Brauchtum

Jugendleiterschulung beim Isargau

Im Jubiläumsjahr des Isargaues begrüßte Gaujugenleiterin Conny Deinstorfer die Jugenleiterinnen und Jugendleiter der einzelnen Vereine im Pallottihaus in Freising. Bereits am Freitag wurden die Jugendleiterinnen und Jugendleiter sehr kreativ, denn es ging darum, kleinen Hefte bzw. Malbücher in Form der bekannten Pixi-Bücher zu entwerfen. Diese sollen den Kindern aber auch den Eltern auf spielerische Art und Weise die Trachtensache näherbringen. Weiterhin wurde ein Film vom Jugendzeltlager gezeigt und jeder teilnehmende Verein bekommt bei Conny eine DVD davon.

Am Samstag begrüßte Conny den Dozenten der Hanns-Seidel-Stiftung für den Vormittag, Herrn Thomas Gerlach. Herr Gerlach ist Journalist, Blogger und Social-Media Experte. Als solcher hatte er für die anwesenden Jugendleiterinnen und Jugendleiter auch ein spannendes Thema dabei: „Der digitale Verein: Präsentation und Kommunikation in sozialen Medien“. Das dieses Thema immer wichtiger wird, zeigt allein schon, dass auch für Vereine viele Leute fast ausschließlich über die sozialen und digitalen Netzwerke zu erreichen sind.

Herr Gerlach erläuterte zuerst die Unterschiede zwischen Twitter, Instagram, Facebook, What´s App und Pinterest. Dabei erklärte er den verblüfften Jugendleiterinnen und Jugendleitern, dass sie sich eigentlich jeden Tag rein vom Gesetz her mit der Benutzung von What´s App strafbar machten. Allein schon die erste Frage von What´s App bei der Installation auf dem Mobiltelefon ist schon rechtswidrig: „Willst du dich mit deinen Freunden verbinden?“ What´s App ist per se ein Messenger, dieser leitet Nachrichten und Daten weiter und diese werden automatisch in den USA gespeichert. Der einzige deutsche Dienst, der sich an das deutsche Datenschutzgesetz hält, ist „nebenan.de“. Dieser Dienst ist aber leider nahezu unbekannt.

Wir leben in einer Revolutionären Zeit! Alles verändert sich sehr schnell, mit den Mobiltelefonen haben wir faktisch einen Großrechner in der Hosentasche und wenn wer eine Smartwatch besitzt einen PC am Handgelenk. Wenn wir überlegen, so lange ist es noch nicht wirklich her, dass Großrechner ganze Kellerräume von Firmen gefüllt haben. Heutzutage ist das ein Kasten, der an der Wand hängt. Laut dem Moorschen Gesetz (Hersteller von Intel) wird es sich entwickeln, dass die sich die Rechnerleistung ca. alle 1,5 Jahre verdoppeln wird.

Herr Gerlach erläuterte die weltweite Nutzung der sozialen Medien. Eine Homepage ein sogenannte Pullmedium ist, sprich der Verbraucher muss hier selbst aktiv etwas holen. Früher wurden Fakten z.B. durch Journalisten geprüft, heute kann jeder alles sofort und ohne Prüfung verteilen und lesen. Auch können die Empfänger dieser Informationen auf diese antworten. Bis 2017 waren es fast 2 Mrd. Nutzer von What´s App weltwelt, in Deutschlend 40 Mio. für What´s App, 31 Mio. auf Facebook und 17 Mio. auf Instagram. Die Mediennutzung der 14-29-jährigen in Deutschland im Jahr 2016 lagen bei 44,4 % im Internet und „nur“ 33 % beim Fernsehen.

Warum sind eigentlich alle bei Facebook? Herr Gerlach stellte fest, dass wir als Menschen deshalb so erfolgreich sind, weil wir in großen Gruppen zusammenarbeiten, u.a. soziale Pflege, gemeinsame Ziele und Sicherheit treiben uns an. Dabei sind 67 % davon Tratsch und 33 % wichtige Informationen. Hieraus ersieht man also den allgemeinen „Wissendurst“ der Menschheit. Ob dies jetzt prozentual optimal ist, dass lasse ich jetzt mal persönlich jeden selbst entscheiden.

Herr Gerlach referierte nun darüber, wie die Homepage eines Vereins am besten gefunden werden kann. Dies funktioniere am besten über die sog. Schlagworte, wie z.B. Tracht, der Vereinsname etc.. Hierzu kann man sich bei Google selbst Suchen und bei der Googlesuche am rechten Rand unter Einstellungen und business.google.com die richtigen Schlagworte für den Verein eintragen. Auch eine Bewertung für die Seite ist sehr wichtig. Denn, das sollte man nie vergessen, Google ist ein Marktplatz. 90 % der User schauen nur zu, 9 % kommentieren etwas und nur 1 % machen tatsächlich etwas auf dieser Plattform. Deshalb sollte man die „10 Gebote“ für eine Homepage einhalten. Auch einige Tipps gab Herr Gerlach noch für die Vereinseigene Homepage.

In der Digitalen Welt gibt es leider auch negative Dinge, wie z.B. Trolle und die sog. Shitstorms. Wie soll man hier am besten damit umgehen? Auf jeden Fall sollte man auf das kritisierte Sachthema bei den Diskussionen eingehen, auch wenn die Worte unfreundlich sind. Bei unqualifizierten Posts, z.B. persönlichen Beleidigungen und Angriffen auf gar keinen Fall antworten, auch wenn es schwerfällt. Hier gibt man sonst den „Trollen“ und „Hatern“ wieder ein Plattform auf der sie sich auslassen können. Es kann auch sein, dass diese Menschen es ein paarmal probieren, jemanden aus der Fassung zu bringen. Hier die Ruhe bewahren, ignorieren und auch nicht die Posts löschen. Ansonsten könnten die „normalen“ User den Eindruck gewinnen, dass der Verein alle Posts die ihm nicht passen einfach löschen.

Auch das Thema „Fotographie aus rechtlicher Sicht“ hat Herr Gerlach aufgegriffen. Die Rechte des Fotografen sind u. a. wenn ich ein Foto gemacht habe, dann ist dies urheberrechtlich geschützt und nur ich darf bestimmen, wer es wann wie und wo verwenden darf. Dies gilt z.B. auch auf Facebook oder What´s App, wenn ich ein Foto teile. Ist es nicht von mir erstellt, dann ist es urheberrechtlich geschützt und ich mache mich strafbar, wenn ich auf Teilen klicke und es weiterverbreite. Eine Ausnahme ist z. B., wenn bei Wikipedia das CC bei einem Foto oder Text angegeben ist. Dies bedeutet, creative commons, dann gibt es in der Regel keine rechtlichen Konsequenzen. Aber auch hier gibt es verschiedene Varianten. Unter Wikipedia kann man einen Artikel zu CC finden. Auch das Gerücht, wenn mehr als 7 Personen auf einem Bild sind braucht man keine Zustimmung ist definitiv falsch! Selbst hier darf ich nur fotografieren, wenn ich das implizierte Einverständnis aller Personen habe. Also am besten immer laut und deutlich sagen, für was das Foto verwendet wird. Sollte jemand z.B. nicht in einem Zeitungsartikel abgelichtet werden wollen, hat er dann noch die Gelegenheit sich zu entfernen.

Somit wären wir schon bei den Rechten der Fotografierten angelangt. Ich muss vorher gefragt werden, wenn mich jemand fotografiert. Ausnahmen bilden die Presse, die im Rahmen eines Ereignisses fotografiert. Nun kann ich z.B. nicht von allen Personen die am Marienplatz stehen verlangen zur Seite zu treten, um das Münchner Rathaus zu fotografieren. Hier gilt der sog. Beiwerks-Paragraf, sprich es ist klar ersichtlich, dass ich nur das Rathaus fotografieren wollte und nicht einzelne Personen. Was viele nicht wissen, auch Gebäude obliegen einer Freigabe, d.h. ein Architekt kann z.B. bestimmen, dass ein von ihm erstelltes Gebäude nicht fotografiert werden darf. Hier greift die Panorama-Freiheit, also die bildliche Wiedergabe von der Straße ist nach deutschem und österreichischem Recht erlaubt.

Bei Kindern/Jugendlichen müssen immer die Erziehungsberechtigten gefragt werden. Egal ob das Kind/der Jugendliche seine Einwilligung gegeben hat.

Ganz brisant wird es, wenn § 201a StGB (Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen) verletzt wird. Das kann ein Foto vom Nachbars Garten oder Wohnung sein, wenn dieser sich darin aufhält und kein OK gegeben hat. Hier kann man sich, im schlimmsten Fall, die Welt 2 Jahre lang von einem vergitterten Fenster aus ansehen.

Mit diesen Tipps beendete Herr Gerlach seinen Vortrag und bekam von den Teilnehmern mit den rauchenden Köpfen einen donnernden Applaus. Es zeigt sich immer wieder, als Jugendleiterin und Jugendleiter kann man nie aktuell genug über diese Themenart informiert sein, denn es ändert sich rein rechtlich jedes Jahr sehr viel. Conny bedankte sich sehr herzlich bei Herrn Gerlach und freute sich über die vielen nützlichen und wichtigen Info für die Jugendleiterinnen und Jugendleiter.

Anschließend musste sich Conny von ihrer langjährigen Nr. 2, Christoph Sauer verabschieden, da dieser für das Amt des 2. Gaujugendleiters nicht mehr zur Verfügung stehen würde. 15 Jahre hat Christoph für die Trachtenjugend des Isargaues gearbeitet und er war ob des großen Applauses der Jugendleiterinnen und Jugendleiter sichtlich gerührt. Christoph bedankte sich bei allen für die Wertschätzung und brachte zum Ausdruck, dass ihm die Arbeit immer sehr viel Freude gemacht hätte. Durch die Jugendleiterinnen und Jugendleiter werde es ermöglicht, dass die Trachtensache weiter gedeihe und blühe.

Mit Maxi Ketterl hat Conny noch einen Referenten gewonnen, der über die Nachwuchssuche und Öffentlichkeitsarbeit aus der Praxis sprach. Wie also sollte ein Verein auf sich aufmerksam machen? Dieses kann u.a. auch mit der klassischen alten Methode, dem Handzettel geschehen. Darauf sollten Informationen über den Verein, aber speziell auch der Jugendarbeit abgebildet sein. Was macht der Verein z.B. Jugendausflüge, Auftritte etc. Auch sollten Inhalte und Fotos des Vereins abgebildet sein, z.B. wer ist Jugendleiterin oder Jugendleiter und Vorstand. Auch Informationen, ob die Mitgliedschaft evtl. kostenlos ist und ggf. das Gewand gestellt wird sind wichtige Informationen für die Zielgruppe. Dieser Handzettel sollte klar auf eine Zielgruppe ausgerichtet sein, Kinder spricht etwas anderes an als Jugendliche. Außerdem sollte sich der Verein ein unverwechselbares Design überlegen, dass den Wiedererkennungswert steigert. Auch sollten die Vereine die Kinder und Jugendlichen bei der Erstellung eines Handzettels beteiligen, diese wissen ja eigentlich am besten, was für ihre Altersgruppe interessant ist. Auch die Kosten für einen Handzettel halten sich in Grenzen. Nach diesen Informationen waren die Jugendleiterinnen und Jugendleiter nun selbst gefragt, in Gruppenarbeit einen Handzettel zu erstellen und das Ergebnis danach allen zu präsentieren. Mit viel Spaß und guter Laune wurden die erstellten Handzettel präsentiert und so mancher Entwurf wird bestimmt Einzug in die Vereinsarbeit halten.

Nun ging es zum wichtigsten Teil des Tages über, der Versammlung der Jugendleiterinnen und Jugendleiter inkl. Neuwahlen. Conny begrüßte den 2. Gauvorstand, Christian Hoffmann sowie den Archivar des BTV, Wolfgang Gensberger. Christian begrüßte die Anwesenden Jugendleiterinnen und Jugendleiter sehr herzlich und überbrachte im Namen von 1. Gauvorstand Michael Unruh Grüße. Die Jugendleiterinnen und Jugendleiter sollten nicht nachlassen in ihrer Arbeit und stets mit voller Motivation an ihr Werk gehen.

Nach der Begrüßung bat Conny alle Anwesenden um ein Gedenken der verstorbenen Mitglieder in den einzelnen Vereinen.

Conny bat alle anwesenden Jugendleiterinnen und Jugendleiter ihr alle verdienten Personen für das Gauehrenzeichen sowie für das Jugendehrenzeichen zu melden. Anträge für die Ehrungen von Jugendleiterinnen und Jugendleiter möchten bitte direkt an sie weitergeleitet werden.

In ihrem Bericht sprach Conny das Jugendzeltlager 2018 an, bei dem es sehr heiß war, aber auch wieder viele verschiedene Kontakt zwischen den Kindern und Jugendlichen der Vereine geknüpft wurden. Sie informierte darüber, dass auch Vereine, die nur wenige Kinder hätten und kein eigenes Zelt für das Lager sich gerne zu melden, da man sich ja mit einem anderen Verein zusammentun könne. Auch das Jugendwochenende in der Lichtenbachhütte 2017 erwähnte Conny.

Beim Gaufest in Ismaning dieses Jahr hat sich Conny über die zahlreichen Kinder und Jugendlichen bei der Zählung gefreut. Gleichzeitig betonte sie aber auch, dass sie gerne Vereine zählen würde, die nur sehr wenige Kinder hätten. Jedes Kind und jeder Jugendliche ist ihr sehr wichtig für den Gau und wird auch gezählt, egal ob ein Kind im Verein oder sehr viele Kinder und Jugendliche.

Sehr stolz ist Conny auf den Jugendwandkalender 2020 des Isargaues und dieser ist ein großartiges Geschenk. Wenn durch den Verkauf noch Geld übrigbleibt, würde Conny dieses gerne für die bereits am Freitag entworfenen Pixi-ähnlichen Bücher verwenden und können bei Conny bestellt werden.

Weiter berichtete Conny, dass die vergangenen Gaujugendtage sehr gut besucht waren.

Conny informierte die Jugendleiter darüber, dass die Gaujugend ein Teil des Isargaues ist und somit ein Teil der bayerischen Trachtenjugend. Mit dieser Eigenständigkeit bekommen wir staatliche Zuschüsse. Deshalb war ein Beschluss der „Ordnung der Jugend“ ergangen, dass wir unsere Jugend zu eigenständigen Menschen erziehen möchte, damit diese ggf. später auch einmal Ämter in den Vereinen übernehmen könnten. Im BTV sind derzeit knapp über 100.000 Kinder und Jugendliche registriert. Wäre es weniger als 100.000 würden wir die staatlichen Zuschüsse nicht erhalten und hätte wesentlich mehr „Papierkrieg“ in der Jugendarbeit. Deshalb ist es elementar wichtig, ständig an der Steigerung der registrierten Kinder und Jugendlichen in den Vereinen zu arbeiten. Conny stellte die Jugendordnung den anwesenden Jugendleiterinnen und Jugendleitern vor.

Damit die Betreuer den Überblick über ihre Jugend besser behalten, gibt es nun ein Jugenderfassungsprogramm das Tanja Seiderer und Veronika Ketterl vorstellten. Damit vereinfacht sich die Weiterleitung von Statistiken für die Betreuer um ein Vielfaches.

Die Prüfer der Gaujugendkasse waren wieder voll zufrieden und alles ist einwandfrei geführt.

Die Wahl der Gaujugendleiter brachte folgendes Ergebnis:

  1. Gaujugendleiterin: Conny Deinstorfer (Lustinga Isartaler)
  2. Gaujugendleiterin: Tanja Seiderer (D´Hachingertaler Unterhaching)
  3. Gaujugendleiter: Michael Pezalla (Birkenstoana Stamm Oberschleißheim)

Conny freute sich, zwei so engagierte junge Trachtler gefunden zu haben, die sich für die Jugendarbeit engagieren und die Zukunft der Jugend im Isargau gestalten möchten.

Als neue Einrichtung brachte das Trio den Vorschlag einen Jugendstammtisch einzuführen. Dieser solle 1x im Monat in wechselnden Lokalitäten stattfinden und den Jugendlichen eine weitere Möglichkeit geben sich in den Vereinen besser kennen zu lernen. Auch könnte man, sollte die Jugendgaugruppe nicht dazu in der Lage sein, Auftritte übernehmen um den Isargau noch besser repräsentieren zu können. Es solle z.B. für Kinder und Jugendliche sein, die aufgrund der geringen Anzahl der Jugend im Verein vllt. nie die Möglichkeit haben bei Auftritten teilzunehmen. Weiterhin um eine weitere Plattform bieten, sich mit anderen auszutauschen und Spaß zu haben. Die Anwesenden einigten sich, dass man diesen Jugendstammtisch gerne ausprobieren wolle und sehen, ob dies funktioniert.

Conny bedankte sich nun am Ende für die rege Teilnahme der Jugendleiterinnen und Jugendleiter und schloss die Versammlung.

Am Sonntag wurden die Entwürfe zu den kleinen Büchern noch vollendet und die Ergebnisse allen präsentiert.

Termine Isargau:

  • 09.09.2019 – Offenes Sänger- und Musikantentreffen 19:30 Uhr – Oberföhringer Str. 156, München
  • 13. bis 15.09.2019 – Jugendwochenende Erlach / Velden

Bericht und Fotos: Andrea Wagner, 2. Gaupressewart Isargau Bayerische Heimat- und Volkstrachtenvereine e. V.

Weitere Informationen: www.isargau.bayern

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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