Kirche

Landeskomitee fordert Stärkung von Frauen in der Kirche

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Katholische Laien: „Von umfassender Einbeziehung in Entscheidungsprozesse noch weit entfernt“ – Laut dem Landeskomitee der Katholiken in Bayern müssen Frauen noch stärker in kirchliche Entscheidungs- und Handlungsprozesse eingebunden werden. „Auch wenn sich innerhalb der katholischen Kirche in Deutschland in den vergangenen zwanzig Jahren positive Entwicklungen feststellen lassen, sind Frauen von einer umfassenden Einbeziehung in Entscheidungsprozesse und einer Beteiligung an Führungsaufgaben bislang noch weit entfernt, von einem Zugang zu den geweihten Ämtern ganz zu schweigen“, stellen die katholischen Laien in einer Erklärung fest. Das Aufkommen von Bewegungen wie „Maria 2.0“ habe gezeigt, dass die bisher erzielten Fortschritte nicht ausreichten. „Es ist theologisch nicht hinreichend begründbar und grob fahrlässig, die Begabungen und Interessen von Frauen nicht besser zu berücksichtigen.“

Mit ihrer diesjährigen Herbstvollversammlung unter dem Motto „Nur weil sie Frauen sind“ nehmen die katholischen Laien Bezug auf die Mystikerin und Kirchenlehrerin Teresa von Avila, die bereits im 16. Jahrhundert für eine Stärkung der Rolle der Frau in Kirche und Gesellschaft gekämpft habe. Nach wie vor gebe es „im kirchlichen Bereich nur relativ wenige Optionen für die Frauen, wenn es darum geht, an Planungen, Entscheidungen und Handlungen maßgeblich beteiligt zu werden“, kritisieren die Laien. Entsprechende Unterstützung findet der Synodalen Weg mit dem Synodalforum „Frauen in Diensten und Ämtern in der Kirche“ in der Erwartung, „eine neue Kultur der Partizipation von Frauen an Diensten und Ämtern zu fördern“. Positiv stellt das Landeskomitee in seiner Erklärung heraus, dass sich „in den Führungsetagen mancher bischöflichen Ordinariate in den deutschsprachigen Diözesen mittlerweile zunehmend Frauen“ finden.

Die bisher eingeschlagenen Wege zur Beteiligung von Frauen an Führungsaufgaben in den administrativen Bereichen müssten nun aber konsequent weitergegangen werden. „Darüber hinaus sind jedoch gemäß dem Prinzip der ,tätigen Teilhabe‘ auch die Optionen eines Zugangs von Frauen zu den geweihten Ämtern zu prüfen und aufzugreifen“, so die Laien. Der Geschäftsführende Ausschuss des Landeskomitees habe dies bereits in einer früheren Stellungnahme gefordert, indem er von den „personae probatae“ anstelle der männlichen Form „viri probati“ spricht. Gemeint sind damit Personen aus der Mitte der Gemeinde, die, auch wenn sie verheiratet sind, zum priesterlichen Dienst in der Kirche geweiht werden könnten. Durch die Übernahme zahlreicher seelsorglicher Tätigkeiten und Dienste zeige sich längst, „wie vielfältig die Berufungen von Frauen ausgeprägt sind und wie sie sich noch weiter entfalten können“, heißt es in der Erklärung weiter.

Vorbild für mehr Berücksichtigung der Frauen im kirchlichen Bereich könnten laut Landeskomitee „die Verbände, die Gremien des katholischen Laienapostolats und in gewisser Hinsicht auch die Orden sein, die Demokratiebildung und  Teilhabe von Frauen an allen Funktionen und Ämtern in der katholischen Kirche vorangebracht haben“. Dort besäßen Frauen, entsprechend der politischen und gesellschaftlichen Entwicklung, ein Wahlrecht und übernähmen selbstverständlich Leitungsfunktionen. In Staat und Gesellschaft sei die rechtliche Gleichstellung von Frau und Mann noch nicht zufriedenstallend, jedoch grundsätzlich vollzogen, „aber in der katholischen Kirche bislang nicht“.

Es müsse laut Landeskomitee gelingen, die Begabungen möglichst aller Gläubigen sowohl in das Leben einer kirchlichen Gemeinde als auch in die Kirche insgesamt einfließen zu lassen: „Neben den Frauen zählen dazu natürlich auch die Männer, die Jüngeren und die Älteren, die Alleinstehenden und die in Ehe oder Partnerschaft Lebenden ebenso wie die Menschen mit Handicap, die Gesunden, die Kranken, die Reichen und die Armen.“ Bereits im ersten Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde von Korinth seien unterschiedliche Befähigungen der Menschen aufgeführt, welche die Verantwortlichen in einer Gemeinde wertschätzen sollten. „Es ist das Gebot der Stunde, sich dieser urchristlichen Lobeshymne und Mahnung wieder bewusst zu werden und sie für die Kirche lebendig werden zu lassen.“ (hs)

Bericht: Erzbischöfliches Ordinariat

Foto: Hötzelsperger

 

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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