Kultur

Kulturschaffende kritisieren Künstlerhilfsprogramm

Die Kulturschaffenden in Bayern kritisieren das von der Staatsregierung aufgelegte „Künstlerhilfsprogramm Plus“, das am 15. Mai von Ministerpräsident Markus Söder und Kulturstaatsminister Bernd Sibler gefeiert wurde.

Wir fordern einen echten „Kulturrettungsschirm“

„Das war noch nicht das Gelbe vom Ei“, so Bernd Schweinar, Landesgeschäftsführer des VPBy. „Nichts von dem, was wir nach der persönlichen Runde mit Ministerpräsident Söder eingesteuert hatten, war in der Pressemitteilung und dem Programm sichtbar. “

„Die Erstattung der Notbetriebskosten sind elementar, bis Publikumsveranstaltungen wieder kostendeckend durchführbar sind! Sonst droht Bayern die Infrastruktur der freien Kultur wegzubrechen!“, heißt es in dem Positionspapier zum angekündigten Hilfspaket der Bayerischen Staatsregierung. Ferner werde eine Gleichbehandlung der Kulturschaffenden gefordert. „In Bayern darf es keine Künstler erster und zweiter Klasse geben, keine Unterscheidung zwischen subventionierter Kultur und den freien Kulturschaffenden“, heißt es weiter. „Ein solo-selbständiger Techniker darf nicht schlechter behandelt werden, als Techniker an staatlichen Bühnen.“

Bereits mehr als 250 Künstler*innen und Produktionsbeteiligte unterstützen die Forderung nach einem echten „Kulturrettungsschirm“. Unter ihnen der Verband für Popkultur in Bayern, die Kabarettist*innen Urban Priol, Birgit Süß, Frank-Markus Barwasser, Helmut Schleich und Michael Mittermeier, der Musiker und Musik-Kabarettist Roland Hefter, der Lyriker, Musiker und Schauspieler Wolfgang Ramadan, die Schauspieler Thomas Darchinger, Johanna Bittenbinder und Andreas Wolf, die Wellküren, der Filmemacher Walter Steffen, die Sängerinnen Christina Jung und Stephanie Eineder und viele mehr https://www.kulturrettungsschirm.bayern/unterstuetzer.

Clubs, freie Veranstalter und Solo-Selbständige, um nur einige zu nennen, fürchten durch die Corona-Situation um ihre Lebensgrundlage. Nach ihrer Auffassung geht das „Künstlerhilfsprogramm Plus“ am langfristigen Nothilfebedarf der freien Kulturszene weitestgehend vorbei. Im Fokus der Staatsregierung dominiert augenscheinlich weiterhin die Kulturdefinition der bereits subventionierten Kultur. Von den Zuarbeiten hat so gut wie nichts seinen Niederschlag in der Ausarbeitung der Staatsregierung gefunden. Die bisher nicht subventionierte freie Kulturszene sei bei Publikumsveranstaltungen weiterhin Durchführungsverboten unterworfen, da Veranstaltungsorte größtenteils nicht öffnen dürfen. Zudem lassen die Distanzregelungen eine zumindest kostendeckende Durchführung der Veranstaltungen überwiegend nicht zu.

Die Soforthilfe, die einmalige Zahlung von 9000 Euro, sei völlig unzureichend, da dieser Betrag vielfach nur zur kurzfristigen Deckung von Kosten reiche. Auch die Gutscheinlösung sei eine Nullnummer: „Das Problem wird nicht aufgehoben, sondern nur nach hinten verschoben,“ kritisiert der Lyriker und Musiker Wolfgang Ramadan, der mit seinem „Brot&Spiele“- Kulturprogramm seit 16 Jahren einen Beitrag zur kulturellen Grundversorgung in zwölf oberbayerischen Städten und Gemeinden leistet.

„Viele Solo-Selbständige haben keine Soforthilfe erhalten, oder bekamen sie nur für die Deckung ihrer Betriebskosten überwiesen“, so Kathrin Feldmann, eine Münchner Künstlerin. „Der überwiegende Anteil hat jedoch kaum Betriebskosten und müsse das Geld für den Lebensunterhalt verwenden dürfen. Wer die Bundes-Corona-Nothilfe beantragt hatte, wurde zudem vom bayrischen Hilfsprogramm ausgeschlossen. Unabhängig davon, ob dieser bewilligt worden ist, oder nicht.“ Das bedeute für viele Betroffene einen unverschuldeten Abstieg in Hartz IV. Kathrin Feldmann war bundesweit die erste Künstlerin, die durchsetzen konnte, dass auf dem Münchner Odeonsplatz Konzerte in Form von Versammlungen stattfinden dürfen. Das nächste am 31.05., um 14 Uhr. Mit über 50 Musizierenden wird gerechnet.

Bernd Schweinar: „Jetzt sind wir im Dialog und es beginnt konstruktiv zu werden, auch wenn wir noch Hürden zu überwinden haben. Aber vielleicht tut sich ja in der heutigen Kabinettssitzung noch etwas.“

Kernpunkte, die für uns noch unter den Rettungsschirm gehören:

  • Komprimiert sind das die dezentralen Veranstalter und Agenturen, die vielfach den ländlichen Raum mit Kultur versorgen.
  • Auch für die Electro-Clubs suchen wir noch nach einem Weg.
  • Beide Positionen bedingen einen überschaubaren Aufschlag bei den erforderlichen Mitteln.
  • Und final geht es um die Kreativen und Solo-Selbständigen, die noch länger Arbeitsverbote haben.

31.05., Aufruf KONZERTierte AKTION:

Das Bündnis kuturrettungsschirm.bayern ruft bayernweit Kulturschaffende auf, am 31.05. ebenfalls Veranstaltungen durchzuführen, unter dem Motto #freiekulturretten.

Weitere Informatione dazu gibt es auf der Website kulturrettungsschirm.bayern.

Text und Bildmaterial: Verband für Popkultur in Bayern e.V. (VPBy)

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

Schreibe einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Beiträge und Fotos sind urheberrechtlich geschützt!