Kirche

Goaßlschnalzer-Gottesdienst in St. Salvator

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Seit über 40 Jahren gibt es an der Kriegergedächtniskapelle am Waldrand ostwärts des Dorfes Pinswang (Gemeinde Rimsting) einmal im Jahr einen Goaßlschnalzer-Gottesdienst. Wie im Vorjahr, so kam auch heuer Pfarrer Josef Steindlmüller aus Olching in seine Heimatpfarrei, um mit den Goaßlschnalzer-Familien aus Prien und Greimharting einen Gottesdienst zu feiern. Wie im Vorjahr, so regnete es erneut, doch heuer wurde in die Filial- und Wallfahrtskirche St. Salvator ausgewichen.

„Wenn wir zu unserer Schnalzer-Messe zusammenkommen, dann gedenken wir an die Gründer der Priener Goaßlschnalzer. Sie waren vor fast 60 Jahren die erste Goaßlschnalzer-Gruppe, die mit musikalischer Begleitung auftrat und beim Zentral-Landwirtschaftsfest in München ihre Premiere hatte. Unser Gedenken gilt ihnen, den bislang aus unseren nachkommenden Gruppen verstorbenen Mitgliedern sowie den verstorbenen Angehörigen. Wir denken aber auch an meinen Onkel und Pfarrer Paul Fischer, der zusammen mit den Rimstinger Sängern erstmals einen Gottesdienst an der Pinswanger Kapelle feierte“ – so erinnerte Sebastian Furtner als einer der nunmehrigen „Senioren“ aus der Priener Goaßlschnalzer-Gruppe.

Pfarrer Josef Steindlmüller freute sich, dass der Gottesdienst trotz Regen und Corona möglich war und er sagte zu Beginn: „Gerne denke ich an meine Primiz in St. Salvator zurück, da hatten wir auch viel Regen. Betrachten wir das Wasser als Quelle auch für unser Innen-Leben. Gerade in Zeiten mit Corona merken wir, was uns fehlt und da wird uns deutlich, dass Traditionen wichtig sind“. In seiner Predigt sprach Pfarrer Steindlmüller die Bibel an, dazu erklärte er: „Das Wort Gottes darf nicht zur Routine verkommen, wir müssen es mit Herzen hören, uns von ihm berühren lassen und danach handeln gemäß dem Satz Jesu `Hört und Ihr werdet leben`´. Abschließend bedankte sich der Pfarrer nicht nur bei den Goaßlschnalzern, sondern auch bei der Mesnerfamilie Wimmer, beim Altardienst sowie bei den Saiten-Musikantinnen Brigitte Obermaier (Hackbrett), Claudia Feichtner (Zither) und Veronika Fischer (Gitarre) für deren feine volksmusikalische Gestaltung. Wie es der Brauch war und ist, lud Hansi Wallner von den Priener Goaßlschnalzern alle anwesenden Schnalzer aus Prien und aus Greimharting zu einem Gemeinschafts-Schnalzen vor Kirche und Leichenhaus von St. Salvator ein.

Die Kriegergedächtniskapelle Pinswang   – Die „Schnalzer-Messe“ wird traditionell vor der Kapelle in Pinswang abgehalten, nur wenige Male musste –wie heuer- auf die Kirche St. Salvator ausgewichen werden. Die Pinswanger Kapelle entstand auf der Grundlage der Pläne des Priener Architekten und Bauunternehmers Karl Stein als nachbarschaftliches Gemeinschaftsprojekt. Allzeit obliegt die Pflege der Kapelle der Pinswanger Nachbarschaft. Auschlaggebend für den Bau war ein Versprechen eines Ehemannes, der einen Bildstock für die Mutter-Gottes aufrichten wollte, sofern seine schwer erkrankte Frau wieder genesen würde. Nachdem seine Gemahlin tatsächlich wieder gesund wurde, brachte ein Nachbar den glücklichen Ehemann auf die Idee mit der Kapelle. Durch die Unterstützung zahlreicher Helfer aus der Nachbarschaft konnte der Bau Stück für Stück realisiert werden. 1928 war die Kapelle fertiggestellt und wurde vom Priener Pfarrer eingeweiht. Gewidmet wurde sie den Gefallenen des Ersten Weltkrieges. Ein Pinswanger General stiftete die Ehrentafel mit den Namen der verstorbenen Soldaten aus dem Ort. Auch heute noch können Wanderer im offenen Vorraum der Kapelle knappe Daten zu den Verstorbenen lesen. Einer der Helfer beim Bau der Kapelle vor gut 90 Jahren war der Vater von Sebastian Furtner, der der Priener Gründer-Goaßlschnalzer-Gruppe angehörte. Vor fast 20 Jahren machte sich Sebastian Furtner daran, die Pinswanger Kapelle nachzubauen. Nach seiner Fertigstellung stellte er diese dem Priener Trachtenverein für einen Motiv-Festwagen zur Verfügung, erstmals kam dieser Wagen 2005 beim Gaufest des Chiemgau-Alpenverbandes in Niederaschau zum Einsatz.

 Fotos:  Hötzelsperger –  1. Eindrücke vom Goaßlschnalzer-Gottesdienst mit Pfarrer Josef Steindlmüller in der Kirche St. Salvator mit anschließendem Auftritt der Priener und Greimhartinger Goaßlschnaler vor der Kirche.

  1. Die Kriegergedächtniskirche von Pinswang in der Gemeinde Rimsting
  2. Sebastian Furtner, der die Pinswanger Kapelle vor fast 20 Jahren nachbaute und sie dann dem Priener Trachtenverein für Festwagen-Einsätze überließ

HINWEIS:  In der Wallfahrtskirche St. Salvator wird am Sonntag, 12. September ab 8.30 Uhr ein Erntedank-Gottesdienst gefeiert – mit Übertragung ins Freie!

 

 

 

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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