Natur & Umwelt

„Liselotte“ ist der erste Unverpacktladen in Kiefersfelden:

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Bunt. Vielseitig. Praktisch. Hygienisch. Billig. Haltbar. Mit diesen positiven Eigenschaften trat das Plastik vor gut 100 Jahren seinen enormen Siegeszug an. Heute ist der Werkstoff allgegenwärtig. Selbst in den meisten Bioläden gibt es kaum Lebensmittel ohne plastikhaltige Verpackung. Dass es auch anders geht, beweisen die Unverpackt-Läden, die sich immer größerer Beliebtheit erfreuen. Deutschlandweit gibt es schon knapp 200. In Bayern sind es aktuell 26 – neu mit dabei ist Lisa Musik mit „Liselotte“ – dem ersten Unverpacktladen in Kiefersfelden.     

Tante-Emma-Laden 2.0 – so kann man sich den neuen Unverpacktladen in der Kufsteiner Straße 54 in Kiefersfelden vorstellen. Man tritt ein und fühlt sich sofort wohl. Der kleine Laden ist mit sichtbar viel Liebe eingerichtet und gestaltet. Obst und Gemüse lagert in antiken Holzschubläden. Putzutensilien aus Holz und Bambus sind kunstvoll an der Holzrückseite eines Kinderbettes drapiert. In ihren Kindertagen hat Lisa Musik darin geschlafen. Vor der Wand steht eine alte Nähmaschine, die nun ebenfalls zum Präsentieren der Ware dient. „Darauf habe ich früher immer Tante-Emma-Laden gespielt“, schmunzelt die 29-jährige.

Wer durch das rund 70 Quadratmeter große Lädchen spaziert, merkt schnell, wie viel Liebe in diesem Projekt steckt. Zu kaufen gibt es „alles was das Herz begeht – und nichts, was der Umwelt schadet“. Das Sortiment umfasst im Lebensmittelbereich Brot, Getreide, Obst, Gemüse, Kaffee, Tee, Gewürze, Eier, Nudeln und Reis, Müsli, Milchprodukte, Nüsse, Trocken- und Hülsenfrüchte – alles in Bio-Qualität, fair produziert und so weit wie möglich aus regionalem Anbau. Außerdem gibt es verschiedenste Haushaltswaren und Hygieneartikel. Selbst das Toilettenpapier bekommt man bei „Liselotte“ ohne Verpackung. Vor der Kasse stehen dann noch verschiedene Schokoladen und Süßigkeiten in großen Gläsern bereit – spätestens bei diesem Anblick kommt Nostalgie auf.

Nachhaltiges Leben hat Lisa Musik von ihrer Mutter gelernt. „Ihr war es immer schon wichtig, dass es bei uns Zuhause gesunde Ernährung gibt und möglichst wenig Plastik zum Einsatz kommt“, erzählt Lisa Musik. Sich selbst intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt hat die junge Frau aber erst so richtig, als sie zusammen mit einer Freundin für ein Jahr um die Welt reiste. „Wo wir auch waren, lagen Berge von Plastikmüll.“ Dadurch reifte in ihr der Entschluss, selbst aktiv etwas gegen diese Entwicklung zu tun. Wieder daheim entschloss sie sich, selbst einen Unverpacktladen zu eröffnen.   Ein Abenteuer, denn zuerst einmal musste sich die gelernte Erzieherin dafür von der Pike auf in diese Materie einarbeiten und nebenbei auch noch lernen, ein eigenes Unternehmen zu führen. Die gesamte Familie und ihr Freund standen dabei hinter ihr und haben sie stets mit Rat und Tat begleitet.

Das Konzept von „Liselotte“ ist einfach. Die Kunden bringen zum Einkauf ihre eigenen Behältnisse mit oder leihen sie kostenfrei dort aus. Eingefüllt und abgewogen wird selbständig. Wer will, kann dann auch noch einen Kaffee trinken. Lisa Musik hat an alles gedacht, damit sich die Kunden bei ihr rundum wohl fühlen. Nach dem ersten Besuch kommen viele immer wieder gerne. Eine Kundin bringt es auf den Punkt: „So macht Einkaufen auch wieder Spaß.“

Bericht und Fotos: Karin Wunsam / Julia Dinner – Beitrag entstand in Kooperation mit dem Wendelstein Anzeiger

 

 

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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