Kirche

Kardinal Marx: „Der Diskussionspegel muss steigen“

Anton Hötzelsperger
Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Kardinal Reinhard Marx fordert einen umfassenden gesellschaftlichen Diskurs, um atomare Gefahren zu thematisieren und die Abschaffung von Atomwaffen voranzubringen: „Der Diskussionspegel muss steigen.“ Das Ziel müsse immer lauten, „wie schaffen wir Frieden und nicht, wie finden wir Möglichkeiten, Krieg zu führen?“, sagte Kardinal Reinhard Marx am Donnerstag, 13. Februar, bei einer Podiumsdiskussion im Vorfeld der Münchner Sicherheitskonferenz mit dem früheren deutschen Außenminister Joschka Fischer und der ehemaligen US-Außenministerin Madeleine Albright zum Thema „Banning Nuclear Weapons – Auftrag oder Illusion?“ in der Katholischen Akademie Bayern. Besondere Sorge bereiteten ihm Nuklearwaffen angesichts einer „Rückkehr des Nationalismus, die ich noch vor einigen Jahren nicht für möglich gehalten hätte“, sagte der Erzbischof von München und Freising.

Das globale Besinnen auf die eigenen Vorteile müsse aufhören, so Marx: „Wir brauchen eine Überlegung, was für die Welt insgesamt wichtig ist. Die Großmächte haben die Verantwortung, hier voranzugehen – und nicht ein neues Wettrüsten in Gang zu bringen.“ Der Atomwaffenverbotsvertrag der Vereinten Nationen von 2017 sei ein wichtiger erster Schritt gewesen. Ebenfalls lobte der Kardinal die deutlichen Worte von Papst Franziskus, der das Wettrüsten mit Atomwaffen zuletzt als „himmelschreienden Anschlag“ auf die Menschheit verurteilt und ein weltweites Aus von Massenvernichtungswaffen gefordert hatte. Für eine nachhaltige Änderung der Situation brauche es zusätzlich aber eine „laute öffentliche Debatte“ durch alle Teile der Bevölkerung, forderte der Kardinal: „Nicht nur, weil wir moralisch gute Menschen sein wollen, sondern auch, weil es in unser aller langfristigem Interesse liegt.“ Das Ziel vieler kleiner und großer Dialogprozesse müsse die Übereinkunft sein, dass es für alle besser sei, den Unsicherheitsfaktor Atomwaffen zu beseitigen. „Die Vernunft muss vorangetrieben werden“, so Marx.

Zugleich müsse auf globaler Ebene eine Atmosphäre des Dialogs und gemeinsamer Interessen entstehen, „in der Länder nicht das Gefühl haben, Atomwaffen zu brauchen, um sich sicher zu fühlen“. Es stehe außer Frage, dass es schwer sei, global mehr gegenseitiges Vertrauen zu schaffen und so Atomwaffen langfristig beseitigen zu können, räumte der Kardinal ein. „Eine der wichtigsten Ressourcen, die wir als Kirche einzubringen haben, ist Hoffnung. Sie ist das Kernelement, damit wir schwierige Schritte gehen können und nicht sagen, es hat ohnehin keinen Zweck.“ (hs)

Bericht: Erzbischöfliches Ordinariat

Foto: Kardinal Marx bei einem Besuch auf Frauenchiemsee im Gespräch mit Jugendlichen

 

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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