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Forderung: Präventionsprogramme für Pflegekräfte

Anton Hötzelsperger
Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Der Bayerische Heilbäder-Verband (BHV) hat die Gesetzlichen Krankenkassen aufgefordert, Pflegekräften mindestens einmal im Jahr Präventionsprogramme zu bezahlen. „Die Bemühungen der Bundesregierung, mehr Pflegekräfte zu gewinnen und den Beruf aufzuwerten, ist ein erster Schritt“, sagte der Vorsitzende des BHV Klaus Holetschek. „Doch wir dürfen nicht die vergessen, die seit Jahren in der Pflege tätig sind. Und hier sind die Krankenkassen gefordert.“

Pflegekräfte wünschen sich Präventionsprogramme mit Elementen wie Stressbewältigung, Rückenschule, Entspannungsübungen und psychologische Begleitung. Das zeigt die Zwischenbilanz des Projektes PFLEGEprevent.  Es ist ein Gemeinschaftsprojekt des BHV, des Bundesverbandes privater Anbieter sozialer Dienste (bpa) und des Lehrstuhls für Public Health und Versorgungsforschung (IBE) der Ludwig-Maximilians-Universität München. Die Bayerische Staatsregierung fördert das Projekt mit 200.000 Euro. Ziel ist ein eigenes Präventionsprogramm für Pflegekräfte.  Ein Pilotprogramm startete Anfang 2018 in Bad Reichenhall. 100 Prozent der bisher 132 befragten Teilnehmer waren damit sehr zufrieden. Drei Viertel der Teilnehmer betonten, die Entfernung von zuhause sei für sie wichtig gewesen,  um sich um ihre Gesundheit zu kümmern. Fast alle wünschten sich eine Wiederholung. Am hilfreichsten war das Seminar zur Stressbewältigung, das rund ein Drittel der Zeit einnimmt und einen Schwerpunkt der Präventionsmaßnahme darstellt. Themen wie Ziele und Werte, Stress und Beruf, Regenieren und Ändern oder Innere Antreiber fanden über 98 Prozent als gut bis sehr gut. Aber auch die Entspannungskomponenten wie Massagen und die Bewegungseinheiten mit Nordic Walking oder Rückenschule stießen auf sehr gute Bewertungen.

Inge Aschauer aus Bayerisch Gmain etwa ist seit 17 Jahre in der Pflege tätig. Zeitlicher Stress und körperliche Belastungen führten bei ihr zu Schlafstörungen und Rückenschmerzen. „Im vergangenen September habe ich mir die Schulter verrissen, als ich einem Demenzkranken auf die Beine helfen wollte. Das tut heute noch weh – auch eine Behandlung und drei Wochen Urlaub haben nichts geholfen.“ In Bad Reichenhall kam sie zur Ruhe, hatte Zeit für sich und ihre Gesundheit und für Gespräche mit Psychologen. „Ich wünsche mir, dass solche Programme von Krankenkassen auf Krankenschein verordnet werden können. Auf Dauer rechnet sich das doch, wenn man länger gesund im Beruf ist.“ Hildegard Klein aus Haar stand kurz vor dem Burnout. „Obwohl ich viel Sport gemacht habe, war ich nahe am Zusammenbruch. Ich konnte nicht mehr schlafen, hatte Konzentrationsstörungen. Ich habe aus dem Programm PFLEGEprevent. mitgenommen, dass wir auch für unsere Gesundheit sorgen dürfen. Wir haben das Recht, uns um uns selbst zu kümmern. Das ist ganz wichtig. Denn im Beruf überschreiten wir täglich Grenzen der Belastbarkeit.“ So würden 80 Prozent der Pflegekräfte in ihrem Umfeld Ja sagen, wenn es darum gehe, Bereitschaftsdienste zu übernehmen. „Sie stellen ihr eigenes Interesse immer hinten an. Wir müssen auch mal Nein sagen und eine Pause machen. Die Seminartage in Bad Reichenhall haben mich auf den richtigen Weg geführt. Ich wünsche mir sehr, dass das Programm PFLEGEprevent. Standard wird und von den Krankenkassen auch auf Krankenschein bezahlt wird.“

Fotos:

  • Wünschen sich Präventionsprogramme von den Krankenkassen: die Pflegekräfte Inge Aschauer (links) und Hildegard Klein
  • Porträt Klaus Holetschek, Vorsitzender des Bayerischen Heilbäder-Verbandes
  • Symbolbild Pflege, Copyright Bayerischer Heilbäder-Verband

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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