Brauchtum

Leonhardiritt Greimharting – Bericht und Bilder Teil 3

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Vor zehn Jahren wurde in Greimharting in der Gemeinde Rimsting die 600jährige Verehrung des Heiligen Leonhard mit einem Jubiläums-Leonhardiritt gefeiert, im Vorjahr fiel der Traditions-Umritt wegen der Pandemie aus und heuer gab es wieder eine wohl einzigartige Besonderheit: beim Einzug in die Kirche mit den Kerzen der Bürgermeister aus dem Ort und aus den Nachbargemeinden waren es allesamt Neu-Bürgermeister, die das erste mal eine gestiftete Kerze zum Altarrraum trugen und die anschließend in einer Festkutsche aktiv am Umritt dabei waren. Gut 50 Rösser waren zudem mit dabei.

Den Gottesdienst mit Orgel- und Stubenmusik sowie mit Gesang zelebrierte Pfarrvikar Gottfried Grengel, der im Jahr 2006 seine Primiz im Rupertiwinkl in St. Leonhard feierte. Für ihn ist der Heilige Leonhard in mehrfacher Hinsicht ein Vorbild für Christen und Gesellschaft als er in seiner Predigt sagte: „Für den Heiligen Leonhard waren Bibel und Benediktiner-Orden Orientierung, heute lassen sich die Menschen viel zu schnell von den Nachrichten und Medien aus der Bahn werfen. Leonhard war ein Lesender und Meditierender, der wusste, dass man sich auf Gott verlassen kann und dass Gott nicht enttäuscht“. In der Greimhartinger Kirche ist der Patron des Gotteshauses im Altarbild mit einfachem Gewand dargestellt. Das zeigt – so der Geistliche weiter – dass weder Trend, noch Mode oder wechselhafter Geschmack auf Dauer den Büßer, Einsiedler und Mönch von seinem Tun ablenken konnten. Dazu erklärte der Pfarrvikar: „Beim Heiligen Leonhard, der heute noch Fürsprecher für Gefangene und Vieh ist, waren Herz und Charakter eine Einheit, er hatte ein christliches Alltagsgewand und war im Gewand Gottes eingehüllt. Letztlich strahlte er von Innen“. Zum Abschluss des Gottesdienstes dankte Pfarrvikar Grengel allen Beteiligten von Greimharting für die bodenständige und ehrliche Brauchtumspflege in der Dorf- und Kirchengemeinschaft, denn sie macht es aus, dass Bayern nicht nur schön, sondern auch liebenswürdig ist.

Die Tradition des Kerzeneinzuges

 Ehe in Greimharting der Gottesdienst zum Kirchenpatrozinium beginnt ist es gute Tradition, dass fünf Verantwortliche des öffentlichen Lebens eine große Kerze in die Kirche tragen. Nachdem es diese Tradition schon lange vor der Gebietsreform im Jahr 1978 gab, werden die fünf Kerzen namentlich mit den Gemeinden Greimharting, Prien, Rimsting, Hittenkirchen und Wildenwart bezeichnet. Für diese Gemeinden waren heuer nach den Kommunalwahlen im letzten Jahr und nach dem Ausfall des Leonhardiritts im Vorjahr die Bürgermeister Andreas Fenzl (Rimsting), Andreas Friedrich (Prien) und Daniel Mair (Frasdorf) zusammen mit Gerhard Jell, der die ebenfalls neue Bürgermeisterin von Bernau Irene Biebl-Daiber vertrat, allesamt Gemeinde-Oberhäupter erstmals dabei – und allesamt waren sie angetan von der frommen Brauchtumspflege in Greimharting. Gemeinsam nahmen sie Platz auf der Ehrenkutsche von Sebastian Mayer, der auf dem Kutschbock von Bezirksrat und Bayernbund-Landesvorsitzenden Sebastian Friesinger begleitet wurde und der seinerseits als Verantwortlicher des nunmehr zu Ende gegangenen Rosenheimer Bauernherbstes resümierte: „Leonhardi beendet wieder die Bauernherbstsaison, in Greimharting wie immer in authentischer Weise, den stillen Kräften gilt mein Dank!“.

Seit 25 Jahre: Sebastian Mayer kutschiert das Bürgermeister-Quartett

Sebastian Mayer vom Fürstnerhof von Fürst bei Greimharting, seit Kindheit alljährlich  beim Leonhardiritt dabei, hat von seinem Vater die Ehre übernommen, für die Bürgermeister-Prominenz von Greimharting und Umgebung beim Umritt einzuspannen. Er zeigte sich begeistert vom heurigen Ereignis und dankbar, dass es trotz der Einschränkungen möglich war und sagte: „Es war wieder mal ein besonderer Tag für Greimharting, gut 50 sauber herausgeputzte Pferde, schöne Wägen mit kirchlichen Motiven und das Festhalten daran, dass wir immer am Namenstag vom Heiligen Leonhard zusammenkommen, war und ist für mich ein persönliches Erlebnis“. Dankbar waren auch die Besucher, die sich mit Abstand suchend am Umzug erfreuten, diesen verschönten die Segnung von Ross und Reitern durch Pfarrvikar Gottfried Grengel sowie ein eigener Festwagen mit den aufspielenden Priener Blasmusikanten. Die Rosserer aus Greimharting und den Nachbargemeinden präsentierten auch schöne Motivwägen, unter anderem Kirchennachbildungen und Heilige. Veranstalter des Greimhartinger Leonhardiritts ist im übrigen kein Verein, in der Organisation ist die Gemeinde Rimsting behilflich, letztlich kommt Jeder – so der Fürstner-Wast – der was auf den Heiligen Leonhard hält, mit oder ohne Pferd am 6. November nach Greimharting.

Foto: Hötzelsperger – Eindrücke vom Leonhardiritt in Greimharting

Weitere Informationen: www.rimsting.de

 

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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