Landwirtschaft

Herbstjagd am 12. Oktober auf der Herreninsel

Für die Teilnehmer ist es ein sportlich anspruchsvoller Jagdtag auf geschichtsträchtigem Boden, für die alljährlich weit über tausend Zuschauer ein einzigartiges Erlebnis: Am 12. Oktober rufen auf der Herreninsel wieder die Jagdhörner. Aufgesessen wird zur 61. Großen Herbstjagd. 60 Reiter und 40 Hunde bilden das Jagdfeld. Das Geläuf, gut 20 Kilometer mit 35 Hindernissen, ist aufgeteilt in acht Schleppen (Etappen). Die Schleppjagd auf Herrenchiemsee steht rückwirkend und bis heute immer unter der Schirmherrschaft des Bayerischen Ministerpräsidenten.

Schleppjagd auf der Königsinsel

Die Zahl der Teilnehmer ist aus logistischen Gründen begrenzt. Die Pferde müssen mit der Fähre auf die Insel übergesetzt werden – und das seit Jahren nach exaktem Zeitplan: Um 7 Uhr legt die erste Fähre in Breitbrunn ab. Nach und nach treffen Reiter und Pferde auf der Herreninsel ein.  Die Jagdgesellschaft trifft sich zur Eintragung ins Jagdbuch und zum bayerischen Jagdfrühstück in der Schlossgaststätte. Wenn die klassischen Hornsignale der Chiemgauer Jagdhornbläser “Bien Aller de Baviere” rufen, formieren sich alle Reiter um 11 Uhr zum großen Stelldichein mit der Hundemeute vor der Kapelle des Alten Schlosses.

Nach Begrüßung durch die Jagdherrschaft,  den Präsidenten des Schleppjagdvereins von Bayern (SvB)  Toni Wiedemann, überbrachten Grußworten des Bayerischen Ministerpräsidenten und Schirmherrn,  Dr. Markus Söder und nach Segnung von Reitern und Pferden durch Pater Tassilo Lengger (OSB) vom Kloster St. Ottilien, stimmen alle in den Jagdruf ein; anschließend beginnt der Aufgalopp. Die “Equipage” mit dem Master und dem Schleppenleger führt die rund 40 schnell und sicher spurenden Foxhounds. Ihr folgt der Jagdherr Josef Ettenhuber mit dem ersten Feld. Geritten wird diszipliniert in mehreren Feldern bzw. Gruppen. An den Sichtplätzen begrüßen die Zuschauer die Jagdgesellschaft mit Beifall. Die Jagdgesellschaft begleitet die Jagd in reservierten Kutschen. Auch zu Fuß kann sich jeder Besucher der geführten Gruppe anschließen.

Die letzten Schleppen auf der Schlossallee enden mit dem “Halali” gegen 15 Uhr am Neuen Schloss. Dabei ehrt die Jagdherrschaft Esther Höhn und Josef Ettenhuber  die Reiter mit dem Eichenbruch und einer Erinnerungschleife, der Master und Präsident gratuliert mit dem Jagdknopf und die Foxhounds erhalten zur Belohnung Rinderpansen. Wenn Pferde und Hunde versorgt sind, lädt die Jagdherrschaft zum Jagdessen in die Schlossgaststätte des Alten Schlosses. Danach geht es für die Pferdegespanne und  Reiter mit der Fähre und für Jagdgäste mit den Personenschiffen wieder zurück ans Festland.

Verschmelzung alter Traditionen

Im Jahr 1957 war die Jagdreiterei in Bayern mit einer Fuchsjagd ohne Hunde und 16 Reitern auf der Herreninsel wieder aufgenommen worden. Damit wurde eine Tradition fortgeführt, die im 18. Jahrhundert mit Kurfürst Max Emanuel von Bayern (1662-1726) begonnen hatte.  Im  Laufe der Jahre gewann diese Jagd immer mehr an Zuspruch und so kam es, dass Mitte der 60er Jahre Bayerns Ministerpräsident Franz Josef Strauß  diese Jagd zur Staatsjagd erhob. Der Titel Staatsjagd galt 20 Jahre bis zur Amtsaufgabe des Bayerischen Ministerpräsidenten J. Streibl. Seit 1990 werden auf der Königsinsel Schleppjagden mit dem Schleppjagdverein von Bayern geritten.

Dank engagierter Jagdherren und Freunde und in enger Zusammenarbeit mit der Bayerischen Schlösser- und Seenverwaltung konnte die Veranstaltung erhalten und auf dieses Niveau gebracht werden.

Die typisch deutsche Form der Schleppjagd, auch der bayerischen,  entwickelte sich vor allem Ende des 19. und zu Anfang des 20. Jahrhunderts: Es sind Elemente aus der klassischen französischen Hirschjagd zu Pferde “Chasse à courre”, von der insbesondere die Hornsignale und zum Teil auch das Zeremoniell stammen. Das schnelle und sportliche Reiten über die Hindernisse ist vom englischen “Foxhunting” übernommen worden. Nur die Ehrung der Reiter mit dem “Bruch”, einem Eichenzweig, ist deutsch.

Die Schleppjagd grenzt sich von der französischen Parforcejagd allein dadurch ab, dass die Hunde eine künstliche Fährte aus Heringslake ausarbeiten. In Deutschland ist die Jagd auf lebendes Wild seit 1934 verboten. Heute hat der Schleppenleger einen Tropfkanister am Sattel festgeschnallt und legt so die Fährten im Gelände.

Auch dieses Jahr treffen sich Jagdreiter aus ganz Deutschland – die nördlichsten kommen von der Insel Norderney, aus Österreich, der Schweiz, und Frankreich zu diesem besonderen Wochenende im Chiemgau. 

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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