Brauchtum

Corona-Bittgang der Gebirgsschützen nach Birkenstein

Anton Hötzelsperger
Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Am vergangenen Samstag hat die Landeshauptmannschaft der Bayerischen Gebirgs-schützen einen Bittgang zum Gnadenbild der Muttergottes in Birkenstein unternommen, um Verschonung von der Corona-Plage zu erbitten.

Die Mitglieder der Landeshauptmannschaft haben es getan aus persönlichem Bedürfnis, aber sie wollten auch als Gebirgsschützen, die der religiösen Volkskultur in Bayern besonders verbunden sind, ein Zeichen setzen. Zur Volkskultur gehören seit Jahrhunderten Bittgänge und Wallfahrten als Mittel, mit gemeinsamem Beten und mit dem Besuch eines Heiligen Ortes Befreiung von Seuchen und Not zu erlangen. Die vom Staat und der Kirche verhängten Maßnahmen zur Überwindung der Corona-Krise haben den Menschen auch den Bittgang und die Wallfahrt in der Gemeinschaft genommen. Mit ihrem Bittgang nach Birkenstein wollen die Gebirgsschützen anschließen an den Brauch des Bittgangs, in den Generationen vor uns ihr Vertrauen setzten. Sie wollen mit der Wiederaufnahme des durch „Corona“ weitgehend zum Erliegen gekommenen Wallfahrtswesens ein Zeichen der Hoffnung setzen, die uns die Ängste vor dem Corona-Virus aber auch vor den mitunter als bedrohlich empfundenen Regulierungsmaßnahmen des Staates nehmen soll und die uns in der Überwindung der Krise helfen soll.

Vom Elbacher Leitzachtal aus marschierte die kleine Pilgergruppe, geistlich begleitet vom Salesianerpater Hans Neuner aus dem Kloster Benediktbeuern, betend durch Wiesen, Fluren und Wälder zur Wallfahrtskapelle Birkenstein. Dort beteten sie in einer von Kurat Hans Schweiger geleiteten Andacht darum, dass die Menschen von der Pandemie befreit und von deren Folgen verschont werden. Ergänzend zu den Texten der Marienandacht haben die Gebirgsschützen mit einem eigens verfassten Gebet (siehe Anlage) um die Fürsprache der Gottesmutter, der Patrona Bavariae – im besonderen auch Schutzfrau der Gebirgsschützen – und um den Segen Gottes für alle Gebirgsschützen und das ganze Volk gebeten.

Bilder und Bericht: Bund der Bayerischen Gebirgsschützen   – Bittgang kurz vor dem Ziel Birkenstein   Die Landesfahne vor dem           Die Teilnehmer des Bittganges vor dem Freialtar Birkenstein Gnadenbild in Birkenstein           (5. Von links:. Landeshauptmann Martin Haberfellner)

                                                                                                                                                                                                                                        Warum ein Bittgang?

Wallfahrten und Bittgänge seit Jahrhunderten

Wallfahrten und Bittgänge sind schon seit alters her als Volksbrauch in katholischen Gegenden gepflegt worden. In Bayern sind sie im 17. Jahrhundert unter dem Eindruck der Pestepidemie entstanden. Die Menschen beteten damals pilgernd um göttlichen Beistand vor der todbringenden Pest.

Verbote bringen Wallfahrtswesen zum Erliegen

Der Staat begegnet der Corona-Pandemie mit Geboten und Verboten. Die Amts-kirche will nichts falsch machen und schließt sich mit einer nicht immer zu ver-stehenden Strenge an. Die Teilnahme an Gottesdiensten und Beerdigungen ist zahlenmäßig begrenzt und mit Auflagen verbunden. Viele gehen deshalb gar nicht mehr in die Kirche. Auch Prozessionen, Bittgänge und Wallfahrten wurden abgesagt. Die vom Staat und von der Amtskirche aufrechterhaltenen Corona-Restriktionen werden vom überwiegenden Teil der Bevölkerung gutgeheißen und auch beachtet. Dass so aber die Glaubensausübung in der betenden Gemeinschaft eines Bittgangs oder einer Wallfahrt zu einem Gnadenort fast vollständig zum Erliegen gekommen ist, irritiert die Gebirgsschützen. Gar nichts zu machen, ist keine Option in der Krise.

Landeshauptmannschaft unternimmt Bittgang nach Birkenstein

Bräuche wie ein Bittgang helfen vielen Menschen zur Lebensbewältigung, sie geben Lebensmut, sie geben Hoffnung, sie helfen, schwierige Lebenslagen zu bestehen. Auf mehrfache Anregung aus den Reihen der Gebirgsschützen haben Mitglieder der „Versammlung der Gauhauptleute“ – bestehend aus Landeshauptmannschaft und den Gauhauptleuten mit ihren Stellvertretern – nunmehr unter Beachtung der Hygienevorschriften und der Begrenzungen in der Teilnehmerzahl eine Fußwallfahrt zum Marienwallfahrtsort Birkenstein durchgeführt.

                                                                                                                                                                                                    Gebet zum Bittgang der Gebirgsschützen um Verschonung von der Corona-Plage

 Barmherziger Gott!

Du hast uns Gebirgsschützen Maria zur Fürsprecherin gegeben.

Wir verehren sie als unsere Patronin und als Schutzfrau unseres Landes Bayern.

Auf ihre Fürsprache bitten wir Dich in diesen Tagen der Corona-Pandemie:

Sei uns nahe in unseren Ängsten und Sorgen.

Gib uns Zuversicht, wenn wir uns einsam fühlen.

Stehe den Kranken und Sterbenden bei.

Lass uns verbunden bleiben mit unseren Schützenkameraden und Marketenderinnen.

Gib uns den Geist der Hoffnung.

Lass uns erkennen, was heute wichtig ist und zählt.

Wir vertrauen auf Deine Treue zu uns Menschen. Schütze uns!

Vater unser …

Gegrüßet seist Du Maria …

Guter Gott, auf die Fürsprache unserer Patronin, der allerseligsten Jungfrau und Gottes Mutter Maria,

segne unseren Bund der Bayerischen Gebirgsschützen-Kompanien und unsere Gebirgsschützen mit ihren Familien und das ganze Volk.

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

 

 

 

 

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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