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Josef Kugler: Mittler zwischen Stadt und Senioren

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Interview mit Josef Kugler, ehemaliger Vorsitzender des Seniorenbeirats Rosenheim – von Karin Wunsam

Elf Jahre war Josef Kugler Mitglied beim Seniorenbeirat Rosenheim, sieben Jahre als Erster Vorsitzender. Nun hat der 84-jährige sein Amt niedergelegt. Ehepaar Kugler zieht in Kürze nach Traun in Oberösterreich zu Sohn, Enkeln und Geschwistern. Die Koffer sind praktisch schon gepackt. Aber bevor er sich endgültig aus Rosenheim verabschiedet, erzählt Josef Kugler noch, was ihn bei seiner ehrenamtlichen Tätigkeit im Seniorenbeirat besonders bewegt hat.

 Frage: Wie sind sie 2008 zum Seniorenbeirat gekommen?
Antwort: Ich wurde Rentner. Nur daheim bleiben wollte ich aber nicht. Also schaute ich, wo ich mich in der Stadt engagieren kann. Und da ich immer schon sozial interessiert war, kam ich dann zum Seniorenbeirat.

Frage: Wie beschreiben Sie die Arbeit des Seniorenbeirats?
Antwort: Der Seniorenbeirat ist Mittler zwischen Stadt und Senioren:

Frage: Wussten Sie zu Beginn schon, was da auf Sie zukommt?
Antwort: Natürlich habe ich mich informiert. Aber es war dann doch wesentlich mehr Arbeit, als ich gedacht habe. Der Seniorenbeirat bietet regelmäßig Sprechstunden an, organisiert Ausflüge und besucht jährlich über 400 Geburtstagskinder. Dann haben wir ja 2016 auch noch zum ersten Mal die Seniorenmesse organisiert. 2500 Besucher kamen im ersten Jahr. 2018 waren es dann schon 3000. Danach kam dann leider Corona.

Frage: Die Pandemie hat sicher auch die Arbeit des Seniorenbeirats verändert, oder?
Antwort: Natürlich. Vieles war dadurch nicht mehr möglich. Beratungen liefen nur noch über Telefon. Die persönlichen Besuche an den Geburtstagen waren auch nicht mehr möglich. Dann kam die Impfung und das stellte uns auch vor große Probleme.

Frage: Inwiefern?
Antwort: Es war zu Beginn für viele ältere Menschen unglaublich schwer, einen Termin zum Impfen zu bekommen und wenn es geklappt hat, musste man ja auch noch ins Impfzentrum kommen. Für viele Ältere ear das ein Problem.

Frage: Aber zum Glück scheint sich die Lage langsam wieder etwas zu normalisieren.
Antwort: Ja, schön langsam laufen unsere Angebote wieder an – auch Geburtstags-Besuche.

Frage: Warum sind die so wichtig?
Antwort: Dadurch, dass wir die älteren Menschen in ihrem Zuhause besuchen, können wir auch schnell Probleme erkennen und helfen, diese zu beseitigen. Außerdem gibt es viele Senioren, die an diesem Tag allein sind.

Frage: Ist Einsamkeit ein großes Problem für ältere Menschen?
Antwort: Auf alle Fälle. Der Ehepartner gestorben, die Kinder weit weg. Ich habe schon erlebt, wie Senioren bei meinem Besuch plötzlich in Tränen ausbrachen, weil sie sich an ihrem Geburtstag so einsam fühlten.

Frage: Was macht man in so einem Fall?
Antwort: Länger bleiben, zuhören, Trost spenden und nach dem Besuch Möglichkeiten suchen, damit Betroffene wieder mehr unter die Leute kommen können. Vereine und Angebote gibt es ja zum Glück in Rosenheim viele.

Frage: Waren derartige Situationen nicht auch für Sie selbst belastend?
Antwort: Natürlich. Man weiß ja, dass einem dieses Schicksal selbst auch irgendwann treffen könnte.

Frage: Was hat Ihnen bei Ihrer Tätigkeit im Seniorenbeirat am meisten Kraft abverlangt?
Antwort: Die Organisation der Seniorenmesse. Ich bin halt kein Messe-Manager.

Frage: Ist Rosenheim eine gute Stadt für Senioren?
Antwort: Auf alle Fälle.

Frage: Warum?
Antwort: Rosenheim ist überschaubar groß. Es gibt viel Grün und, wie schon gesagt, viele Angebote, gerade auch für Senioren.

Frage: Was könnte noch verbessert werden?
Antwort: Die Radwegesituation. Und beim ÖPNV wären Taktverdichtung und mehr Haltestellen wünschenswert.

Frage: Gekämpft haben Sie lange Zeit auch für eine barrierefreie Gestaltung des Max-Josefs-Platzes.
Antwort: Das hat sich gelohnt. Auch die Stadträte haben sich mittlerweile für eine Neupflasterung ausgesprochen. 2022 könnte es so weit sein.

Frage: Da werden Sie aber nicht mehr in Rosenheim wohnen.
Antwort: Nein, aber wenn es so weit ist, schaue ich mir das natürlich an.

Frage: Ganz den Rücken kehren werden Sie der Stadt also nicht?
Antwort: Auf keinen Fall. Die 37 Jahre, die ich und meine Frau hier gelebt haben, waren wunderschön. Wir werden sicher immer wieder einmal nach Rosenheim kommen, schon um unsere vielen Freunde wiederzusehen. Und dann natürlich auch zum Herbstfest.

Text: Karin Wunsam / Blog: https://rosenheiminnformativ964131957.wordpress.com/

Foto: Privat – Josef Kugler

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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