Natur & Umwelt

Jagdversammlung in Wildenwart

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

„Innerhalb von zwei Monaten fielen sechs Rehe auf der Staatsstraße 2093 dem Straßenverkehr zum Opfer, insgesamt starben im letzten Jahr ein knappes Dutzend Rehe zwischen Hendenham und Wildenwart. Die Staatsstraße 2093 hat den Verkehr sehr viel schneller gemacht, wo früher auf die Stoßdämpfer der Autos gesehen wurde, wird heute Gas gegeben.“, so der Wildenwarter Jagdpächter Georg Schweiger bei der Jagdversammlung im Feuerwehrhaus. „Das Wildbret der überfahrenen Tiere war nicht mehr zu verwerten, dazu kommt das Leid der angefahrenen Tiere: keiner redet von den Schmerzen der Wildtiere, die nach einer Kollision mit einem Auto elendig im Straßengraben und entlang der Straße verludern müssen. Auch der finanzielle Schaden für die Jäger ist bei einem Dutzend überfahrener Rehe – das sind 20 Prozent des Abschussplanes – schon sehr hoch“. Zusätzlich zum Rehwild müssten die Jäger immer häufiger Kleinwild und Igel, sowie freilaufende Haustiere wie Katzen, Hühner und Enten von der Straße kratzen. Dabei bleiben die Unfallverursacher nicht einmal mehr am Unfallort stehen und kümmern sich um das angefahrene Opfer, sondern fahren einfach weiter. Die für die Kaskoversicherung notwendige Bescheinigung des Wildunfalles von der Polizei oder vom zuständigen Revierjäger werde nicht mehr abgewartet, die Bauart der heutigen Autos verursache kaum noch Schäden an den Fahrzeugen.

Eine Eingabe an die zuständigen Behörden, das Tempo auf der gesamten Strecke auf Tempo 70 zu drosseln, um dem Wild eine bessere Chance zu geben, wurde von den zuständigen Stellen abgelehnt. Solange durch die Wildschäden keine Menschenleben betroffen seien, werde es keine Geschwindigkeitsbegrenzung geben, Wildschäden seien mit Sachschäden gleichzusetzen und dafür gebe es keine Einschränkung beim Straßenverkehr.

„Wir Jäger und Waldbauern reden ständig miteinander und arbeiten gut zusammen, wir vertragen auch Kritik, solange sie sachlich bleibt“. Georg Schweiger bedankte sich bei den Waldbauern für die gute Zusammenarbeit zwischen den Jagdpächtern und den Waldbauern. Das gemeinsame Ziel von Jägern und Waldbauern bleibe es den Wildbestand und den Waldbestand im Wildenwarter Revier in einem ausgeglichenen Verhältnis zu erhalten. Der Abschussplan wurde voll erfüllt, 34 Rehe wurden geschossen, drei fielen dem Mähwerk zum Opfer, ein knappes Dutzend starb auf der Straße und fünf Rehe wurden als Fallwild tot im Revier aufgefunden. Außerdem schossen die Jäger noch drei Dachse und mehrere Füchse. Der Absatz des Wildbrets sei kein Problem gewesen, Qualitätsware erziele überall gute Preise. Schweiger dankte den Waldbauern für die gute Zusammenarbeit und das Verständnis für die Sorgen der einheimischen Jäger; das sei beileibe nicht in allen Jagdrevieren der Region selbstverständlich. Aktuell gebe es keine Wildschweine ständig im Revier, sie wurden zwar immer wieder einmal gesehen, haben aber bisher beim Durchzug noch keine Flurschäden verursacht.

Der Vorsitzende der Jagdgenossenschaft Vorstand Josef Held berichtete von der Verwendung des Jagdschillings. Aus dem Jagdschilling wird in Wildenwart wieder ein Zuschuss von 150 Euro zum Ausflug der Bäuerinnen gewährt. Ein weiterer Teil soll für Schutzmaßnahmen der jungen Baumkulturen und als Beitrag zur Tierkörperbeseitigung verwendet werden. Für den Verbissschutz werden 20 Liter Spritzmittel gekauft und bei Georg Aicher zur Abholung bereit gestellt. Der Beitrag zur Tierseuchenkasse wird den Betroffenen in diesem Jahr zur Hälfte erstattet. Ein Motorsägenkurs für Mitglieder wird mit 50 Prozent Zuschuss gefördert; Anmeldung bei Josef Held, Telefon 0171-2837874. Georg Aicher forderte alle Waldbesitzer dazu auf, die Wälder gut zu beobachten, da der Borkenkäfer wieder einmal sehr im Kommen sei und um langfristig die heimischen Fichtenbestände zu schützen. Schriftführer Klaus Bauer und Kassenfrau Irmgard Aicher zeigten in ihren ausführlichen Rechenschaftsberichten auf, dass die Tätigkeiten des Vereins musterhaft geführt werden. Die beiden Kassenprüfer Thomas Stangl und Ulrich Fischer empfahlen der Versammlung die Entlastung der gesamten Vorstandschaft.

Vorstand Josef Held wies darauf hin, dass die gemeinsamen Maschinen der Jagdgenossenschaft an den bekannten Verleihstationen durch alle Mitglieder gegen Entgelt in Anspruch genommen werden können. Er bat die Versammlung die ausgeliehenen Maschinen und Geräte unmittelbar nach der Benutzung gereinigt und funktionsfähig zurückzustellen.

Bericht: Heini Rehberg

Foto: Hötzelsperger

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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