Corona-Krise

Haushalt der Erzdiözese in Pandemie-Zeiten

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Die Erzdiözese München und Freising hat ihren Jahresabschluss und Lagebericht 2020, den Haushalt 2021 sowie Jahresabschlüsse, Lageberichte und Haushalte weiterer wichtiger Rechtsträger im Erzbistum vorgelegt. Die Rechnungslegung erfolgte wie seit dem Jahr 2015 gemäß den Vorgaben des Handelsgesetzbuches (HGB).

Von den negativen Auswirkungen der Coronapandemie sei die Erzdiözese „noch nicht so massiv getroffen“ worden, „wie es nach dem ersten Lockdown und den zunächst sehr schlechten Nachrichten vom Arbeitsmarkt zu befürchten war“, sagte Generalvikar Christoph Klingan bei der Finanzpressekonferenz am Donnerstag, 8. Juli, in München. Dennoch seien die Herausforderungen, die „sich schon seit einiger Zeit abzeichnen, durch die Pandemie nochmals verstärkt“ worden, betonte Klingan. Mit dem von Erzbischof Kardinal Reinhard Marx Anfang 2020 in Auftrag gegebenen und im September vergangenen Jahres gestarteten Gesamtstrategieprozess stelle sich die Erzdiözese „bewusst und aktiv einer sich rasant verändernden Gesellschaft und natürlich damit verbunden den aktuellen Entwicklungen mit Blick auf die Kirche und unser Handeln als Erzdiözese, nicht zuletzt vor dem Hintergrund absehbar merklich zurückgehender personeller und materieller Ressourcen“, so Generalvikar Klingan. Um inhaltliche Priorisierungen und Kriterien für spätere Ressourcenentscheidungen zu erarbeiten, habe man im Rahmen des Strategieprozesses sechs Arbeitsfelder definiert und entwickle nun unter der zentralen Fragestellung der Wirksamkeit jeweils Zielbilder. Bei dem Prozess, der bis Ende des Jahres abgeschlossen sein soll, gehe es darum, „eine gute Grundlage zu erarbeiten, um wichtige Entscheidungen auch in Ressourcenfragen verantwortlich treffen zu können und Kirche zu gestalten: Aktiv, zukunftsgerichtet, konkret, damit wir die Botschaft Jesu wirksam bezeugen und mit Leben erfüllen in unserem Erzbistum.“

Zentral bleibt laut Generalvikar Klingan bei all diesen Überlegungen immer auch die Frage: „Wie kann Kirche heute für die Menschen da sein, ganz konkret?“ Gerade angesichts der in der Pandemiezeit wachsenden Not und der vielen von Kurzarbeit oder Arbeitslosigkeit betroffenen Menschen, für die „die Aufs und Abs der Pandemie nicht selten existenzbedrohend“ seien, komme kirchlichem Handeln eine besondere Bedeutung zu: „So berichten unsere kirchlichen Einrichtungen, die engagiert und mit erheblichem Ressourceneinsatz versuchen, Menschen in existenzieller Not zu unterstützen, von einer enormen Zunahme der Nachfrage.“

In diesem Zusammenhang verwies die Amtschefin des Erzbischöflichen Ordinariats, Stephanie Herrmann, auf zwei Bereiche, „die von der Coronapandemie besonders betroffen“ waren und in denen sich die Erzdiözese zuletzt in besonderer Weise engagierte. Da viele freischaffende Künstlerinnen und Künstler aufgrund der Pandemiebeschränkungen kaum Einkünfte hatten, habe die Abteilung Kulturmanagement im Erzbischöflichen Ordinariat zusammen mit Pfarreien den Kunstschaffenden ermöglicht, „unter Einhaltung der Schutzkonzepte Gottesdienste oder den Kirchenraum zu gestalten. Schauspielerinnen und Schauspieler, Schriftstellerinnen und Schriftsteller, Tänzerinnen und Tänzer oder auch bildende Künstlerinnen und Künstler haben neue Impulse gesetzt.“ Die Resonanz auf diese von der Erzdiözese konzeptionell, organisatorisch und finanziell unterstützten Projekte sei auf allen Seiten positiv gewesen, so Herrmann. Nicht nur die Künstlerinnen und Künstler hätten neue Möglichkeiten gefunden, sondern auch die „Gottesdienstteilnehmerinnen und -teilnehmer haben überraschende und neue Impulse für ihr Glaubensleben entdeckt“. Daneben verwies Amtschefin Herrmann auf die von der Erzdiözese finanzierte Essensausgabe in der Münchner Pfarrkirche St. Anton. Da sich für viele Menschen „Armut und Obdachlosigkeit durch die Krise noch verschärft“ hätten, zugleich aber aufgrund der Pandemie bestehende Essensausgaben nur eingeschränkt oder gar nicht betrieben werden konnten, habe man erstmals in einer Kirche eine Essensausgabe realisiert. Nachdem die Erzdiözese das gemeinsame Projekt der diözesanen Caritas und der Pfarrei St. Anton seit seinem Start im Dezember 2020 bereits mit 120.000 Euro finanzierte, sichert sie nun mit weiteren 160.000 Euro die Fortführung der Antonius-Küche in der Isarvorstadt, die täglich von rund 200 Menschen besucht wird.

Im Anschluss berichtete Bruder Bernd Kober OFMCap, Pfarradministrator von St. Anton, über die Essensausgabe in dem Gotteshaus, mit der laut Generalvikar Klingan deutlich werde, „wie wir das Motto unseres diesjährigen Geschäftsberichts in die Tat umsetzen und es zu verwirklichen suchen: ,Mit Christus an der Seite der Menschen – auch in Zeiten der Krise.‘“

Im Rahmen der Pressekonferenz stellte der Erzbischöfliche Finanzdirektor Markus Reif Jahresabschluss und Lagebericht 2020 und den Haushalt 2021 der Erzdiözese vor. Diese sowie Jahresabschlüsse, Lageberichte und Haushalte weiterer wichtiger Rechtsträger finden sich auch im Internet unter erzbistum-muenchen.de/finanzen

Ausgewählte Kennzahlen und Daten/Erzdiözese München und Freising – Bilanz

Die Bilanzsumme der Erzdiözese beträgt rund 3,7 Milliarden Euro. Sie hat sich zum 31. Dezember 2020 gegenüber dem Vorjahr um 116 Millionen Euro erhöht.

Das in der Bilanz der Erzdiözese abgebildete Vermögen umfasst im Wesentlichen Sach- und Finanzanlagen. Die Sachanlagen belaufen sich auf eine Höhe von rund 1,4 Milliarden Euro (plus 52 Millionen Euro gegenüber dem Vorjahr). Den größten Anteil haben mit rund 1,2 Milliarden Euro die bebauten und unbebauten Grundstücke. Die in der Bilanz abgebildeten Finanzanlagen haben in 2020 um 48 Millionen Euro auf 1,4 Milliarden Euro abgenommen.

 Gewinn- und Verlustrechnung

Die gesamten Erträge der Erzdiözese im Jahr 2020 betrugen rund 864 Millionen Euro (Vorjahr: 887 Millionen Euro). Davon entfallen 647 Millionen Euro auf die Kirchensteuer (Vorjahr: 665 Millionen Euro). Weitere 130 Millionen Euro (Vorjahr: 124 Millionen Euro) flossen dem Erzbistum als öffentliche Zuschüsse zu. Davon waren entsprechend dem Subsidiaritätsprinzip 68 Millionen Euro staatliche Zuschüsse für den Betrieb von Schulen, 13 Millionen Euro für den Religionsunterricht an staatlichen Schulen sowie 27 Millionen Euro aus Zuschüssen von Städten und Gemeinden für kindbezogene Betriebskostenförderung (BayKiBiG) an den Kindertagesstätten der Erzdiözese.  Aus den gesamten Erträgen wurden im vergangenen Jahr Aufwendungen in Höhe von 839 Millionen Euro finanziert (Vorjahr: 813 Millionen Euro). Mit knapp 342 Millionen Euro (Vorjahr knapp 330 Millionen Euro) stellte das Personal den größten Aufwandsposten dar. Seelsorge und Bildung sind personalintensive Bereiche. Auch ein Großteil der regulären Haushaltszuschüsse an Kirchenstiftungen in Höhe von 112 Millionen Euro (Vorjahr: 108 Millionen Euro) dienen der Deckung von Personalkosten.  Das Jahresergebnis der Erzdiözese betrug im Jahr 2020 rund 33 Millionen Euro (Vorjahr: 93 Millionen Euro). Das Bilanzergebnis ist wie im Vorjahr ausgeglichen.

Haushalt für das Jahr 2021

Die Erzdiözese plant mit Erträgen in Höhe von 824 Millionen Euro, die niedriger sein werden als die geplanten Aufwendungen in Höhe von 849 Millionen Euro. Größter Aufwandsposten bleiben im Jahr 2021 mit insgesamt 351 Millionen Euro die Personalaufwendungen. Zweitgrößte Position sind die gewährten Zuschüsse mit 301 Millionen Euro. (ck)

 Hinweis:  Alle Berichte finden sich als PDF zum Download unter www.erzbistum-muenchen.de/finanzen.

 

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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