Kirche

Frasdorfer diskutieren über Kirchturmbeleuchtung

Anton Hötzelsperger
Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

„Es reicht, die spinnen doch“. Die Meinung auf der Frasdorfer Kirchengasse nach dem Sonntagsgottesdienst zum Abschalten der Beleuchtung des Frasdorfer Kirchturms um 23 Uhr bis in die frühen Morgenstunden ist klar und eindeutig. „Das ist unser Kirchturm, das ist unsere Kirche, das ist unser Dorf und wir leben hier. Da kommt irgend so ein Landfremder und erzählt etwas von Lichtverschmutzung in einem bayerischen Gesetzestext und alle kuschen wie die jungen Hunde. Da wird immer von Integration gesprochen, aber es gibt halt Leute, die wollen sich nicht integrieren lassen und machen den Einheimischen das Leben mit Kuhglockenverbot, Güllefahrverbot, Verbot des Glockenläutens, Hundegebell und Hahnenkrähen oder auch mit dem Abschalten der Kirchturmbeleuchtung schwer“.

Die Kirchgänger auf der Frasdorfer Kirchengasse sind sich einig, dass die Maßnahme und dieses Projekt „Paten der Nacht“, von dem man vorher noch nie gehört hatte, nicht so sehr den Insekten dienen soll – noch niemand hat im Sommer tote Bienen oder Mücken zu Füßen des Kirchturmes gefunden – sondern einzig und allein darum den Kirchturm und mit ihm die Kirche unsichtbar zu machen. „Wir wollen unsere Kirche und unsere Traditionen erhalten, der Kirchturm, den wir voller Stolz bei Tag und Nacht sichtbar machen, ist das äußere Zeichen dieses Wollens“.

Manuel Philipp, der Initiator des Projekts „Paten der Nacht“, hätte hier einen schweren Stand, denn die Frasdorfer Kirchgänger sind eindeutig gegen sein Projekt der „Earth Night“. „Wenn hier jemand über die Beleuchtung des Kirchturms entscheiden könnte, dann wären das wir ständigen Kirchenbesucher, aber uns hat keiner gefragt“.

Bürgermeister Daniel Mair erhält für sein Verhalten gegenüber dem Initiator der „Earth Night“ ausdrücklich Lob: „Ein Bürgermeister muss nicht über jedes Stöckchen springen, das man ihm hinhält. Wenn er jedes Mail beantworten wollte, käme er nicht zu seiner Arbeit für die Gemeinde Frasdorf. Das Thema wurde im Gemeinderat behandelt, der Beschluss des Gremiums gegen das Vorhaben war eindeutig, das muss auch ein „Pate der Nacht“ zur Kenntnis nehmen und akzeptieren“.

Das Bayerische Immissionsschutzgesetz sagt in seinem Artikel neun: „Nach 23 Uhr und bis zur Morgendämmerung ist es verboten, die Fassaden baulicher Anlagen der öffentlichen Hand zu beleuchten, soweit das nicht aus Gründen der öffentlichen Sicherheit erforderlich oder durch oder auf Grund Rechtsvorschrift vorgeschrieben ist“. Nun ist aber der Kirchturm keine bauliche Anlage der öffentlichen Hand, wie das Rathaus, die Schule oder die Kindergärten, sondern Eigentum der Kirche, mithin der Pfarrgemeinde St. Margaretha in Frasdorf.

Die Frasdorfer sind stolz auf ihren Kirchturm, er ist zwar nicht der höchste in der Region aber bei weitem der spitzigste und – neben Wilparting am Irschenberg – der Bekannteste an der Autobahn A8 südlich von München. Er ist eine wichtige Wegmarke für die vielen Lastwagenfahrer, die ihn täglich passieren. „Die bayerischen Kirchtürme sind für uns Fernfahrer bei Tag und Nacht das, was die Leuchttürme an der See für die Seefahrt sind. Auch in einer Zeit, da sich die meisten nur noch auf ihr Navi verlassen, nutzen wir diese Landmarken und freuen uns darauf, dass wir nur noch ein paar Kilometer nach München, Salzburg oder Innsbruck haben, wenn wir diesen nadelspitzen Kirchturm sehen“, so Fernfahrer Darius Birulis aus Litauen an der Frasdorfer Tankstelle. „Es ist gut bei Tag und Nacht diese „Leuchttürme im Binnenland“ zu haben, sie erleichtern uns das Fahren und die Orientierung. Wenn man das Licht der Kirchtürme abschaltet, dann müsste man konsequent nachts auch das Licht der Leuchttürme an der Nord- und Ostseeküste ausschalten“.

„Unmittelbar neben dem Kirchturm fahren auf der Autobahn jede Nacht Tausende von Autos in alle Richtungen, sie erhellen mit immer besseren Scheinwerfern die Nacht und beleuchten auch Straße, Straßenrand und Umgebung taghell, da redet niemand davon diesen Verkehr und das Licht beschränken oder vermindern zu wollen. Im Ortsinneren von Frasdorf ist die Hauptstraße hell erleuchtet – keine Beschränkung. Wegen der Verkehrssicherheit und aus Gründen der Verbrechensprävention sind auch die Nebenstraßen beleuchte – keine Beschränkung. In ein paar Wochen beginnt wieder die Weihnachtszeit mit ihren Beleuchtungsorgien an den Häusern und in den Vorgärten – keine Beschränkung“, ruhig zählen die erbosten Frasdorfer Kirchenbesucher die „Lichtverschmutzungen“ auf, die nach ihrer Ansicht reduziert werden könnten.

„Jedes Jahr jagen die Mauersegler nach den Mücken rund um den Kirchturm – es gibt anscheinend genug und die Imker des Ortes berichten auch über keine nennenswerten lichtbedingten Ausfälle in den Bienenhäusern wegen der Kirchturmbeleuchtung“.

„In Frasdorf ist die Beleuchtung des Kirchturms nicht separat geschaltet; sie ist mit der Straßenbeleuchtung gekoppelt und schaltet sich automatisch aus und ein“, erklärt Bürgermeister Daniel Mair. „Die Gemeinde ist für den Kirchturm nicht zuständig, kein Bürger wäre erbaut darüber, wenn wir ihm in sein Privateigentum pfuschen würden, die Pfarrgemeinde St. Margaretha natürlich auch nicht. In Frasdorf haben wir traditionell ein gutes Verhältnis zwischen Gemeinde und Kirche, wir werden uns über den weiteren Ablauf verständigen. Zurzeit wird der Kirchturm saniert und bietet kein so schönes Bild, bis zum Abschluss der Arbeiten bleibt das Licht aus; danach werden wir weiter sehen“.

Bericht und Fotos: Heinrich Rehberg – Frasdorfer Ortsansichen mit Kirchturm

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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