Kirche

Marx: „Biblische Tradition ist ein Nein gegenüber dem Tod“

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Kardinal Reinhard Marx hat Angesichts der Tatsache, dass jeder Mensch Abbild Gottes sei, die „Absurdität des Todes“ betont. Die ganze biblische Tradition sei „ein Nein gegenüber dem Tod“, unterstreiche den Willen, „durch die Liebe diese Absurdität aufzuheben“ und lade dazu ein, „den Möglichkeiten Gottes zu trauen“, sagte der Erzbischof von München und Freising bei einem Gottesdienst im Rahmen der Münchner Opernfestspiele am Sonntag, 27. Juni, in der Jesuitenkirche St. Michael in der Münchner Fußgängerzone.

Mit Blick auf den Gottesdienst, der von künstlerischen Darbietungen geprägt war, sagte Marx, aus den biblischen Erzählungen werde klar: „Das größte nur denkbare Kunstwerk ist der Mensch selbst.“ Der „revolutionäre Gedanke, dass jeder Mensch Bild des lebendigen Gottes ist“, sei jedoch ein Impuls, „der längst noch nicht eingeholt ist in Politik und Gesellschaft“, sondern erst noch gänzlich verstanden und umgesetzt werden müsse. „Je mehr wir darüber nachdenken, was es bedeutet, dass der Mensch Bild Gottes ist, umso mehr sehen wir auch unseren Auftrag, unsere Möglichkeiten und Grenzen“, so Marx. In der Betrachtung dieses Gedankens werde der Tod laut Marx „umso absurder“. Das sei „die Antwort auf die Wahrheit, dass der Mensch Bild Gottes ist. Etwas Unvergleichliches, Großes – jeder Mensch mit seiner Erfahrung der Liebe, der Möglichkeit der Krankheit“ und mit „all dem, was ein menschliches Leben ausmacht“. Die Gedanken, Gefühle und Erfahrungen, die einen Menschen einmalig machten, „können nicht einfach ausgelöscht werden“, so Marx.

Angesichts des Themas der laufenden Spielzeit der Bayerischen Staatsoper, „der wendende Punkt“, das Rainer Maria Rilkes Gedichtzyklus „Die Sonette an Orpheus“ in den Blick nimmt, erinnerte Kardinal Marx an seinen Brief an Papst Franziskus. Es sei auch bei der Formulierung vom „toten Punkt“ um einen Wendepunkt gegangen, so Marx. Das auf den Jesuitenpater Alfred Delp zurückgehende Zitat, „dass wir vielleicht an einem gewissen toten Punkt angekommen sind“, sei „nicht eine Klage darüber, dass das das Ende ist, sondern zu einem Wendepunkt werden kann“. Ein Wendepunkt könne erreicht werden, „wenn man den toten Punkt gesehen und anerkannt hat“, betonte Marx. So wie Christus und auch wie die Sagengestalt Orpheus müsse man „hineingehen in die Nacht des Todes, in die Finsternis“ damit Verwandlung geschehen könne. „Ohne Trennung, Schmerz und Annehmen des Todes geht das nicht. Ohne Tod keine Auferstehung.“ Auch die Kirche dürfe nicht zurückschauen, „und meinen, im Rückblick werde die Rettung erfolgen“. Diese könne nur „im Ausblick“ erfolgen und im Hören auf die Stimme des Herrn: „Glaube nur, dann werden tote Punkte zu wendenden Punkten.“

Ein Ensemble aus Musikerinnen und Musikern des Bayerischen Staatsorchesters und der Bayerischen Staatsoper unter der Leitung von Chad Kelly gestaltete den Gottesdienst musikalisch. Verteilt über den Gottesdienst trug der scheidende Intendant der Bayerischen Staatsoper, Nikolaus Bachler, Gedichte aus dem Zyklus der „Sonette an Orpheus“ vor. Zum Abschluss des Gottesdienstes dankte Monsignore Thomas Schlichting, Leiter des Ressorts Seelsorge und kirchliches Leben im Erzbistum München und Freising, Bachler „für die vielen Jahre der guten Zusammenarbeit zwischen der Staatsoper und unserem Fachbereich Kunstpastoral“ und wünschte für die Zukunft vor allem „gute Augenblicke“. (hs)

Bericht: Erzbischöfliches Ordinariat

Foto: Rainer Nitzsche

 

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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