Land- & Forstwirtschaft

Glentleiten zeigt die Blumenfrauen vom Viktualienmarkt

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Das Freilichtmuseum Glentleiten des Bezirks Oberbayern zeigt ab 12. Juli mit „Die Blumenfrauen vom Viktualienmarkt. Fotoarbeiten von Hildegard Kaup (1924-2016)“ eine neue Sonderausstellung. Im Mittelpunkt stehen Schwarz-Weiß-Aufnahmen einer aus Westfalen stammenden Fotografin, die 1948/49 in München und Umgebung entstanden sind. Sie beleuchten ein Stück Alltagsgeschichte in der unmittelbaren Nachkriegszeit. Außerdem wird das weitere Leben und Werk von Hildegard Kaup betrachtet.

Die Fotografien
Mehrere Frauen stehen in den gezeigten Bildserien von Hildegard Kaup im Fokus: Eine alte Dame begleitete sie zum Beispiel von morgens bis abends – beim Verlassen des Hauses über den Weg zum Bahnhof, die Fahrt an den Stadtrand, das Sammeln von Wildblumen, die Brotzeit dazwischen, den Heimweg und schließlich den Verkauf auf dem Viktualienmarkt. Es ist ein „Bildbericht“ über eine Frau entstanden, der man ihre Lebensstrapazen ansieht, die aber scheinbar dennoch ihr Leben in die Hand zu nehmen wusste. Ähnlich intensiv fing Kaup in einer zweiten Fotoserie eine weitere Blumenverkäuferin ein. Mit den Fotografien über Münchner Blumenfrauen entstanden nicht nur eindringliche Aufnahmen einzelner Personen, sie schuf darüber hinaus auch ein Porträt des Alltagslebens in einer zum Großteil zerstörten Stadt. Im Hintergrund sind zuweilen etwa Menschenschlangen zu sehen, die an einer Freibank für Fleisch anstehen. Die fotografische Herangehensweise Kaups beschreibt die Künstlerin Gabriele Wilpers, zunächst Auszubildende bei Hildegard Kaup und später eine enge Freundin der Fotografin, so: „Es war das Kleine und Unauffällige, das sie interessierte, nicht das Laute und Spektakuläre. Immer blieb sie eine Staunende, war ihr die Wahrnehmung der Welt ein Ereignis.“
Die Ausstellung zeigt neben den Blumenfrauen auch den Einstieg Hildegard Kaups in die Fotografie, eine Auswahl ihrer Münchner Studien sowie Fotografien aus ihrer Zeit im familiär geführten Fotoatelier in Geseke/Westfalen.

Die Fotografin
Hildegard Kaup, 1924 in Lippstadt geboren, wuchs im westfälischen Geseke auf. Ihr Vater betrieb dort seit 1931 ein Fotoatelier, in dem sie bis 1943 eine Fotografenausbildung absolvierte. Nach dem Krieg – das Versprechen hatte sie ihrem Vater abgerungen – sollte es für ein Jahr nach München an die Bayerische Staatslehranstalt für Lichtbildwesen gehen. 1948 war es soweit: Bei der Fortführung ihrer Ausbildung stand in Bayern nun die künstlerische Fotografie im Fokus, neben neuen Techniken und Methoden wurden auch die aktuellen fotografischen Trends der Zeit vermittelt. Mit frischen Ideen im Gepäck kehrte Hildegard Kaup nach Geseke zurück und stieg in den Familienbetrieb ein. 1956 legte sie die Meisterprüfung ab und übernahm das Atelier 1958 nach dem Tod des Vaters ganz. Sie führte es bis 1986, war zweimal verheiratet und schuf neben kommerziellen Auftragsarbeiten auch zeitlebens freie Aufnahmen, z.B. im Bereich der Natur- oder Industriefotografie.

Die Sonderschau wurde vom LWL-Freilichtmuseum Detmold erarbeitet, dem Hildegard Kaup ihren fotografischen Nachlass vermacht hat. Sie ist während der derzeitigen Öffnungszeiten der Glentleiten (täglich 10:00 bis 17:00 Uhr) bis zum 6. Juni 2021 zu sehen. Zur Ausstellung ist im Kettler-Verlag eine Publikation erschienen, die im Museumsladen für 28 Euro erhältlich ist.

Fotos
LWL-Freilichtmuseum_Detmold_Blumenfrau.jpg: Blumenfrau aus Serie 1.
Bildquelle: LWL-Freilichtmuseum Detmold, Foto: Kaup.

LWL-Freilichtmuseum_Detmold_Blumenfrau3.jpg.jpg: Blumenfrau aus Serie 1.
Bildquelle: LWL-Freilichtmuseum Detmold, Foto: Kaup.

LWL-Freilichtmuseum_Detmold_Blumenfrau4.jpg.jpg: Zu dieser Aufnahme notierte Hildegard Kaup: „Auch sie ist kein Krösus, aber inmitten ihrer Blumenschar herrscht sie wie eine Königin.“
Bildquelle: LWL-Freilichtmuseum Detmold, Foto: Kaup
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Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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