Brauchtum

Maibaumkraxeln in Rottenstuben

Um am Pfingstmontag die perfekte Mischung zu haben – und um die beste Kraxeltechnik zu erproben – schmieren sich unterm Jahr einige junge Burschen und Mädel aus Hebertsfelden und Umgebung bis zu zweimal in der Woche mit einem Gemisch aus Saupech, Riemenöl und Pflanzenöl Hände und Füße ein. Sie kraxeln damit einen ungefähr 8 Meter hohen Übungsmaibaum hoch, der in einem Stadel steht. Am Pfingstmontag gilts dann: Das alljährliche Maibaumsteigen oder auch Maibaumkraxeln ist angesagt! Wer am schnellsten am ersten Kranz des unbemalten Baums angelangt, ist der Sieger. 

Anschauen können die Kraxler sich den Maibaum bis dahin schon eine Zeit lang: aufgestellt wird er nämlich schon am 1. Mai, wie auch sonst in fast ganz Bayern üblich. Unüblich ist eher, dass vorher bereits ausgemacht wird, wer „den Baum hat“. Also quasi ein „abgesprochenes Stehlen“. Es gibt dann auch kein Maibaumstüberl, allerdings findet eine Maibaumwache schon statt – aber eben nicht mehr täglich.

Das Aufstellen ist in Rottenstuben auch eher kleiner als im restlichen Bayern: die Diebe bringen den Baum zurück und der Wanderverein hievt ihn mit „Schweiberl“ und Muskelkraft in die Senkrechte. Die Diebe dürfen bei Brotzeit und Bier gemütlich dabei zusehen.

In den Jahren, wo das Maibaumsteigen ein Jubiläum feiert, hat ausgemachterweise der Trachtenverein „Lindenthaler Hebertsfelden“ den Baum und bringt ihn am 1. Mai mit Musi und einem Rossgespann zurück zum Aufstellen.

Am Pfingstsonntag wird eine Mai-oder Pfingstandacht im Freien vor der Jakobuskirche in Rottenstuben gefeiert. Meist sind dabei die Lindenthaler für die musikalische Umrahmung der Andacht zuständig.

Das grosse Maibaumfest findet traditionsgemäß immer am Pfingstmontag statt: Auftritte der Trachtenkinder und -jugend sowie der Aktiven und der Schnalzer sind seit Jahrzehnten fester Bestandteil des Programmes.

Wer wird heuer der Schnellste sein? Wer hat das beste Pech? Dem Sieger winkt neben der Ehre auch der Hermann-Gruber-Wanderpokal und viele Zuschauer, die ihn hochleben lassen. Gut tausend Gäste aus nah und fern lassen sich dieses Brauchtum nicht entgehen – viele kehren auch extra hierfür in die alte Heimat zurück, so daß sich nicht nur jung und alt hier trefflich unterhalten, sondern man auch viele Gesichter wieder sieht, die man das Jahr über schmerzlich vermisst.

Nachdem der Sieger gekürt wurde, geht es mit der Maibaumakrobatik weiter. Jetzt kraxeln mehrere junge Burschen und Mädel gleichzeitig den Baum hinauf und führen allerlei gewagte Kunststücke auf! Das Ganze ist so sehenswert, dass auch schon (und nicht nur) der Bayerisches Fernsehen mehrmals einen Bericht darüber gesendet hat. Seriensieger ist übrigens Rainer Preisinger, der genauso wie Mitkraxler Simon Reiterer auch bei den Lindenthaler Trachtlern aktiv ist. Die beiden sind als gute Plattler auch in der Gaugruppe des Bayerischen Inngau Trachtenverbandes dabei.

Sollte es am Pfingstsonntag regnen, wird die Veranstaltung verschoben – denn bei Regen lässt sich gar nicht kraxeln. Auch zuviel Sonnenschein ist nicht optimal: dann wird das Pech weich und die Maibaumsteiger rutschen ab.

Der Maibaum wird am Ende des Festes versteigert und gleich am nächsten Tag umgelegt – oft sieht er dann als Bauholz einer neuen Bestimmung entgegen.

Bericht: Bayerischer Inngau-Trachtenverband / Adelheid Bonnetsmüller

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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