Leitartikel

Kriegserinnerungen des 92jährigen Hans Pumpfer aus Sachrang

Anton Hötzelsperger
Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Einen Monat nach seinem 16. Geburtstag wurde der junge Hans Pumpfer  in Sachrang zum Kriegsdienst eingezogen. Es war der 16. Januar 1945. Die Zeit vor diesem Termin und die Erlebnisse bis zur Entlassung aus der amerikanischen Gefangenschaft erzählt der inzwischen 92-Jährige bei einem Besuch in seinem Haus in Innerwald, das vor der Gebietsreform zu Sachrang und nunmehr zur Gemeinde Aschau i. Chiemgau gehört.

Die jungen Burschen wurden zu damaliger Zeit systematisch auf einen Kriegseinsatz vorbereitet. So war Hans Pumpfer bereits ab 1942 zu  Schulungen eingeladen, ein erster Lehrgang war in Bergen im Chiemgau, zu dessen Ende dichteten sich die Kameraden um Hans Pumpfer folgendes Lied: „Am Bergener Bahnhof ein Hitlerjunge stand, er hielt seinen Koffer fest in der Hand, ihn kann nichts mehr erschüttern, kein Führer-Geschrei, kein Führer-Geplärr, er fährt nach Hause in eine bessere Zeit und die nach uns kommen, tun uns heute schon leid“. In diesem ersten Führerlager war unter anderem auch Peter Osterhammer aus Reith bei Bernau, der ein besonders humorvoller junger Bursche war. In seinen weiteren Aufzeichnungen hat Hans Pumpfer festgehalten, dass ein folgendes Lager, an dem er teilnahm, in Königsdorf zwischen Geretsried und Bad Tölz mit sauberer Trennung zwischen Mädchen und Buben war. 1943 wurde er in der Gebietsführerschule in der Kaspernmühle bei Weihern zum Kriegseinsatzführer ausgebildet, 1944 wurde er noch Standortführer in Sachrang, zu den Schulungen erinnert er sich zusammenfassend wie folgt: „Wir waren alle mit großer Begeisterung dabei. Die NS-Führungsschichten verstanden es in unglaublicher Weise, die Jugend für ihre Machenschaften heranzuziehen und zu missbrauchen“.  Seine 1943 begonnene Zimmererlehre bei der Firma Johann Baptist Huber in Aschau wurde mit der Einberufung 1945 unterbrochen, erst im Jahr 1946 konnte sie fortgesetzt und im Frühjahr 1947 mit der Gesellenprüfung erfolgreich abgeschlossen werden. 1950 hat Hans Pumpfer dann mit 21 Jahren einen Zimmereibetrieb aufgemacht und 1959 zu einer eigenem Baugeschäft erweitert.

Pumpfer´s Kriegsdienst als Kurierfahrer  –  Hans Pumpfer´s Kriegsdienst begann bei einer Kuriereinheit in München, seine letzte Fahrt führte abenteuerlich nach Berlin. Nach Ablieferung der Kurierpost bekam er und sein Begleiter vom Stadtkommandanten vom 14. bis 16. April 1945 zwei Tage Sonderurlaub, da die nach München bestimmt Kurierpost noch nicht fertig war. „Mit dem letzten Zug kam ich mit viel Glück noch aus der von Russen eingekesselten Stadt Berlin heraus; da die direkte Strecke nach München teilweise von Amerikaner besetzt war, suchte ich den Weg über Prag und Pilsen“. Dort wurde Hans Pumpfer mit anderen Kameraden aus dem von Amerikanern zerbombten Bahnhofsgebäude herausgeholt und zur ärztlichen Versorgung gebracht. Alsdann ging es anfangs mit vier weiteren Kameraden zu Fuß langsam weiter, ab der Nacht war Hans Pumpfer alleine und ohne die verletzten Kameraden unterwegs als ein Holzgaser-LKW im Schritt-Tempo herankam. „Da dieser auf mein Winken nicht anhielt, sprang ich über die hintere Bordwand einfach auf, auf der Ladefläche waren mehrere Offiziere und ein wortstarker Wirt vom Bayerischen Wald, dieser setzte sich für mich ein und ich konnte bleiben“. Auf diese Weise kam er aus Tschechien heraus und er konnte die im Rucksack befindliche Kurierpost teilweise zu Fuß und zum Teil mit einem Militärfahrzeug mitfahrend in München abliefern. Eine letzte Kurierfahrt führte nach Bad Reichenhall – von dort kehrte er, da er keinen Kurierpost-Auftrag mehr bekam und das Kriegsende nahte nicht zur Dienststelle, sondern mit einem Fahrrad direkt in seine Prientaler Heimat zurück, da München schon gefährlich war. Kurze Zeit später waren die Amerikaner in Aschau. Am Brückler Berg errichteten sie eine Kontrollstelle, in Innerwald und Sachrang waren zu der Zeit noch deutsche Kompanien stationiert. „Da wurde streng kontrolliert, nur der Milchfahrer durfte passieren, nach etwa drei Wochen ergaben sich die Deutschen und warfen ihre Gewehre weg. Von der Sachranger Polizei wurde ich dann aufgefordert, mich in Rosenheim zur offiziellen Entlassung zu melden, was ich auch tat, denn bei Nicht-Befolgen wären die Amerikaner gekommen und hätten mich abgeholt“.  Im Laufe des Monats Juli 1945 wurde Hans Pumpfer mit 40 Reichsmark (1948 kam dann die D-Mark) Entlassungsgeld aus der amerikanischen Gefangenschaft entlassen, dazu: „Im Rosenheimer Lager ging die Angst um, nach Bad Aibling überstellt und dann weiter den Franzosen ausgeliefert zu werden, doch ich und ein weiterer Kurier aus Salzburg hatten Glück, in Rosenheim entlassen zu werden“.

Nach dem Krieg: Gründung einer Baufirma  –  Nach dem Kriegsende widmete sich Hans Pumpfer wieder seinem Beruf, er gründete eine eigene, bis heute bestehende Baufirma, er setzte sich für Soziales und Kommunales ein, war lange Zeit Bürgermeister der Gemeinde Sachrang und stellvertretender Bürgermeister der Gemeinde Aschau und vielfach im Ehrenamt bei den Vereinen und in der SPD engagiert. Lange war er auch Zweiter Vorsitzender bei der Krieger- und Soldatenkameradschaft Sachrang, in dieser ist er fast 70 Jahre Mitglied und heute Ehrenvorsitzender. Ehrenmitglied ist er auch beim Sachranger Patenverein, den Veteranen in Schleching und eine weitere Auszeichnung überreichte ihm der Tiroler Kaiserjägerbund, Bezirksgruppe Kufstein. Von dieser erhielt er für seine besonderen Verdienste und Kameradschaft die Verdienstmedaille mit Schwertern am Bande in Gold. Mit Stolz und Freude zeigt er seine Ehrenurkunden, zumal ihm durch ein Missgeschick alle Unterlagen und Bilder-Erinnerungen aus seiner Soldatenzeit abhandengekommen sind. Im Alter von 56 Jahren heiratete er seine Frau Hannelore, mit ihr verbringt er den Lebensabend in seinem Haus in Innerwald und liebevoll umsorgt er seit vielen Jahren seine durch einen Verkehrsunfall erblindete Frau. Besondere Auszeichnungen erhielt Hans Pumpfer im Jahr 1990 durch die Bayerische Kommunale Verdienstmedaille in Bronze durch Landrat Dr. Max Gimple und Aschaus Bürgermeister Kaspar Öttl. Am 2. August 2018 wurde im Preysingsaal auf Schloss Hohenaschau auf Anregung des Bayernbundes und mit Unterstützung der Gemeinde Aschau bei einem Festakt an Hans Pumpfer das Bundesverdienstkreuz von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier verliehen, überreicht von der Bayerischen Staatsministerin Kerstin Schreyer.

Fotos: Hötzelsperger – 1. Hans Pumpfer mit seinen Ehren-Urkunden der Krieger- und Soldatenkameradschaften von Sachrang und vom Tiroler Kaiserjägerbund.

 

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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