Land- & Forstwirtschaft

Frasdorfer Ausstellung: Bäuerliches Arbeiten früher

Anton Hötzelsperger
Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Die beiden Frasdorfer Museen sind nach langer Corona-Pause wieder geöffnet. Rupert Wörndl, der Vorsitzende des Heimat- und Kulturvereins Frasdorf hat – zusätzlich zu den Exponaten im Dorf- und im Höhlenmuseum – mit vielen alten Bildern aus dem reichen Fundus des Vereins eine kleine Bilderausstellung zum Thema „Bäuerliche Arbeiten zur Zeit unserer Großväter“ zusammengestellt. Heuernte, Ochsen und Kühe als Zugtiere, Viehwirtschaft, Düngebetrieb, Feldbau und alles rund um Haus und Hof zeigen diese Bilder. Es ist kaum glaubhaft, wie sehr sich das bäuerliche Leben in den letzten 100 Jahren verändert hat. Maschineneinsatz gab es nicht, alles musste mit Menschenkraft und mit der Kraft der Zugtiere getan werden. Auf großen Stelltafeln sind großformatige Bilder zum Leben in Frasdorf von der vorletzten Jahrhundertwende bis zum Eintreffen des ersten Bulldogs in den 50-er Jahren zusammengefasst. „Bilder, die die Menschen bei alltäglichen Arbeiten zeigen sind sehr selten; anscheinend haben sich die Leute geniert in der Arbeitskleidung bei alltäglichen Arbeiten fotografiert zu werden“, so Rupert Wörndl. „Fotoapparate waren selten und das dazugehörige Filmmaterial war so teuer, dass man es als Fotograf nur ungern für einen Schnappschuss mit einem Ochsenfuhrwerk, einem Bauern beim Dengeln oder einer Bäuerin am Spinnrad verschwendete. Die einheimische Bevölkerung hatte keinen Fotoapparat, fast alle frühen Fotografien aus der Region sind daher Atelieraufnahmen aus den Fotoateliers der Priener oder Rosenheimer Fotografen. So sind Fotografien von Männern, Frauen und Kindern im „guten Gewand“ recht häufig, zu allen Festen, wie Hochzeit, Kommunion oder Firmung, ließ man sich gerne ablichten, aber eben vorwiegend bei den Berufsfotografen. Erst die ersten Sommerfrischler und die KdF-Urlauber in den 30-er Jahren hatten handliche Fotoapparate, wie die Leica, mit dabei und waren nicht mehr auf Glasplatten als Filmmaterial angewiesen. Sie machten dann auch schon einmal Bilder aus dem Alltagsleben der Menschen im Chiemgau und übersandten ihren Gastgebern die Abzüge nach ihrer Rückkehr aus dem Urlaub als kleines Dankeschön und zur Erinnerung. Meist versahen sie sie auch noch mit einer Widmung, einem Aufnahmedatum oder den Namen der abgebildeten Personen. So können fast alle ausgestellten Bilder genau auf die einzelnen Höfe in der Gemeinde und auf die dargestellten Personen zugeordnet werden“.

Im Eingangsbereich erinnern mehrere Tafeln an die große Bauernehrung von 1937. Nach Rimsting (1935), Hittenkirchen, Mauerkirchen und Greimharting war Frasdorf der fünfte Ort in der Region, in dem diese Altbauernehrung durchgeführt wurde. 30 Frasdorfer Bauern erhielten damals eine große Ehrenurkunde, in der alle bisherigen Hofbesitzer mit ihren Lebensdaten eingetragen waren. Bedingung für diese Ehrung war, dass sich der Hof mindestens 200 Jahre im Familienbesitz befand. Am weitesten konnten die Bewohner des Hamberger-Hofes in Ruckerting ihre Vorfahren bis 1603 nachweisen, gefolgt vom Karl in Pfannstiel (1607) und vom Mitterbichler in Mitterbicht (1609)

Die Ausstellung im Alten Schulhaus ist in den kommenden Wochen unter Berücksichtigung der allgemeinen Corona-Maßnahmen zu besichtigen. Im August ist die Alte Schule an jedem Sonntag von 15 Uhr bis 18 Uhr geöffnet 29. November und 27. Dezember von 16 Uhr bis 18 Uhr. Nachdem wegen Corona immer nur 16 Personen im Museum sein dürfen, wurde im August die Öffnungszeit verlängert. Die zusätzliche Stunde von 15 bis 16 Uhr sollten vor allem Senioren nutzen.

Bericht und Fotos: Heinrich Rehberg – Repros: Rupert Wörndl, Heimat- und Kulturverein Frasdorf

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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