Leitartikel

Gildeball in Aschau i. Chiemgau

Anton Hötzelsperger
Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

„Kleine Mädchen fliegen besser; die Garden hebeln die Gesetze der Schwerkraft auf, bei den Showtänzen geht es in allen Dimensionen rund auf der Bühne. Schad, dass es gar ist, jetzt wo wir so gut zusammenpassen und alles bis ins letzte stimmt“, bedauerte seine Rustikalität, der Aschauer Weltmarschall Sebastian Bichler, der Meister aller Improvisationstalente, „der Fasching neigt sich nach dem Gildeball bedenklich dem Ende zu.

Die Aschauer Festhalle bleibt die Faschingshochburg für den gesamten Faschingsadel im Chiemgau. Hochansehnliche Garden trafen sich mit ihren Prinzenpaaren und allem, was eine Faschingsgilde sonst noch so braucht, beim „Aschauer Samstag – Höhepunkt der Faschingssaison“ in der Aschauer Festhalle in Aschau und erwiesen den beiden Hoheiten – seiner Tollität „Prinz Philip I. edler Herrscher über das Reich der magischen Hände“ und ihrer Lieblichkeit „Prinzessin Franziska II. verzauberte Tänzerin der Ingenieurskunst zu Aschau“ – ihre Referenz. Noch nicht einmal der sprichwörtlich letzte Platz war in der großen Halle noch frei, bunt kostümiertes Faschingsvolk bevölkerte die Tische und Gänge, die Bar und die Raucherlounge, bewegte sich zu den Rhythmen der „Talbachbuam“ auf der Tanzfläche, bestaunte die Prinzenpaare und die Showtänze der Garden. Zahllose Bienchen wollten sich von guten Menschen retten lassen, viele altmexikanische Tote kamen zum Aschauer Día de Muertos und feierten gemeinsam mit den Lebenden ein fröhliches Wiedersehen mit Musik, Tanz und gutem Essen.

Die Untoten erschienen samt den dazugehörigen Seeräubern von Kapitän Jack Sparrow direkt aus der Karibik, greisliche Zombies und Vampire hatten ihre Gruften im Oberen Priental verlassen, die letzten verbliebenen Kühe kamen mit den Bergbauernmodels von den Almen im Naturschutzgebiet Geigelstein und aus dem Bergsteigerdorf Sachrang kamen leibhaftige Wilderer und Schmuggler. Fernsehgestalten aus den Serien und Shows aller Kanäle erschienen leibhaftig in Aschau, dazu auch wilde Teufel, die letzten süßen Engel und reizenden Feen, wie beim Kinderfasching. Viel Haut und tiefe Einblicke in die Kostüme boten sich den Betrachtern, doch auch hier galt oft „mehr Schein als Sein“ und nicht jeder Ausschnitt hielt, was er versprach. Und dann ging es Schlag auf Schlag: die Aschauer Faschingsgilde beherrschte die heimatliche Bühne mit dem Elferrat und dem sturmerprobten rot-weißen Gardekorps. Prinz Philip und seine Prinzessin Franziska brachten ihren Prinzenwalzer und schwebten in den letzten tollen Tagen über das Parkett. Das Aschauer Gardekorps stand den beiden in keiner Weise nach und brachte den Gardemarsch nach den vielen Auftritten der letzten Wochen flott und exakt bis ins letzte Detail. Gardemajor Tatjana Heinrichsberger hat ihre Mädels fest im Griff: da stimmt einfach alles. Mit rauschendem Beifall dankten die Aschauer ihrer Faschingsgilde, die sie in den Faschingswochen überall im Chiemgau so gut vertreten hatte. Souverän führte seine Rustikalität Weltmarschalllegende Sebastian Bichler durch den Abend, je länger es dauert, umso besser wird er.

Höchstleistungen bot die Prienarria mit ihrer Prinzessin Maria I. strahlende Hoheit über Gesang und Melodie aus dem Reich der bezaubernden Klänge und seine Hoheit Prinz Josef I. Herrscher über Grünland und Acker aus dem Reich des goldenen Mooses. Danach fegte die Prienarria-Garde über die Bühne. Staunend sahen die Zuschauer, wie sie es fertig brachten, die Gesetze der Schwerkraft aufzuheben und die Mädchen über die Bühne fliegen und schweben zu lassen. Mit einer fetzigen Show, zackigen Märschen und dem exakten Prinzenwalzer begeisterten die Gäste aus Bad Aibling die Besucher. Prinz Josef I. Nachtschwärmer und Herrscher über den Elferrat aus der Faschingshochburg zu Aibling und Prinzessin Katharina I. tanzende Herrscherin aus der Welt der heilenden Künste brachten alles an Gefolge mit, was Bad Aibling aufbieten kann. Mit Prinzessin Peach Lisa I. – der rasanten Monarchin vom Haidhamer Ring und Super Mario Prinz Christopher I. – dem aus der Reihe tanzenden Prinzessinnenheld erschien die Pruttinger Garde, dann folgten die Piraten aus Neubeuern. Bad Endorf, Rosenheim und die Chiemseenixen aus Bernau kamen mit dem Bus und zeigten immer höher – immer schneller – immer weiter.

Sieben Gastgarden forderten ihren Tribut von den Zuschauern, sie kamen aus dem Staunen nicht heraus. Wer vieles bringt, wird manchem etwas bringen. Zwischen den Auftritten der Garden kam auch das Publikum immer wieder zum Tanz und die Talbach Buam heizten den Tänzern richtig ein. Entgegen dem sonstigen Trend bei Bällen und Tanzfesten war die Tanzfläche stets gut gefüllt, gar mancher maskierte Ballbesucher im Straßenkater- und Eisbär Ganzkörperdress beneidete die Tänzerinnen der Garden um ihre luftigen Kostüme. Die Bar war ständig umlagert, manches Paar musste nach dem Tanz den Flüssigkeitspegel durch geistige Getränke wiederherstellen.

Jede Show war einzigartig und beeindruckend, vor der Halle stauten sich die Busse und in der Halle ging es Schlag auf Schlag weiter. Ans Heimgehen dachte bei diesem Programm niemand und so endete der Ball für die meisten ziemlich spät.

Bericht und Fotos: Heinrich Rehberg

Seine Tollität „Prinz Philip I. edler Herrscher über das Reich der magischen Hände“ und ihre Lieblichkeit „Prinzessin Franziska II. verzauberte Tänzerin der Ingenieurskunst zu Aschau“.

Der Prinzenwalzer des Aschauer Prinzenpaares

Das Prinzenpaar der Prienarria Prien: Prinzessin Maria I. strahlende Hoheit über Gesang und Melodie aus dem Reich der bezaubernden Klänge und seine Hoheit Prinz Josef I. Herrscher über Grünland und Acker aus dem Reich des goldenen Mooses.

Die Garde der Prienarria

Die Garde aus Bad Aibling

Zwischen den Auftritten der Garden kam auch das Publikum immer wieder zum Tanz und die Talbach Buam heizten den Tänzern richtig ein. Entgegen dem sonstigen Trend bei Bällen und Tanzfesten war die Tanzfläche stets gut gefüllt.

Mit Prinzessin Peach Lisa I. – der rasanten Monarchin vom Haidhamer Ring und Super Mario Prinz Christopher I. – dem aus der Reihe tanzenden Prinzessinnenheld erschien die Pruttinger Garde

Seine Tollität Prinz Fabian I. und ihre Lieblichkeit Prinzessin Barbara I. aus Neubeuern kamen mit ihrem piratischen Gefolge

Jeder anders – keiner gleich

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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