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Höhenmooser Trachtler-Zeitreise – 110 Jahre in Szenen nachgestellt

Anton Hötzelsperger
Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Besonders nahe gehende Tage haben die Trachtlerinnen und Trachtler vom GTEV „Edelweiß“ in Höhenmoos hinter sich. Nach intensiver Vorbereitungszeit konnte das 110jährige Gründungsfest im Festzelt gestartet werden, dem Bieranstich  folgte kurz nach Mitternacht das vollständige Abbrennen des Wirtschaftsteils eines Bauernhofs unmittelbar neben dem Festzelt (wir berichteten) – doch das Festgeschehen ging weiter, das Festzelt war dann Treffpunkt für ein besonderes Brauchtums-Erlebnis als der Jubiläumsabend zum Thema „De Heamooser Zeitroas – von domois bis heid“ gefeiert wurde.

Schon beim Eintritt ins Festzelt bekamen die Besucher mit, dass sich der Festverein mit Vorstand Christian Lechner und mit Festleiter Christian Steiner an der Spitze mühevoll und ideenreich vorbereitet hatte. Jeder Gast erhielt ein handgebasteltes Festzeichen, das in einem kleinen Bilderrahmen den Gasthof Lengauer zeigte. In diesem Gasthof entstand vor 110 Jahren der Wille, einen eigenen Trachtenverein zu gründen. Franz Steiner junior als Sprecher des Abends nahm die Rolle des alt-ehrwürdigen Wirtshauses an und erzählte aus all seinen Erfahrungen. Nach einem festlichen Blasmusik-Einmarsch spielten in den ersten Szenen der Erinnerungen Dirndl und Buam die Gründungsidee, der der Wunsch nach gemeinsamen Tanzmöglichkeiten zugrunde lag. 30 Höhenmooser waren aktiv bei der Gründung des Vereins dabei. In der zweiten Szene wurde gezeigt, wie der damalige Herbergsvater Sebastian Lengauer ein Grammophon zur Verfügung stellte, damit das Tanzen noch leichter möglich war. 1923 erfolgte die Weihe der neuen Fahnen durch einen Kapuzinerpater in Rosenheim und mit dem Trachtenverein Frasdorf als Paten, die Maß Bier kostete damals 100 Reichsmark. 24 mal rückten die Höhenmooser alsdann aus zu weiteren Fahnenweihen in der Umgebung, unter anderem 1925 mit einer eigenen 16-Mann-Musik nach Stephanskirchen, um dort Göd zu sein. 1934 durften auch Dirndl und Frauen dem Verein beitreten, doch der Krieg ließ die Vereinsaktivitäten wieder erlöschen. Eine interessante Kriegsgeschichte wurde in einer weiteren Szene auf der Bühne dargestellt. 1942 riskierten Balthasar Unterseher, Franz Kloo, Simon Lechner, Josef Ranhartstetter und Sebastian Hamberger ihr Leben, als sie die Rohrdorfer Apostelglocke in einer Nachtaktion vor dem geplanten Abtransport zur Einschmelzung nach Osterkam holten. Dort blieb sie vier Jahre begraben und bei jeder Beerdigung von einem der fünf Glocken-Retter läutete die Glocke eine ganze Stunde. Als bei der 50-Jahr-Feier 1957 die neu restaurierte Fahne geweiht wurde, waren nur wenige Vereine vom Gauverband I zugegen, deshalb stellten die Höhenmooser 1958 den Antrag, dem Chiemgau-Alpenverband beizutreten. Als Zugeständnis an den ältesten Chiemgauer Trachtenverein, den GTEV „D´Griabinga“ Hohenaschau verzichteten die Höhenmooser auf den bislang von ihnen getragenen Stopselhut und tauschten diesen gegen den Chiemgauer Trachtenhut ein. Damit waren auch die Hohenaschauer Trachtler für eine Aufnahme in den Chiemgau-Alpenverband. Turbulente Zeiten mit einigen schnellen Vorstands-Wechsel, Vereinsjubiläen, Gaufeste, die „Gewonnene Maibaumschlacht um Hetzenbichl“, die 1.200-Jahr-Feier, die Goldmedaille im Wettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden“ sowie der Bau vom Haus der Vereine mit eintausend ehrenamtlicher Arbeitsstunden durch Trachtenvereinsmitglieder waren weitere Themen der Zeitreise. „Beim 100jährigen Jubiläum mit Gaufest vor zehn hatten wir sogar ein kleines Biotop in der Bar angelegt, dies wurde rasch das Zuhause für einen Frosch, der damit als Einziger länger im Festzelt verweilte als der „Bäck“ von Höhenmoos“ – so eine der humorvollen Beiträge von Franz Steiner. „Wie geht´s weiter?“ – diese Frage von Franz Steiner beantworteten zwischendurch die Kinder, Jugendlichen und Aktiven des Vereins mit schwungvollen Auftritten und für die weitere Zukunftsvorsorge sorgten die Trachtler und Musikanten vom Patenverein Stephanskirchen, sie übergaben nach dem Sterntanz feierlich eine Bank zum Rasten für einen aussichtsreichen Platz in Höhenmoos. Vorstand Christian Lechner dankte abschließend allen Akteuren, die bei den Auftritten vor, auf und hinter der Bühne mitwirkten, sein besonderer Dank galt den Initiatoren Sylvia Steiner, Franz Steiner junior, Paul Unterseher und Julia Ellmaier. Den Festabend gestaltete musikalisch die Musikkapelle Rohrdorf unter der Leitung von Martin Frey, Festleiter Christian Steiner hieß neben der Festmusik auch noch als Schirmherrn Zweiten Bürgermeister Joachim Weisböck, als weitere Ehrengäste Pfarrer Robert Baumgartner, die Ehrenvorstände Sepp Schmid und Franz Steiner senior, die Alt-Bürgermeister Fritz Tischner aus Rohrdorf und Paul Unterseher senior aus Höhenmoos sowie als Vertreter des Chiemgau-Alpenverbandes Zweiten Gauvorstand Georg Westner, Ehren-Schriftführerin Inge Hartl, Ehren-Jugendwart Jakob Steiner und Preisrichterobmann Sepp Spiegelberger willkommen. Die nächste Veranstaltung der Höhenmooser Trachtler in ihrem Festzelt ist am Montag, 22. Mai ab 18 Uhr ein Kesselfleischessen mit der Musikkapelle Stephanskirchen. Am Wochenende sind dann ein Gemeinschaftskonzert der Musikkapelle Rohrdorf mit den Musikkapellen aus den Partenstädten und am Sonntag der „Tag der Blasmusik“ mit den Kapellen Rohrdorf, Neubeuern, Nußdorf am Inn und Samerberg.

Fotos: Hötzelsperger  – Eindrücke vom Jubiläumsabend „De Heamooser Zeitroas“

Nähere Informationen:  www.trachtenverein-hoehenmoos.de

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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