Kultur

„Glanzvoller“ Prinzregentenzeit-Vortrag in Prien

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Im Rahmen der Ausstellung „Glanzvoll: Die Kunst der Prinzregentenzeit am Chiemsee – als München leuchtete und Prien glänzte“ waren  rund 50 Zuhörer:innen in das Foyer des Chiemsee Saals gekommen, um den Vortrag von Prof. Dr. Werner K. Blessing, Professor i.R. für Neuere Geschichte und Landesgeschichte an der Universität Erlangen-Nürnberg, zu hören. An diesem Abend behandelte Prof. Dr. Blessing das Thema „Bayerns Gesellschaft um 1900: Kontinuität und Umbruch“. Die Zeit um 1900 war in allen Lebensbereichen geprägt von Umbrüchen und gesellschaftlichem Wandel im Spannungsfeld von Tradition und Moderne. Zahlreiche Jubiläen des Hauses Wittelsbach und Prinzregent Luitpolds, der bis ins hohe Alter den Respekt und das Vertrauen aller Gesellschaftsschichten genoss, boten Anlass für unzählige glanzvolle Feiern in ganz Bayern. „Die damit einhergehende Selbstdarstellung des Hauses Wittelsbach und das zeremonielle Auftreten in Bildern und Requisiten geriet zur letzten Vorstellung glänzender Monarchie“, so der Vortragende. Im Zuge des Kapitalismus und der Industrialisierung gewann das Bürgertum zunehmend an Rang und Bedeutung und forderte Rechte. Die bürgerliche Welt war geprägt von Fortschrittsglauben und zunehmender politischer Anteilnahme in nationalliberaler Einstellung. Zudem stellte sich das Bürgertum um 1900 als eine sehr heterogene Schicht dar – aus Großbürgertum, Mittelstand und Staatsdienst sowie zunehmend berufstätiger Frauen. Die Industrialisierung griff tief in die Lebenswelt um 1900 ein: Verkehrsausbau, Konsumgüterproduktion, Maschinenfabriken, Textilindustrie schufen Arbeitsplätze für Abwanderer aus dem ländlichen Bereich und dem überbesetzten Handwerk. „Die viel beschworene ‚Gute Alte Zeit‘ war im Arbeitermilieu wenig zu spüren“, erklärt Prof. Blessing weiter. Vor allem der Bauernstand war bislang in den feudalen Strukturen von Unfreiheit geprägt und galt als „hochverfügbarer Lastenesel der Nation“. Mit Aufhebung aller Grundherrschaften durch den Landtag wurden die Bauern freie Staatsbürger und mit dem Einsetzen der allgemeinen Schulpflicht zog Bildung und modernes Denken in die bäuerliche Gesellschaft ein.

Den Abschluss der ausstellungsbegleitenden Vortragsreihe macht Dr. Ruth Negendanck, ebenfalls Mitglied des Kulturfördervereins Prien, am Dienstag, 31. Mai 2022. Die langjährige assoziierte Wissenschaftlerin am Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg und Autorin des vom Kulturförderverein herausgegebenen Werkes „Künstlerlandschaft Chiemsee“ widmet sich in ihrem Beitrag den Begegnungen in der Künstlerlandschaft Chiemsee während der Prinzregentenzeit. Beginn ist um 19 Uhr im Foyer des Chiemsee Saals, Alte Rathausstraße 11. Vorab haben Interessierte von 17 bis 19 Uhr die Möglichkeit, die Ausstellungsräumlichkeiten in der Galerie im Alten Rathaus zu besichtigen. Eine Anmeldung ist unter der Telefonnummer +49 8051 6905-17 oder unter galerie@tourismus.prien.de erforderlich. Der Ausstellungsflyer „Glanzvoll“ mit Veranstaltungsprogramm ist im Tourismusbüro Prien, Alte Rathausstraße 11, sowie online unter www.galerie-prien.de erhältlich.

Während der aktuellen Ausstellung hat die Galerie im Alten Rathaus donnerstags von 17 bis 19 Uhr (auch feiertags zu diesen Zeiten) sowie freitags bis sonntags von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eingang befindet sich in der Alten Rathausstraße 22. Weitere Informationen unter www.galerie-prien.de und unter Telefon +49 8051 92928. Ausstellungsbegleitend ist ein Katalog mit Textbeiträgen der Ausstellungskuratorinnen und ein Kinderführer erhältlich.

Foto: Prien Marketing GmbH – Vortrag „Gute Alte Zeit“, Bayerns Gesellschaft um 1900 – Kontinuität und Umbruch: (v.l.n.r.) Der Referent Prof. Dr. Werner K. Blessing, die Geschäftsführerin der Prien Marketing GmbH Andrea Hübner und der Erste Vorsitzende des Kulturfördervereins Prien a.D. Dr. Friedrich von Daumiller.

 

Redaktion

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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