Tourismus

Interview mit dem Bayerischen Heilbäderverband

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Interview mit Peter Berek, Landrat des Landkreises Wunsiedel i. Fichtelgebirge und  neuer Vorsitzender des Bayerischen Heilbäder-Verbandes.

 Seit dem 1. Oktober sind Sie neuer erster Vorsitzender des Bayerischen Heilbäder-Verbandes.  Warum haben Sie sich zur Wahl gestellt?

Heilbäder sind für mich eine Herzenssache. Ich war 12 Jahre lang Bürgermeister und Geschäftsführer der Kurbetriebe in Bayerns kleinstem Heilbad, Bad Alexandersbad. Ich durfte dort in einer sehr schwierigen Situation alle Themen, die einem Heilbad eigen sind, mitgestalten. In diesem Zuge habe ich die Heilbäder-Familie kennen und schätzen gelernt. Die bayerische Bäderlandschaft ist von einer unglaublichen Vielfalt geprägt. Egal welches der ortsgebundenen Heilmittel, egal in welcher Region Bayerns, ob groß oder klein – alle eint das Prädikat der staatlichen Anerkennung und alle eint die Lage im eher ländlichen Raum. Heilbad verbindet – und ich möchte diese Verbindungen weiter mit Leben erfüllen und die prädikatisierten Orte mit Stolz vertreten.

Man könnte natürlich fragen: Warum stellt sich ein Landrat zur Wahl?

Zum einen komme ich aus einem Landkreis, in dem mit Weißenstadt und Bad Alexandersbad glücklicher Weise zwei Heilbäder liegen. In unserem Fichtelgebirge gibt es dazu mit Bischofsgrün den nördlichsten Heilklimaten und mit Bad Berneck das nördlichste Kneippheilbad in Bayern. Bad Steben und Bad Neualbenreuth sind ganz nah und auch die böhmischen Bäder liegen ums Eck. Es ist also „mein“ Thema. Zum anderen möchte ich die Heilbäder und Kurorte noch mehr auf die Ebene der Landkreise, der Landräte bringen. Die Zahl der prädikatisierten Orte ist überschaubar und braucht für den Erfolg die Unterstützung aller Ebenen. Und natürlich ist man als bayerischer Landrat hoch vernetzt, hat zahlreiche politische und gesellschaftliche Kontakte und ist vor allem regelmäßig in München und Berlin.

Was packen Sie als neuer Vorsitzender als erstes an?

Die hoffentlich abklingende Pandemie gibt uns die Chance auf einen Re-Start des Heilbäderverbandes. Natürlich habe ich mir strukturelle, konzeptionelle und strategische Gedanken gemacht, die ich mit dem neuen Vorstand und unseren Mitgliedern diskutieren möchte. Unabhängig davon ist für mich anfangs ganz entscheidend, dass wir nach Corona und Kommunalwahl wieder mit unseren Mitgliedern in Kontakt kommen. Es gibt viele neue Bürgermeister und viele neue Verantwortliche in den Kurbetrieben. Wir müssen uns einfach kennenlernen, Verbindungen aufbauen und die Themen der Heilbäder und Kurorte transportieren – alles mit dem Ziel, die Heilbäderfamilie aufleben zu lassen und den Mehrwert des Verbandes aufzuzeigen. Und schließlich müssen wir in der Nach-Corona-Zeit als Heilbäderverband nach Außen maximale Präsenz zeigen. Wir vertreten mit den Heilbädern und Kurorten die Perlen des Gesundheitstourismus in Bayern – das gilt es, breit zu adressieren.

Was sind für Sie die größten Stärken der Heilbäder und Kurorte?

Ich würde aus den vielen Stärken drei herausstellen: Das auf ortsgebundenen natürlichen Heilmitteln basierende Prädikat und die zertifizierte Qualität der Kurortmedizin und der Naturheilverfahren. Die Vielfalt der bayerischen Heilbäder und das daraus resultierende breite Spektrum an Kompetenz für Gesundheit, Prävention und Rehabilitation. Und schließlich generieren die Heilbäder und Kurorte mit ihrer Lage im ländlichen Raum eine enorme Wertschöpfung, zahlreiche Arbeitsplätze und mehr als jede 4. Übernachtung in Bayern.

Wo hapert es noch, wo gibt es noch Defizite?

Ich würde es positiv formulieren und fragen, wo unsere Chancen liegen. Ich denke, es ist zu jeder Zeit wichtig, die gesellschaftlichen Entwicklungen zu verstehen und daraus seine Schlüsse zu ziehen. Wir befinden uns bereits in einem Transformationsprozess, die Digitalisierung wird auch bei uns vieles verändern – aber auch ermöglichen. Die Arbeitswelt ändert sich mehr und mehr, verbunden mit völlig neuen Ansätzen im Bereich Betriebliches Gesundheitsmanagement, in der Betrieblichen Gesundheitsförderung. Wir müssen und überlegen, wie wir, ganz im Sinne von new work Arbeit und Gesundheit in einer digitalisierten Welt noch mehr zueinander bringen. Und schließlich haben wir dank des Bundesgesetzgebers den Auftrag, die Kur in ein neues Zeitalter zu führen.

Welche neuen Wege möchten Sie mit dem Verband einschlagen?

Wir müssen an den Entwicklungen der letzten Jahre anknüpfen und uns weiter als Speerspitze des Gesundheitstourismus herausarbeiten. Dafür wollen wir auch die Verbandsarbeit weiter professionalisieren, die politische Arbeit weiter intensivieren und schließlich auch mit einer hohen Qualität im Bereich Image- und Produktmarketing nach außen wirken – immer mit dem Ziel, für unsere Mitglieder einen Mehrwert zu bieten.

Zur Person:

  • Peter Berek, Landrat im Landkreis Wunsiedel im Fichtelgebirge, seit 1. Oktober Vorsitzender des Bayerischen Heilbäder-Verbandes, 53 Jahre, verheiratet, vier Kinder
  • 2004 bis 2008 Geschäftsleiter der VG Tröstau
  • 2006 bis 2008 Geschäftsführer des Kurmittelhauses Bad Alexandersbad
  • 2008 bis 2020 Erster Bürgermeister von Bad Alexandersbad (Bayerns kleinstes Heilbad) und Geschäftsführer der Kurbetriebe
  • Seit 2020 Landrat des Landkreises Wunsiedel im Fichtelgebirge
  • Im Bayerischen Heilbäder-Verband war Berek von 2015 bis 2021 Schatzmeister des Verbandes

 Fotos:  Porträt Peter Berek, Foto Maximilian Fend  –  Peter Berek am Rednerpult, Foto BHV

 

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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