Brauchtum

Gaufest des Bayer. Waldgaues in Kichberg

Anton Hötzelsperger
Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Vom 12. bis 14. Juli findet das heurige Gaufest des Bayerischen Waldgaues in Kirchberg statt. Dazu laden Schirmherr Dr. Olaf Heinrich, Bezirkstagspräsident von Niederbayern und Ehrenschirmherr Alois Wenig, Bürgermeister von Kirchberg ein.

50 Jahre „Gotthardsbergler“ in Kirchberg i. Wald

Albert Hartl, Musikant und Sänger mit Leib und Seele, war die Triebfeder für die Gründung des Kirchberger Trachtenvereins. Aus allen Nachbarorten und über die Landkreisgrenzen hinaus wurde er als Musikant gerufen. Er erlebte, dass in Mietraching, Bischofsmais, Regen, Raindorf und darüber hinweg die Trachtenvereine ein reges Gedeihen hatten und kam zu der Überzeugung, dass es doch auch in Kirchberg möglich sein müsse, einen Trachtenverein zu gründen.

Im Fasching reifte die Idee und so legten am 1. März 1969 laut Gründungsprotokoll 50 Männer und Frauen im „Brauhaus Danzer“ (Amthof) den Grundstein für den Heimat- und Volkstrachtenverein. Namensgeber war der Berg, auf dem Kapelle und Pfarrkirche St. Gotthard erbaut wurden. Zu Zeiten der Rodungstätigkeit des Mönchs Gunther wurde der Berg zu Ehren des damaligen Abtes von Niederalteich „Gotthardperch“ benannt.

Schon im ersten Jahr wuchs der Verein auf etwa 100 Mitglieder heran, obwohl die Geschäftswelt (mit wenigen Ausnahmen) ihn anfangs nicht besonders schätzte. Fernpendelnde Arbeiter unterstützten den Verein mit Geldspenden.

Von Beginn an wurde jeden Freitag fleißig in einem Nebenraum im historischen „Amthof“ geprobt und schon zwei Monate später veranstalteten die Kirchberger Trachtler am 30. April das erste Maibaumaufstellen und am 1. Mai, nachdem sie tagsüber schon am Jahrtag der „Hirmonstaler“ Trachtler in Bischofsmais teilgenommen hatten, einen Maitanz. Wie damals allgemein üblich, traten auch sie zur Unterhaltung der Feriengäste bei zahlreichen „Heimatabenden“ auf. Ihre Auftritte führten sie in den Folgejahren nach Regen, Weißenstein, Kattersdorf, Bischofsmais, Habischried, Bodenmais, Kirchdorf, Langdorf, March, Kaikenried, Lalling und Zell. Für den aufstrebenden Fremdenverkehr war der Verein mit seinen Darbietungen nicht mehr wegzudenken. In den Kirchberger Wirtschaften veranstalteten die Trachtler Hoagarten mit Volksmusik, Gesang, Volkstanz, Schuhplattlern und Einaktern und spielten sich so in die Herzen der Gemeindebürger.

Die ersten Jahre waren turbulent, es gab Auseinandersetzungen, die Vorstandschaften wechselten mehrmals. Trotzdem war der Verein sehr erfolgreich.

Am 1. September 1973 trat der Verein dem Dachverband, dem Bayerischen Waldgau der Heimat-, Kultur- und Volkstrachtenvereine, bei. Ein Jahr später, am 29. September 1974, siegte die Vereinsjugend der Gotthardsbergler beim Preistanzen in Regen und erhielt den Jugend-Volkstanzwanderpreis des Bayerischen Waldgaues.

1975 wurde das viertägige „Gotthardfest“ ins Leben gerufen. Es findet jährlich stets um den traditionellen „Kirta“ statt, dies ist der erste Sonntag im Juli. Drei Ortsvereine teilen sich Organisation, Verantwortung und Arbeit: der Trachtenverein, der Sportverein und die Freiwillige Feuerwehr Kirchberg. Mit den Einnahmen aus dem Fest sichern die drei Vereine ihre überaus aktive Jugendarbeit in Kultur, Sport und Feuerwehrwesen. Alle Mitglieder arbeiten ehrenamtlich beim Gotthardfest und nur deshalb konnte der Vereinsbeitrag bei den Trachtlern all die Jahre so niedrig gehalten werden.

Ab 1975 wurden die Trachten schrittweise nach den Vorstellungen des Bayerischen Waldgaues erneuert. 1977 errangen die Gotthardsbergler in der Bürgerhalle in Frauenau bei der 11. Austragung den Volkstumswanderpreis „Volkstanz“ des Bayerischen Waldgaues. Dieser Sieg war der Anlass für heftige Diskussionen im Gauverband. Obwohl die Kirchberger korrekt nach den Richtlinien bewertet wurden, war es für alteingesessene Vereine ein Problem, die gute Leistung der jungen, aufstrebenden Gruppe anzuerkennen. Das Jahr darauf war Kirchberg noch Austragungsort des 12. Und letzten Volkstumswanderpreises, denn danach wurde das Preistanzen eingestellt und fortan nur noch als Volkstanztreffen ohne Bewertung veranstaltet.

Drei Tage – vom 6. bis 8. Juli – wurde 1979 das 10-jährige Vereinsjubiläum mit Fahnenweihe verbunden mit dem 2. Fest im Gau bei regnerischem Wetter gefeiert. Patenverein waren die „Plattnstoana“ Raindorf.

In den ersten 20 Jahren seines Bestehens wirkten die Kirchberger Trachtler das Jahr hindurch bei bis zu einem Dutzend Heimatabenden und Hoagarten mit. Fast ebenso viele Festbesuche bei Ortsvereinen und Trachtenvereinen im Bayerischen Waldgau standen im jährlichen Terminplan. Dazu die wöchentlichen Proben.

Bis heute wird weltliches und kirchliches Brauchtum im Jahreslauf hochgehalten: Fasching, Palmgart-Binden, Fronleichnam, Kranz- und Girladen-Binden mit Maibaumaufstellen, Sonnwendfeuer (bis 2004), Gotthard-Fest, Erntedank mit Erntekrone binden, Wolfauslassen, Christbaumversteigerungen.

Ein unvergesslicher Höhepunkt für die Trachtenjugend waren die Fernsehaufnahmen im Museumsdorf Tittling. Etwa 30 Kinder und Jugendliche wirkten am 25. und 26. Mai 1988 als Statisten bei den Aufnahmen für das „Sonntagskonzert“ des ZDF mit.

Die Trachtenjugend gestaltete 2011 zum ersten Mal eine volksmusikalische Maiandacht bei der Gotthard-Kapelle. Diese findet seitdem jedes Jahr an einem Sonntagabend im Mai statt und erfreut sich wachsender Besucherzahlen. Am 6. Mai 2012 gab es eine feierliche Feldkreuz-Segnung am Waldrand nahe Hangenleithen. Die Trachtenjugend war in die Denkmal- und Brauchtumspflege aktiv eingebunden.

Zum 125. Geburtstag am 12. September 2015 richtete der Verein ein Ferdinand-Neumaier-Gedächtnissingen und -musizieren mit namhaften Gruppen in der Aula der St.-Gotthard-Schule aus. Die Veranstaltung wurde ein voller Erfolg. Der in Kirchberg geborene Neumaier schrieb das zur „Waldler-Hymne“ gewordene Volkslied „Mir san vom Woid dahoam“ und war zusammen mit Eugen Hubrich der Schöpfer der weitum bekannten „Waldler-Messe“.

Seit 2017 ist die aktive Jugend des Vereins im weltweiten Netz vertreten (www.trachtenjugend-kirchberg-im-wald.de).

Am 31. August 2017 erfolgte die Eintragung ins Vereinsregister beim Amtsgericht Deggendorf – Registergericht: „Heimat- und Volkstrachtenverein Gotthardsbergler Kirchberg e. V.“  In dem Zusammenhang wurde nach 48 Jahren die Satzung geändert.

2018 wurde in der Vorstandschaft eine Ehrenordnung beschlossen, damit verdiente Mitglieder entsprechend gewürdigt werden können. Bisher erhielten langjährige Mitglieder eine Ehrung für 10, 20, 30 und 40 Jahre Mitgliedschaft. Besondere Leistungen für den Verein wurden nicht berücksichtigt. Ein Ehrenausschuss hat Richtlinien erarbeitet und Ehrenzeichen in Bronze, Silber und Gold anfertigen lassen. 2019 tritt die Ehrenordnung in Kraft.

Derzeitiger Mitgliederstand beträgt 332. Seit Jahrzehnten sind die Gotthardsbergler mitgliederstärkster Verein im Bayerischen Waldgau.

Der Verein errichtet 2019 im Frühjahr eine Totengedenkbretteranlage für verstorbene verdiente Mitglieder in der Ortsmitte von Kirchberg.

Sankt Gotthard – erster Heiliger aus Niederbayern

Gotthard zählt zu den bedeutendsten Äbten des Klosters Altach (Niederaltaich).

960 geboren auf dem Godlhof in Reichersdorf bei Schwanenkirchen, wo seit Jahrhunderten der älteste Sohn den Namen Gotthard, im Volksmund „Godl“ trägt.

Gotthard besuchte die Klosterschule. Er war ein stiller Knabe, der sich in der Kunst des Bücherschreibens übte. Gotthard ging mit dem Erzbischof Friedrich von Salzburg auf Reisen und lernte die Verwaltung kennen. Nach Altach zurückgekehrt, wurde er zum Probst gewählt und war somit Vertreter des Abtes.

  • 991 Mönchsgelübde
  • 992 Priesterweihe
  • 996 Abt von Altach
  • 1001 Abt von Tegernsee
  • 1002 Abt von Hersfeld
  • 1007 Abt von Kremsmünster
  • 1022 Bischofsweihe in Hildesheim
  • 1038 nach 16-jährigem Episkopat verstorben

Gedenktag ist der 5. Mai, sein Todestag.

Sogleich nach seiner Beisetzung im Dom zu Hildesheim sollen die Wallfahrten zu seinem Grab eingesetzt haben und zahlreiche Wunder geschehen sein. Gotthard wurde als erster Altbayer am 29. Oktober 1131 von Papst Innozenz II. heiliggesprochen. Sein bekanntester Schüler war St. Gunther, auch genannt „Apostel des Bayer- und Böhmerwaldes“.

Gotthard wurde der treueste Helfer Kaiser Heinrich II. bei der Erneuerung des kirchlichen und klösterlichen Lebens in deutschen Landen. Er baute und weihte während seiner Tätigkeit 30 Kirchen. In Hildesheim wurde er auch mit der niederdeutschen Namensform „Godehard“ bezeichnet. Die älteste Darstellung Gotthards findet sich an seinem im späten 12. Jahrhundert entstandenen Schrein im Dom zu Hildesheim.

1496 wird er zusammen mit dem heiligen Mauritius auf der Rückseite des Einbandes des Niederaltaicher Evangeliars in der Münchener Staatsbibliothek dargestellt.

Drei Kirchen sind ihm im Bistum Passau geweiht: In Schwanenkirchen ist er neben St. Laurentius Kirchenpatron. Das zweite Gotteshaus, das Gotthard zum Patron hat, ist die 1850 erbaute Kirche in Reichersdorf. Vor allem aber wird Gotthard in Kirchberg im Wald verehrt. Bereits im Jahr 1146 wird eine St. Gotthard-Kirche auf dem „Gotthardsperch“ urkundlich erwähnt.

Die Lage der Kirche auf einer Anhöhe mit Brunnen nebenan ist typisch für viele weitere Gotthard-Kirchen in Mitteleuropa und deutet auf hohe Wertschätzung des Heiligen hin. Auch einer der wichtigsten Alpenpässe in der Schweiz trägt seinen Namen. Freilich wissen es die wenigsten Schweizer, dass ihr Pass seinen Namen einem niederbayerischen Abt verdankt. Und noch weniger wissen sie, warum dieser Pass, der Deutschland und Italien verbindet, gerade diesen Namen hat. In der Zeit der schweren Kämpfe zwischen Kaisertum und Papsttum errichtete der Erzbischof von Mailand auf dieser Passhöhe dem Heiligen eine Kapelle, von der dann der Pass seinen Namen erhielt.

Bericht und Fotos: Regina Pfeffer, Bayer. Waldgau

 

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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