Leitartikel

Interview zur Landesausstellung “Die letzten Monarchen”

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Das Haus der Bayerischen Geschichte veranstaltet in diesem Jahr die Bayerische Landesausstellung 2021 zum Thema “Götterdämmerung II – Die letzten Monarchen” vom 23. Juni bis 16. Januar 2022  – nicht wie ursprünglich geplant auf Herrenchiemsee, sondern in Regensburg. Hierzu konnten wir Direktor Dr. Richard Loibl einige Fragen stellen:

Frage: Das Haus der Bayerischen Geschichte ist Gastgeber vieler bayerischer Landesausstellungen, können Sie das HdBG kurz vorstellen?

 HdBG: Das Haus der Bayerischen Geschichte – das sind zum einen die Bayerischen Landesausstellungen und zum anderen das neue Museum in Regensburg. Seit über 30 Jahren bespielen wir mit den Landesausstellungen neue historische Schauplätze in Bayern und sind damit im gesamten Freistaat wechselweise präsent. So waren wir zum Beispiel im letzten Jahr mit der Schau „Stadt befreit. Wittelsbacher Gründerstädte“ in Bayerisch-Schwaben im Wittelsbacherschloss in Friedberg und im FeuerHaus in Aichach zu Gast. Unser zweites großes Standbein ist seit Juni 2019 das neue Museum in Regensburg. Hier liegt unser Schwerpunkt auf der jüngeren Geschichte Bayerns. In der Dauerausstellung erzählen wir „Wie Bayern Freistaat wurde und was ihn so besonders macht“ von 1806 bis heute. In Regensburg verfügen wir mit dem Donausaal zudem über eine 1.000 Quadratmeter große Sonderausstellungsfläche, so dass wir auch kleinere Ausstellungen zeigen können wie zuletzt die Bayernausstellung „Tempo, Tempo – Bayern in den 1920ern“, die jetzt in das Museum für Industriekultur nach Nürnberg zieht.

Frage:  Die heurige Ausstellung „Götterdämmerung II. – Die letzten Monarchen“ folgt auf Götterdämmerung I – was war dabei zu sehen und welche Besuchererfolge konnte man da verzeichnen?

 HdBG: Götterdämmerung I befasste sich 2011 in Schloss Herrenchiemsee mit König Ludwig II. und seiner Zeit, der letztendlich zur Ikone der Moderne wurde. Die Ausstellung war mit fast 600.000 Besucherinnen und Besuchern die bisher erfolgreichste kulturgeschichtliche in der Bundesrepublik Deutschland seit der Wiedervereinigung.

Frage:  Im Mittelpunkt stehen heuer die letzten bayerischen Monarchen. Was wird es Neues geben, was bislang noch nicht gezeigt werden konnte?

HdBG: 2021 zeigen wir die Lebenswege der letzten Monarchen vor der Revolution 1918. Kaiserin Elisabeth von Österreich, der bayerische König Ludwig III., Kaiser Wilhelm II. und das russische Zarenpaar – sie alle kämpften um ihren Platz in einer sich rasant verändernden Welt. Am Ende entschieden Weltkrieg und Revolution über ihr Schicksal. Am Ende der Ausstellung steht das Begräbnis König Ludwig III. Er wird 1921, bereits in republikanischer Zeit, mit monarchischen Ehren zu Grabe getragen. Und was passiert dazwischen? Moderne trifft auf alten Adel und Traditionen. Insgesamt 11 Vertreter, und vor allem auch Vertreterinnen, dieser Gruppe verfolgen wir genauer. Kaiserin Elisabeth und ihre Geschwister, Prinzregent Luitpold und seine Kinder, die englische Queen Victoria und ihre Enkel. Nach dem Ersten Weltkrieg verlieren die meisten von ihnen ihre Kronen.  Zwei Vertreter feiern in diesem Jahr auch Jubiläen: Prinzregent Luitpold wurde 1821 in Würzburg geboren und König Ludwig III. starb 1921. Wir können einige Objekte zeigen, die noch nie in Bayern ausgestellt waren. Darunter z.B. ein schwarzes Kleid von Kaiserin Elisabeth, das das Haus der Bayerischen Geschichte erwerben konnte, drei Broschen, entworfen im Haus Fabergé oder ein prunkvolles Staatsschiff, das aus Haus Doorn in den Niederlanden zur Landesausstellung nach Regensburg anreisen wird.

Frage:  Ursprünglich war die Ausstellung auf Herrenchiemsee geplant – was veranlasste zum Wechsel nach Regensburg?

HdBG: Letztendlich hat uns Corona einen Strich durch die Rechnung gemacht. Im September letzten Jahres waren uns mit dem Landkreis Rosenheim und der Bayerischen Schlösser- und Seenverwaltung die Kooperationspartner abgesprungen. Beide hatten die Befürchtung, das zu erwartende Besucheraufkommen unter den geltenden Rahmenbedingungen durch Corona nicht bewältigen zu können. Wir mussten kurzerhand einen neuen Ort für eine bereits komplett durchgeplante Landesausstellung finden. Modern und Corona-gerecht: in unserem Haus der Bayerischen Geschichte in Regensburg, das zu den Spitzenmuseen in Europa zählt.

Frage:  Welche Ausstellungs-Schwerpunkte bzw. Rahmenprogramme wird es geben?

HdBG: Für das Rahmenprogramm sorgt unser Mitveranstalter und Partner, die Stadt Regensburg vorbehaltlich der aktuellen Corona-Verodnungen. An unterschiedlichen Orten und Plätzen organisiert die Stadt Führungen, Konzerte, Filme, Ausstellungen und auch virtuelle Formate, die in die Welt der „Götterdämmerung“ an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert eintauchen lassen. Alle Termine und Informationen dazu gibt es online unter www.regensburg.de/landesausstellung-2021.

Frage:  Geschichts- und Heimatvereine werden sich interessieren, gibt es für Gruppen ein besonderes Angebot?

HdBG: Auch in „Götterdämmerung II – Die letzten Monarchen“ wird es Führungen für Gruppen geben, die unser Partner organisiert, die Stadtmaus GmbH aus Regensburg. Die Stadtmaus wird u.a. thematische Führungen anbieten, etwa zum Schwerpunkt starke Frauen. Auch Führungen für seh- oder hörgeschädigte Besuchergruppen können selbstverständlich gebucht werden. Für Schülergruppen gibt es ebenfalls spezielle Angebote, etwa einen Rundgang mit dem Gürteltier Gustl und Prinzessin Nene. Über die Gruppengrößen können wir derzeit noch nichts sagen. Auch das hängt von den Corona-Bedingungen ab. Im letzten Jahr konnten im Museum in Regensburg Führungen für Gruppen von 15 Personen angeboten werden.

Frage: Haben Sie persönliche Geheim-Tipps zum Inhalt der Ausstellung?

HdBG: Wenn Sie die Ausstellung betreten, empfehlen wir, ganz genau hinzuhören. Denn zum ersten Mal bieten wir Toninstallationen an, mit denen Sie als Besucherin oder Besucher noch tiefer in die Atmosphäre der Zeit eintauchen können. Sie sind eine spannende Ergänzung zur Ausstellungsgestaltung und den teils raumgroßen Medieninstallationen des Büros Duncan McCauley aus Berlin.

Frage:  Allgemeine Informationen zu Dauer, Preisen etc.?

HdBG: 23. Juni 2021 bis 16. Januar 2022, montags geschlossen. Eintritt 12,- €, ermäßigt 10,- €, als Verbundticket mit dem Museum der Bayerischen Geschichte. Der Besuch von Ausstellung und Museum muss an einem Tag erfolgen.

Frage:  Die Bedeutung der Landesausstellungen für den Tourismus?

HdBG: Die Bayerische Landesausstellung zählt in Bayern zu den Höhepunkten im jährlichen Kulturkalender. Wie sich unsere Besucherbefragungen zeigen, sind die Landesausstellungen für die jeweilige Region ein wichtiger touristischer Anziehungspunkt. Egal ob sich die Besucherinnen und Besucher nur für einen Tag an Ort und Stelle aufhalten oder für einen längeren Zeitraum, sie alle reichern ihren Ausstellungsbesuch vom Wirtshausbesuch über die Einkaufstour bis hin zum Schiffsausflug mit weiteren Ausgaben in der näheren Umgebung an. Mit den Regensburgern hoffen wir, dass mit der Landesausstellung nach der langen Zeit des Lockdowns Leben in die Stadt kommt und der Tourismus wieder Fahrt aufnimmt.

Interview: Anton Hötzelsperger

Bilder: Haus der Bayerischen Geschichte

Plakatmotiv zur Bayerischen Landesausstellung 2021 „Götterdämmerung II – Die letzten Monarchen“ – © Haus der Bayerischen Geschichte, Augsburg | Entwurf: Peter Schmidt Group unter Verwendung von (v.r.n.l.o.): König Ludwig II., Johann Nepomuk Hautmann 1894 © Bayerisches Nationalmuseum München | Kaiser Franz Joseph, Victor Tilgner, 1885 © Wien Museum/Birgit u. Peter Kainz | Kaiser Wilhelm II., Walter Schott, 1896 Schloss Langenburg © HdBG Augsburg, Foto: Jürgen Weller | Kaiserin Elisabeth, Hermann Klotz, 1906 © HdBG Augsburg, Foto: www.altrofoto.de. Der erste Buchstabe des Titels, das „G“, bildet Hintergrund und Rahmen für vier Protagonisten der Landesausstellung: Sie stehen auch für das „System“ Monarchie: rechts, König Ludwig II., der Märchenkönig, mit dessen Begräbnis der Ausstellungsrundgang beginnt. Links, etwas unterhalb von ihm der österreichische Kaiser Franz Joseph, ein Monarch vom alten Schlag. Auf der ganz linken Seite ein weiterer Kaiser, Wilhelm II., dem der bayerische König Ludwig II. die Kaiserkrone über das Deutsche Reich antrug und der einer ganzen Epoche seinen Namen gab. Schließlich eine Frau, Elisabeth, genannt Sisi. Kleiner und im Hintergrund platziert steht sie für die Rolle der Frauen im Hochadel.

Weißhaargürteltier (Chaetophractus vellerosus Gray) – Aus dem Besitz der Prinzessin Therese von Bayern – Tierpräparat – Bolivien, Ende 19. Jahrhundert – Zoologische Staatssammlung München, Sammlung Prinzessin Therese – © Zoologische Staatssammlung | Foto: Eva Lodde-Bensch. Prinzessin Therese von Bayern erwarb auf ihrer Forschungsreise durch Südamerika 1898 ein Gürteltier. Bei den Einheimischen galt es als Delikatesse, die Prinzessin brachte es aber mit in die Münchner Residenz, um sein Verhalten zu studieren. Als es starb, vermachte es Therese der Zoologischen Staatssammlung.

Huldigung der Münchner Künstler an Prinzregent Luitpold von Bayern anlässlich der Einsetzung der Monumental-Kommission- Franz von Stuck (1863–1928) – Öl auf Holz, 1901- Museum Villa Stuck – © Museum Villa Stuck – Prinzregent Luitpold erwarb sich große Verdienste als Förderer der Künste. Bereits 1887 verliehen ihm die Münchner Künstler den Ehrentitel „Artium protector“. Dieses Gemälde entstand anlässlich der Einsetzung der „Kommission für staatliche Monumentalbauten“ am 1. November 1901. Franz von Stuck gehörte um 1900 zu den angesehensten Künstlern im Deutschen Reich und malte mehrere Portraits des Prinzregenten.

Reiterstiefel der Königin Marie beider Sizilien – Leder, Metall, um 1860 – Staatsarchiv Luzern – © Haus der Bayerischen Geschichte | Foto: Andri Stadler – König Franz II. und Königin Marie beider Sizilien flüchteten 1860 vor den Truppen der italienischen Einigungsbewegung in die Festung Gaeta nördlich von Neapel. Marie, Schwester von Sisi, weigerte sich lange zu kapitulieren und unterstützte ihre Soldaten an vorderster Front. Die Verteidigung Gaetas oblag General Felix von Schumacher. Ihm schenkte Marie nach der Kapitulation ihre Stiefel und ihren Schal als Andenken.

Die Geschwister der Kaiserin Elisabeth – Joseph Karl Stieler (1781-1858) – Studie zu einem Gemälde, 1854 – Privatbesitz Darmstadt – © Mit freundlicher Genehmigung von Ketterer Kunst – König Ludwig I. schenkte seiner Nichte Elisabeth, im Familienkreis Sisi genannt, zur Hochzeit mit dem österreichischen Kaiser Franz Joseph ein Familienbild. Sie sollte ihre Geschwister auf diesem Weg mit nach Wien nehmen können. Als Studie für das monumentale Gemälde fertigte der Hofmaler Stieler diese Ölskizze. Abgebildet sind, v.l.n.r. Sophie Charlotte (Verlobte König Ludwigs II., verheiratete Herzogin von d’Alençon), Max Emanuel (militärische Laufbahn), Carl Theodor (Augenarzt und Gründer der Augenklinik Herzog Carl Theodor), Helene (verheiratete Fürstin von Thurn und Taxis), Ludwig Wilhelm (militärische Laufbahn), Mathilde (verheiratete Gräfin Trani) und Marie (Königin beider Sizilien).

Portrait Kaiser Wilhelm II. in Admiralsuniform – Hans Olde (1855–1917) – Öl auf Leinwand, 1915 – Stiftung Historische Museen Hamburg / Museum für Hamburgische Geschichte (Dauerleihgabe der Handelskammer Hamburg) – © Stiftung Historische Museen Hamburg / Museum für Hamburgische Geschichte (Dauerleihgabe der Handelskammer Hamburg) – Kaiser Wilhelm II. liebte Pomp und Prunk. Er suchte die Öffentlichkeit und war der erste „Medienmonarch“. Er prägte eine Epoche deutscher Geschichte: den Wilhelminismus. Zwar versuchte er sich an einer Politik des persönlichen Regiments. Aber wegen seines Wankelmuts verfolgte er keinen klaren Kurs. Das Gemälde, entstanden im Ersten Weltkrieg, vermittelt den Eindruck, der Kaiser sei entschlossen und trotze einem Sturm. Tatsächlich war er an den politischen und militärischen Entscheidungen kaum noch beteiligt.

Totenmaske König Ludwig II. von Bayern – Künstler unbekannt – Bronzeguss, nach 14. Juni 1886 Sammlung Sepp Schleicher – © Sepp Schleicher | Foto: Foto Hailer (Neumarkt/Opf.) – Kaiserin Elisabeth hatte in der Hermesvilla bei Wien zwei Räume mit Erinnerungsstücken an ihren Großcousin Ludwig II. eingerichtet. Eines davon war der Bronzeguss der Totenmaske des Königs. Memorabilien dieser Art, waren nur den engeren Verwandten vorbehalten.

 

 

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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