Corona-Krise

Marx: „Die Pandemie in einer gerechten Weise überwinden“

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Mit Blick auf die Auswirkungen der Corona-Pandemie hat Kardinal Reinhard Marx zu internationaler Solidarität aufgerufen. „Wir müssen die Pandemie in einer gerechten Weise überwinden.“ Mit Blick auf Impfungen müsse gefragt werden: „Wie kommen wir dazu, dass alle eine Chance bekommen, geimpft werden? Nicht nur die Reichen und die wohlhabenden Länder, sondern alle?“, so Marx. Niemand sei „mehr wert, weil er in Deutschland geboren ist“ und niemand sei innerhalb eines Landes mehr wert, „weil er zu den so genannten oberen zehn Prozent gehört“, betonte der Erzbischof von München und Freising am Samstag, 15. Mai, bei einer digital abgehaltenen, internationalen Dialogveranstaltung der Konrad-Adenauer-Stiftung anlässlich des 3. Ökumenischen Kirchentags.

Bei der per Videokonferenz durchgeführten Diskussion zum Thema „Wirtschaftliche und soziale Herausforderungen aus ethischer Perspektive – Wie wird die Wirtschaft und die Arbeitswelt nach Corona aussehen?“ äußerte Marx seine Hoffnung auf positive Konsequenzen der Pandemie für die Gesellschaft. In den ersten Corona-Monaten sei deutlich geworden, „in einer Situation, in der wir einander brauchen“ sei möglich, „dass Menschen positive Ressourcen entfalten und füreinander eintreten“. Gleichzeitig habe Corona lokal wie international Ungleichheiten, die seit Jahrzehnten bekannt seien, sichtbarer gemacht und die Dringlichkeit bei der Suche nach Lösungen erhöht. Durch das Virus sei dahingehend „nichts Neues in die Welt gekommen an Erkenntnis, sondern an Verschärfung“.

Global müsse laut Marx die Tatsache, dass vor allem reine Kapitalinteressen im Vordergrund stünden, hinterfragt werden. Eine Lösung könne sein, „eine soziale Marktwirtschaft auf Weltebene Schritt für Schritt voranzubringen“ und dafür bald „Eckpunkte des Miteinanders und faire Rahmenbedingungen“ zu schaffen. Entgegen den in vielen Ländern zu beobachtenden Tendenzen „des Partikularismus, des Nationalismus, des religiösen Egoismus“ müsse die Katholische Kirche laut Marx „die Gruppe sein, die die eine Menschheitsfamilie als ein Programm sieht“. Der Kirche komme die Verpflichtung zu, diese Menschheitsfamilie zu thematisieren und dazu beitragen, dass diese Gemeinschaft „ob schwarz, ob weiß, ob muslimisch oder christlich auch zusammengehört“.

Weitere Gesprächsteilnehmer waren der Präsident des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft, Andreas Barner, der Bischof der Diözese Thiès im Senegal, André Gueye und der Generalsekretär der Bischofskonferenz von Tansania, Pater Charles Kitima. Moderiert hat Ursula Nothelle-Wildfeuer, Professorin für Christliche Gesellschaftslehre an der Theologischen Fakultät der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau. Im Rahmen der Veranstaltungsreihe zu Ökumene im internationalen Dialog kamen Vertreterinnen und Vertreter von Religionsgemeinschaften, Kirchen, Laienvertretungen, Politik und Wissenschaft aus Deutschland, Südosteuropa, dem Nahen Osten und Afrika ins Gespräch über Fragen aus den Bereichen Ökumene, Kirche, Gesellschaft und Politik. (hs)

Bericht: Erzbischöfliches Ordinariat

Foto: Hötzelsperger  (Altstadt in Krk)

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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