Kultur

Frauen in der Bayerischen Landesausstellung 2021

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Die Bayerische Landesausstellung 2021 “Götterdämmerung II – Die letzten Monarchen” zeigt die Lebenswege der letzten Monarchen vor der Revolution 1918. Kaiserin Elisabeth von Österreich, der bayerische König Ludwig III., Kaiser Wilhelm II. und das russische Zarenpaar – sie alle kämpften um ihren Platz in einer sich rasant verändernden Welt. Am Ende entschieden Weltkrieg und Revolution über ihr Schicksal. Auch herausragende Frauenpersönlichkeiten jener Zeit spielen in der Landesausstellung eine Rolle: Helene, Erbprinzessin von Thurn und Taxis, Marie, Königin von Neapel-Sizilien sowie Prinzessin Therese von Bayern und die Frauenrechtlerin Anita Augspurg.

Skandalumwobene Heldin und fromme Unternehmerin  –  Marie und Helene waren Schwestern der Kaiserin Elisabeth (“Sisi”) von Österreich. Marie in Bayern (1841 – 1925), letzte Königin von Neapel-Sizilien, ging sogar als “Heldin von Gaeta” in die Geschichte ein. Sie heiratete 1859 standesgemäß den Thronfolger des Königreichs Sizilien und wurde im selben Jahr Königin. Schnell war die Krone jedoch in Gefahr: Das junge Königspaar musste vor den Truppen der italienischen Einigungsbewegung auf die Festung Gaeta nördlich von Neapel fliehen. Die damals 19-jährige Königin soll ihre Soldaten zum Kampf angespornt und im Gegensatz zu ihrem Mann durch Kampfgeist aufgefallen sein. Allerdings vergeblich: nach der Kapitulation ging sie mit ihrem Mann nach Rom ins Exil – und fiel danach weniger durch Heldentaten, als durch skandalträchtige Unternehmungen auf. In Augsburg soll sie ein außerehelich gezeugtes Kind entbunden haben. Die ältere Schwester Helene (1834 – 1890) heiratete den Erbprinz von Thurn und Taxis. Diese Liebesheirat hatte die bayerische Prinzessin gegen den Widerstand von König Maximilian II. durchsetzen können. Doch die Ehe war nur kurz: Helenes Ehemann starb jung. Die Witwe übernahm die Vormundschaft für ihre minderjährigen Kinder und führte selbst die Geschäfte des Hauses – und das sehr erfolgreich.

Mehr Rechte für Frauen  –  Nicht nur außergewöhnliche Biografien, sondern auch der Einsatz für Frauenrechte, zeichnen Therese von Bayern und Anita Augspurg aus. Prinzessin Therese von Bayern (1850 – 1925), einzige Tochter des Prinzregenten Luitpold, übernahm nach dem frühen Tod der Mutter die Rolle der ersten Dame des Hofes an der Seite ihres Vaters und hat selbst nie geheiratet. Ihre Leidenschaft gehörte den Naturwissenschaften. Von ihren zahlreichen Forschungsreisen, die sie rund um den Globus führten, brachte die Prinzessin vielfältiges botanisches, zoologisches und ethnologisches Material mit, mit dem sie die Bestände der Münchner Sammlungen und Museen ergänzen konnte. 1892 wurde die außer-gewöhnliche Prinzessin erstes – und bis heute einziges! – weibliches Ehrenmitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Und sie setzte sich dafür ein, dass Frauen studieren dürfen. Mit Erfolg: 1903 erlaubten bayerische Universitäten das Frauenstudium. Für die Rechte der Frauen engagierten sich auch Anita Augspurg (1857 – 1943) und ihre Lebensgefährtin Sophia Goudstikker (1865 – 1924). 1887 eröffnete das Paar in München das Fotoatelier Elvira- und erregten Aufsehen: Als unverheiratete, selbständige Frauen, die kurze Haare und Reformkleider trugen, in Künstlerkreisen verkehrten und lautstark den Zugang zu Bildung und Beruf für Frauen forderten. Mit ihrem Fotoatelier waren sie trotzdem erfolgreich: In ihrer Jugendstilvilla ließen sich Künstlerinnen und Künstler sowie Vertreterinnen und Vertreter der Hocharistokratie ablichten. Während Anita Augspurg zur internationalen Ikone des radikalen Feminismus wurde, konzentrierte sich Goudstikkers Wirken auf München. 1899 gehörte sie zu den Mitorganisatorinnen des 1. Bayerischen Frauentags in der bayerischen Hauptstadt.

Portrait Prinzessin Therese von Bayern – Friedrich August von Kaulbach, 1911  –  Alexander Lockett von Wittelsbach   – © Alexander Lockett von Wittelsbach | Foto: Foto-Studio Strauß – Prinzessin Therese von Bayern (1850-1925), einzige Tochter des Prinzregenten Luitpold, schlug für eine Frau aus dem Hochadel einen ungewöhnlichen Weg ein. Einer ihrer Herkunft gemäßen Ehe verweigerte sie sich zeitlebens erfolgreich. Stattdessen widmete sie ihr Leben den Wissenschaften. Das Portrait der Prinzessin war ein Geschenk von ihr für ihren Vater zu dessen 90. Geburtstag am 12. März 1911.

Die Geschwister der Kaiserin Elisabeth – Joseph Karl Stieler (1781-1858)  –  Studie zu einem Gemälde, 1854  – Privatbesitz Darmstadt  – © Mit freundlicher Genehmigung von Ketterer Kunst  –  König Ludwig I. schenkte seiner Nichte Elisabeth, im Familienkreis Sisi genannt, zur Hochzeit mit dem österreichischen Kaiser Franz Joseph ein Familienbild. Sie sollte ihre Geschwister auf diesem Weg mit nach Wien nehmen können. Als Studie für das monumentale Gemälde fertigte der Hofmaler Stieler diese Ölskizze. Abgebildet sind, v.l.n.r. Sophie Charlotte (Verlobte König Ludwigs II., verheiratete Herzogin von d’Alençon), Max Emanuel (militärische Laufbahn), Carl Theodor (Augenarzt und Gründer der Augenklinik Herzog Carl Theodor), Helene (verheiratete Fürstin von Thurn und Taxis), Ludwig Wilhelm (militärische Laufbahn), Mathilde (verheiratete Gräfin Trani) und Marie (Königin beider Sizilien).

Götterdämmerung II – Die letzten Monarchen – Bayerische Landesausstellung 2021 – Regensburg, Haus der Bayerischen Geschichte  –  23. Juni 2021 bis 16. Januar 2022

Weitere herausragende Biografien und Schicksale dieser bewegten Zeit um 1900 zeigt die Bayerische Landesausstellung 2021 “Götterdämmerung II – Die letzten Monarchen” vom 23. Juni 2021 bis 16. Januar 2022 im Haus der Bayerischen Geschichte in Regensburg.

Weitere Informationen zur Bayerischen Landesausstellung 2021 finden Sie unter www.hdbg.de/goetterdaemmerungII

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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