Landwirtschaft

Hochwild-Hegeschau in Aschau i. Chiemgau

Anton Hötzelsperger
Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

„Hirsche und Rehe steckten im Schnee am Berg fest und konnten nicht mehr vor und zurück, Gämsen kamen bis ins Dorf, der viele Schnee der letzten Wochen hat dem Wild schwer zugesetzt“, eröffnete Bürgermeister Peter Solnar die 18. Hegeschau der Hegeringe III bis VI aus dem Landkreis in der Aschauer Festhalle. „Umso wichtiger wäre es, dass die Tiere Ruhe hätten, um möglichst wenig Energie zu verbrauchen. Aber mit der Ruhe in unseren Bergen ist es endgültig vorbei. Neben den Skitourengehern und den Schneeschuhwanderern tauchen jetzt bereits im Winter die Mountainbiker mit Elektromotoren und extrabreiten Reifen auf und rauben die letzte Ruhe. Der Bayerische Rundfunk (BR) veranstaltet Fackelwanderungen mit Hunderten Teilnehmern, Fazit: Hirsch und Reh kommen weder bei Tag noch bei Nacht zur Ruhe“. Die Gemeinde Aschau wird sich in den kommenden Jahren etwas einfallen lassen, um die Ruhe in den Bergen wieder herzustellen, den Freizeitdruck zu reduzieren und auf ausgesuchte Bereiche zu kanalisieren. Nur damit kann sichergestellt werden, dass auch die folgenden Generationen noch Rotwild in freier Wildbahn zu sehen bekommen. „Nach der Rettung der Bienen sollten die Leute auch an größere Tiere denken“.

BJV-Präsident Professor Dr. Jürgen Vocke bedankte sich beim neuen Vorsitzenden der Jägervereinigung Rosenheim Franz Sommer für die Übernahme des Ehrenamtes. Die Idee der Jagd müsse auch im Raum Rosenheim weiterhin offensiv nach außen getragen werden. „Die Stadtbevölkerung hat kein Verhältnis mehr zur Natur und zur Jagd, sie kennt Fuchs und Hase nur noch aus dem Bilderbuch und aus der Fabel. Wenn es nicht gelingt den Jäger aus der Ecke hervorzuholen, wird er stets als „Bambimörder“ abgestempelt bleiben und die Jagd in der bisherigen Form wird keine Zukunft haben“.

Weiten Raum im Vortrag des Präsidenten nahm das Verhältnis der bayerischen Jäger zum Vordringen des landfremden Wolfes in bayerische Reviere ein. „Wir leben hier in Bayern seit vielen Jahrzehnten in einer Kulturlandschaft, und nicht mehr in der Naturlandschaft des 18. Jahrhunderts. 160 Jahre haben wir bestens ohne den Wolf gelebt, wir haben ihn zu keiner Zeit vermisst. Die Landwirtschaft ist auf Wolf und Bär nicht mehr ausgelegt, unsere dicht besiedelte Kulturlandschaft bietet beiden nicht genügend Raum für ein artgerechtes Leben ohne sofort in Konflikt mit dem Menschen und seinen anvertrauten Tieren zu geraten. Während Rotwild, Rehwild und Schwarzwild vor allem von den selbsternannten Naturschützern und auch von den zuständigen Naturschutzbehörden bis in die höchsten Ministerien als Schädlinge verdammt und zur Ausrottung bestimmt werden, jubelt man andrerseits den Wolf als „Bereicherung des Spektrums unserer Fauna“ hoch. Mit welcher Berechtigung und Legitimation diese „Wolfsstreichler“ handeln, bleibt allerdings unklar. Das Wildschwein ist vogelfrei – für den Wolf stellen sie Begrüßungskomitees auf. Auch unsere eingesessenen Wildtiere sind ein Stück Heimat und damit erhaltenswert. Das Beispiel des Bibers, dessen Verbreitung nach seiner Wiederansiedlung vollkommen außer Kontrolle geraten ist und der immense Schäden an den Bäumen verursacht, müsste ein warnendes Beispiel sein“. Dr. Vocke rief die Jäger aus dem Landkreis Rosenheim in der voll besetzten Festhalle dazu auf, sich als Anwalt der Tiere und nicht als Schädlingsbekämpfer zu sehen, denen jedes erlaubte und unerlaubte Mittel recht sein muss. „Das Bild der Jagd wird draußen von euch Jägern gemacht, lasst euch nicht zu Schießern herabwürdigen“.

Wenn der Parkplatz vor der Festhalle mit Geländewagen verstopft ist, weiß man in Aschau: es ist Hegeschau! Zum 18. Mal kamen die Jäger der Hegeringe III bis VI aus dem Landkreis in Aschau zusammen und zeigten an den Stellwänden über 1200 Trophäen des Vorjahres. Jagdberater Fritz Pichler verlas die Ergebnislisten des Vorjahres; in allen Revieren der vier Hegeringe wurden 71 Stück Rotwild, 3212 Rehe und 49 Gämsen erlegt, dazu 969 Füchse, 183 Dachse, 121 Marder und 126 Hasen. Die Abschusszahlen beim Federwild sind rückläufig: Stockente 586, Ringeltaube 151, Graugans 143, Elster 67, Eichelhäher 156 und Rabenkrähe 1384. Fritz Pichler führte aus, dass die Abschusspläne bei Rotwild und Rehwild weitestgehend erfüllt wurden, lediglich bei den Gämsen erreichten die Jäger nur 80 Prozent des geforderten Solls. Diese mussten in diesem Jahr lange nicht aus den Hochlagen herabkommen. Der zunächst milde Winter und die ausreichende Versorgung mit Futter in den angestammten Revieren bewahrte einige vor dem Blei des Jägers. Das Schwarzwild stellt noch keine echte Größe in den vier Hegeringen dar, lediglich ein Überläufer wurde gemeldet. Im gesamten Landkreis waren es 37 Wildschweine, der Schwerpunkt liegt dabei im Raum der Moorwälder um Maxlrain.

Bericht und Fotos: Heinrich Rehberg – Die neue Vorstandschaft der Jägervereinigung Rosenheim mit dem Ehrenvorsitzenden Werner Zwingmann, Schriftführer Jürgen Kotzur, dem ersten Vorsitzenden Franz Sommer und seinem Stellvertreter Jakob Hündl, Beirat Werner Schmidt und Schatzmeister Peter Stoib (von links)

 

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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