Land- & Forstwirtschaft

Ministerin Kaniber empfing Almwirtschaftlichen Verein Oberbayern

Ein dreiviertel Jahr dauerte es, bis die neu gewählte Vorstandschaft vom Almwirtschaftlichen Verein Oberbayern (AVO) ihren Antrittsbesuch bei Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber absolvieren konnte. Terminüberschneidungen und Corona waren dafür verantwortlich. Anfangs als Nachteil empfunden, entpuppte es sich rückblickend als Vorteil, da aktuelle Themen zu Hauf anstanden.

Gleichbehandlung bei AGZ

Die Neuregelung der Ausgleichszulage (AGZ) stand gleich an erster Stelle. Viele Alm- und Bergbauern hatten es mittlerweile schwarz auf weiß mit dem Kontoauszug im Dezember 2019 und dem Bescheid vom Mai 2020, dass sie deutliche Einbußen hinzunehmen haben. Zahlreiche Unmutsbekundungen waren die Folge, 150 Landwirte aus den oberbayerischen Alpenlandkreisen gingen sogar in Widerspruch. Die neue Gebietsabgrenzung ohne entsprechende Mittelerhöhung unter den derzeitigen Berechnungsgrundlagen führt zum Mittelabfluss hin zu Betrieben außerhalb des früheren Berggebietes. Der AVO fordert eine Gleichbehandlung aller Betriebe bei der Berechnungsgrundlage, sprich die Zugrundelegung einer gesamtbetrieblichen durchschnittlichen Ertragsmesszahl, desweiteren soll auch eine stärkere Gewichtung zu Gunsten der Grünlandbetriebe erfolgen durch Einführung einer 90% Grünlandgrenze. Ministerin Kaniber sichert der AVO Vorstandschaft zu, noch im Juli die hierzu erforderlichen Berechnungsmodelle erstellen zu lassen, um die Auswirkungen darstellen zu können.

Der über Hand nehmende Tourismus, neudeutsch Overtourism, unter dem auch die Almbauern seit Aufhebung der Corona-Ausgangsbeschränkungen stark zu leiden haben, wurde thematisiert. Eine Sensibilisierungskampagne in Zusammenarbeit mit betroffenen Verbänden ist hier seitens des Ministeriums in Planung. Unter dem Arbeitstitel „Dein Freiraum-Mein Lebensraum“ haben mittlerweile erste Treffen stattgefunden.

Wolf im Alpenraum untragbar

Dass der Tierschutz bei Ministerin Kaniber einen hohen Stellenwert hat, wurde bereits mehrfach in der Vergangenheit deutlich. Deshalb bezog sie beim aktuellsten Tagesordnungspunkt Wolf und große Beutegreifer deutlich Stellung, hatte ein Vertreter dieser Gattung doch wenige Tage zuvor mehrere Schafe gerissen. Eine Beschleunigung der Abgrenzung von Weideschutzgebieten sowie die praktische Anwendung des Aktionsplanes Wolf sind auch in ihrem Interesse, bis hin zur Entnahme, wenn denn die Voraussetzungen hierfür erfüllt sind. Denn Wolf und Almwirtschaft sind nicht miteinander vereinbar. Es bleibt zu hoffen, dass Ministerin Kaniber ihre Sichtweise auch Umweltminister Glauber darlegen kann, denn in dessen Bereich liegt die Entscheidungshoheit in Sachen Wolf.

Erfreulich, dass die Ministerin den staatlichen Etatzuschuss für den Verein um 3000 Euro erhöht hat, wofür sich Vorsitzender Josef Glatz auch herzlich bedankte. Weniger erfreulich, dass mit keinem Wort die Reform der Landwirtschaftsverwaltung angesprochen wurde, die wenige Tage nach dem Treffen über die Presse veröffentlich wurde.

Die Auflösung der Fachzentren Alm- und Alpwirtschaft samt den dazugehörigen Mitarbeitern und deren Eingliederung in die bestehenden Abteilungen an den jeweiligen Landwirtschaftsämtern hat auch weitreichende Auswirkungen auf den Verein; insbesondere die Frage der zukünftigen Geschäftsführung ist hierbei noch gar nicht geklärt. In der Vergangenheit hatte die Alm-und Alpwirtschaft stets einen hohen Stellenwert in der bayerischen Landwirtschaftspolitik und war als solches erkennbar, durch die runden Tische im Rahmen des Volksbegehrens wurde die Almwirtschaft auch von externer Seite wertgeschätzt. Umso unverständlicher der jetzige Schritt, dieses öffentlichkeitswirksame und regional begrenzte Aushängeschild ohne Not zu opfern. Eine enorme Schwächung des Vereins und eine Zerschlagung der almwirtschaftlichen Beratung sind in jedem Fall die Folge. Inwieweit die Intervention des Vereins hier Erfolg zeigt, bleibt abzuwarten.

Bericht und Foto: Susanne Krapfl, Schriftführer – Antrittsbesuch des AVO bei Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber – von links: AVO-Vorsitzender Josef Glatz, 3. Vorsitzender Klaus Schreyer, Ministerin Michaela Kaniber, 2. Vorsitzender Jakob Müller, Kassier Christian Neuner und Geschäftsführer Hans Stöckl

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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