Brauchtum

Hubert Haas, Chiemgaus erfolgreicher Schuhplattler erinnert sich

Anton Hötzelsperger
Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Das perfekte Schuhplatteln im Chiemgau hat einen Namen: Hubert Haas vom Trachtenverein „D´Griabinga“ Hohenaschau. Hubert Haas, Jahrgang 1938, hat unmittelbar nach Kriegsende mit dem Schuhplatteln in der Kinder- und Jugendgruppe seines Vereins begonnen und er hat es mit großer Disziplin zur Perfektion und zu vielen Ersten Preisen gebracht. Bei einem Besuch in seinem Haus in Bernau-Felden hat Hubert Haas einen Einblick in ein einzigartiges Plattler- und Trachtlerleben gewährt.

Der gebürtige Aschauer gehörte dazu als bald nach dem Zweiten Weltkrieg in den Jahren 1946 und 1947 in Hohen- und Niederaschau junge Buam und Dirndl für eine Plattler- und Tanzgruppe zusammengestellt wurden. „Unser erster Jugendbetreuer war Lipp Maier, den wir `Fetzei` nannten, die ersten Vereinsabende, Plattlerproben und Preisplatten waren in Hohenaschau in der Högermühle und später dann in der Festhalle“ – so Hubert Haas in den Erinnerungen an seine Kinder- und Jugendgruppenzeit und er führt fort mit Blick auf die Aktivenzeit: „Zu unseren Auftritten gehörten  unter anderem das Mühlradl, den Neubeurer, das Birkensteiner Glöckerl und später erlernten wir von den Atzinger Trachtlern den Bandltanz“. Als junger Plattler waren für ihn Hans Hächer aus Schleching,  Franz Färbinger („Kern-Franz“) aus Unterwössen und Franz Hell aus Marquartstein seine Idole.   Angespornt von diesen Vorbildern nahm er 1948 in der Högermühle erstmals an einem Vereinspreisplatteln der Hohenaschauer Trachtler teil. Für diese erste Wettbewerbsteilnahme nahm er sich von seinem Nachbarn eine Lederhose zu leihen und der vierte Platz förderte weiteren Ehrgeiz zutage.

Bisher unerreicht: Traumnote 40 Punkte in Reit im Winkl

Nach fünfmaliger Teilnahme beim Gaupreisplatteln des Chiemgau-Alpenverbandes, an dem sich Buam aus 23 Vereinen beteiligten, gelang es Hubert Haas im Jahr 1962 im Festzelt beim Seiser in Bernau erstmals diesen Image-Wettbewerb zu gewinnen. „Damals stellte der gastgebende Verein noch die Dirndl zum Tanzen, die Preisrichter waren noch vom Gauverband I und die Tanzböden waren bei weitem nicht so gut wie heute“, erinnert sich Hubert Haas, dem es im darauffolgenden Jahr in Reit im Winkl gelang die Traum- und Höchstnote von 40 Punkten (sechs Preisrichter mit je 10 Punkten, wobei für die Bewertung zwei Preisrichter abgezogen werden). Hierzu weiß er noch zu ergänzen: „1963 wurde erstmals anstatt der Viertel-Punkt-Wertung die Zehntel-Punkt-Wertung eingeführt und die Preisrichter kamen aus den Reihen der Chiemgauer Trachtenvereine“. Dieser aussergewöhnliche Sieg mit der maximal möglichen Punktzahl war das Ergebnis harter Proben, ein ganzes Jahr lang war das Üben tägliches Gebot, sogar spät abends noch, so dass Hubert Haas manchmal zur Ruhe gerufen wurde, weil die Eltern schon schlafen wollten. Da sein Vater Haus-Maurer bei der Familie von Baron von Cramer-Klett in Aschau war, durfte er mit Zustimmung der Baronin in der Villa Elisabeth in einem Ankleideraum der Baronessen das Platteln proben, der Raum war an vier Wänden komplett mit Spiegeln ausgestattet, so dass ich beim Üben von Kopf bis Fuß alles genau studieren konnte. Als dies bekannt wurde, entstand der Begriff vom „Spiegel-Platteln“, was insbesondere für die korrekte Haltung und für den Gesamteindruck dienlich war. Zu Hause machte sich Hubert Haas einen Kreis, der beim Preisplatteln gewöhnlich 90 cm Durchmesser hat, mit einem Durchmesser von nur 40 cm. Das Proben war auf ganz dünner Holzplatte, so dass er sofort bemerkte, wenn er den Rand übertrat. Der gesamte Plattler musste auf Zehenspitzen innerhalb des Kreises vorgeführt werden. Zusätzlich betrachtete er auf dem Bau seine Arbeit immer als Krafttraining zugunsten des Plattelns. Immer wieder gewann er in seiner Altersklasse das Gau- und Vereinspreisplatteln, letztmals beim Chiemgau-Alpenverband im Jahr 1994 im Hohenaschauer Festzelt. Insgesamt hat er rund 50 Preisplatteln von 1949 bis 1994 in den verschiedenen Altersklassen im Verein, im Gau und darüberhinaus gewonnen. Als 1961 die Gaugruppe des Chiemgau-Alpenverbandes gegründet wurde, da war Hubert Haas mit dabei. Bei einer Gauversammlung in Oberwössen wurde er gar zum Gauvorplattler gewählt, er war damit der erste gewählte Gauvorplattler, denn seine Vorgänger im Amt waren die jeweiligen Sieger beim Gaupreisplatteln. „Zu unseren Proben fuhren wir in der Regel mit dem Radl, einige hatten ein Moped, ein Goggomobil oder einen Bulldog, mein Weg war von Hohenaschau nach Staudach, manchmal konnte ich mit meinem Vereinskameraden Max Schaitl mitfahren. Als einmal Franz Praßberger aus Bernau und ich nicht mit unserer Trachtenjoppe, sondern nur mit einem Janker zur Probe radelten, da bekamen wir einen Rüffler vom damaligen Gauvorstand Sepp Perl“ – weiß Haas zu berichten.

Sieger auch beim gauoffenen Preisplatteln mit dem Gauverband I

1966 war in Staudach das erste gauoffene Preisplatteln zwischen dem Gauverband I und dem Chiemgau-Alpenverband, trotz schwerer Konkurrenz aus dem Nachbargau konnte   Hubert Haas auch dabei als Sieger von der Bühne gehen. Bei den Gaupreisplatteln – so weiß er weiter – waren die Marquartsteiner zwölf Jahre Sieger beim Gruppenplatteln, der Königs-Disziplin eines Preisplattelns. „Bis 1962 hatten wir noch eine Aktivenklasse von 17 bis 30 Jahren, ab 1963 gab es dann zwei Gruppen von 17 bis 23 Jahren und 24 bis 30 Jahren und wir schafften es mehrere Male beim Einzelplatteln, dass wir sechs oder sieben Griabinga unter die besten 15 platzierten konnten“, so Hubert Haas, der die sportlichen Feinheiten vom Schuhplatteln vor rund 40 Jahren an der Aschauer Grundschule mit einem Marsch-Potpourri (mit Hohenaschauer Marsch, Langschottisch, Marquartsteiner Marsch, Amboß-Polka, Wien bleibt Wien und mit der „Katz“) weitergab und der sich viele Jahre auch als Preisrichter und als Obmann der Preisrichter innerhalb des Chiemgau-Alpenverbandes einbrachte.

Fotos/Repros: Hötzelsperger –   Hubert Haas mit seiner Hutabzeichen-Sammlung von Ersten Preisen und Auszeichnungen.

  • Hubert Haas beim Gaupreisplatteln 1965 in Niederaschau mit 1. Platz
  • Hubert Haas bei einer Preisrichter-Sitzung in Hittenkirchen
  • Hubert Haas beim 50. Geburtstag mit Gauvorstand Otto Dufter , einem langjährigen Weggefährten

Fotos: Berger – 1986 beim  Vereine-Preisplatteln in Hohenaschau mit den damaligen Siegern

  • Erfolgreiche Hohenaschauer Plattler von links: Hubert Haas, Friedl Obermaier, Hermann Kiesmüller und Schorsch Pfaffinger in der Festhalle Hohenaschau
  • 1978 Gaupreisplatteln letztmals mit den Staffestoana-Musikanten mit den Siegern von links Andi Hell, Sepp Messerer, Otto Dufter und Hubert Haas

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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