eine Sechs-Tage-Woche mit Arbeit zu füllen. Die Hausmeisterarbeiten nehmen bedeutenden Anteil dabei ein, doch Rasenmähen und Pflegearbeiten sind keine spezifischen Mesnerarbeiten. Die Renovierungsarbeiten an der Kreuzkapelle sind zeitlich befristet, da gibt es erst danach wieder etwas zu tun, wenn die Arbeiten abgeschlossen sind.

„Der Mesner sperrt die Kirche jeden Tag um 8 Uhr auf und um 20 Uhr wieder zu, im Winter bereits um 17 Uhr. Er ist zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang der erste und der letzte im Haus – an sechs Tagen in der Woche“.

„Die alltäglichen Arbeiten, das Vorbereiten der Gottesdienstfeiern bei ganz normalen Messen war mir aus vielen Ministrantenjahren in der Sakristei bestens bekannt. Angefangen beim Herauslegen der liturgischen Gewänder in der richtigen Farbe für den Tag, der Hilfe für den Priester beim Ankleiden, die Unterstützung der Ministranten, die Bereitstellung von Kelch und Hostienschale, von Wein und Brot über das Anzünden der Kerzen bis zum Läuten der Glocken kannte ich alles. Neu waren die großen Arbeiten im Haus, die häufigen Wechsel der Altardecken und des Blumenschmucks und noch vieles, das ich bis dahin immer für selbstverständlich gehalten hatte. Aber irgendjemand musste das ja auch früher getan haben – jetzt mache ich das. Ein paar Tage nach der Amtsübernahme hatten wir mit der Firmung und dem Besuch von Abt Höhensteiger gleich einen ganz hohen Feiertag mit vielen Vorbereitungsarbeiten“.

Ständig muss der Mesner mit dem Pfarrer, den Diakonen, den Gemeindereferenten den Ministranten, den Lektoren und den Kommunionausteilern zusammenarbeiten, auch der Kirchenchor oder die Musik hoch oben auf der Empore haben ihre Wünsche an ihn. „Es gibt nichts in der Kirche, was der Mesner nicht wissen müsste“.

Dann kam auch schon Weihnachten: „in Aschau haben wir in der Vorweihnachtszeit den großen Adventskranz und an Weihnachten die vielen Christbäume im Gotteshaus. Da galt es zunächst den Christbaumschmuck zu überprüfen, auszubessern und zu ergänzen. Die Bäume wurden aufgeputzt – mit ganz hohen Leitern – und die gesamte Kirche für das hohe Fest herausgeputzt, denn an den Feiertagen sind immer besonders viele Kirchenbesucher zu erwarten. Der Herrgott hatte in diesem Winter ein Einsehen mit mir, dass ich erst im ersten Jahr im Amt war und schickte nur ganz wenig Schnee zum Räumen“.

Kaum waren mit dem Patrozinium am 2. Februar die Weihnachtsfeiertage vorbei, ging es bereits los mit der Fastenzeit und den Vorbereitungen auf das Osterfest. Doch dann kam unverhofft Corona – zunächst ganz klein mit dem Verzicht auf Weihwasser und Friedensgruß. Dann wuchs es sich zur Pandemie aus: „Unser schönes Ostern, mein zweites großes Kirchenfest als Mesner war plötzlich abgesagt und statt Weihwasser gab es plötzlich Desinfektionsmittel“.

Aber ein Mesner kennt kein Nichtstun. Die Zwangspause wurde genutzt, um alle Arbeiten zu erledigen, die immer wieder aufgeschoben worden waren. Die Kirchenbänke wurden geputzt und überholt, die Sitzbezüge und Teppiche gereinigt – lauter Arbeiten, die „ohne Besucherverkehr“ gut zu erledigen waren. Sogar das große Weihwasserfass erhielt eine Generalüberholung und –sanierung. Mit der ersten Öffnung galt es, die vorhandenen Plätze im Kirchenschiff möglichst sinnvoll aufzuteilen und die Gottesdienstbesucher in den Kirchenbänken unterzubringen – zwei Meter vom nächsten Nachbarn entfernt. „Wir hoffen jetzt auf weitere Lockerungen, schließlich bin ich vor allem Mesner und erst in zweiter Linie Hausmeister“.

Bericht und Foto: Heinrich Rehberg – Der Mesner von Aschau Lukas Kraus (24) beim Anzünden der Kerzen am Altar

Ganz neue Aufgaben im Zuge von Corona: die Sitzplätze in der Aschauer Pfarrkirche „Darstellung des Herrn“ müssen so ausgemessen werden, dass die Besucher nicht näher als zwei Meter zusammenkommen.

 

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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