Natur & Umwelt

Flintsbach: Spaziergang in die Eiszeit

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Die Landschaft des Chiemgaus wurde von Gletschern geformt. Noch vor rund 10.000 Jahren flossen riesige Eisströme durch die Alpen. Das Eis füllte die Täler bis zu den Gipfeln aus, nur die Spitzen von Kranzhorn, Wildbarren und Heuberg ragten ein wenig aus dem gigantischen Eismeer heraus. Aus heutiger Sicht kaum noch vorstellbar – aber in Flintsbach  gibt es einen Ort, da wird diese Zeit wieder greifbar. Spaziergang zum Gletscherschliff.

Märzenbecher blühen auf den Wiesen, Vögel zwitschern vergnügt in den Bäumen und es ist schon angenehm warm an diesem Tag. Sich gedanklich auf die Eiszeit einzustimmen, wird damit nicht leichter.

Die Reste der Eiszeit liegen heute tief verborgen unter Felder, Wiesen und Geröll. Der bekannte Gletscherschliff in Flintsbach wurde während des Baus der Inntal-Autobahn in den späten 60er Jahren quasi zufällig freigelegt. Deshalb zählt er heute zu den am besten erhaltenen Spuren der quartären Vereisung am nördlichen Alpenrand. Im Jahr 2006 wurde der Flintsbacher Gletscherschliff in die Liste der 77 ausgezeichneten Nationalen Geotope aufgenommen und als Naturdenkmal ausgewiesen.

Der einfache Spaziergang führt über Forstwege. Dank Wegweiser ist das Ziel nicht zu verfehlen. Das Fenster in die Vergangenheit eröffnet sich durch ein rostiges, windschiefes Eisentor. Dahinter erhebt sich der Felshügel. Auf den ersten Blick nicht spektakulär. Die Faszination dieses Ortes stellt sich erst aus der Nähe betrachtet ein.

Es gibt weder Ecken noch Kanten. Nur an der obersten Stelle, zu der man über einen gesicherten Weg gelangt, wirkt das graue Gestein dann doch schon etwas verwittert und zerfurcht. Ansonsten ist alles wie glattpoliert.  Beim genaueren Hinsehen entdecke ich fein geschwungene Linien, Schrammen, Rinnen und Löcher – alles geformt von den Eisströmen, die sich einst mit unermesslicher Kraft ihren Weg bahnten. In meinen Gedanken höre ich das Eis knacken und knarren. Förmlich meine ich die Kälte zu spüren. Beim Berühren des glatten Gesteins kommt Ehrfurcht auf.

Unmittelbar hinter dem Naturdenkmal verläuft die Autobahn. Motorengeräusche bringen mich wieder zurück ins Hier und Jetzt. Meine Zeitreise ist zu Ende, aber beim Rückweg denke ich darüber nach, was für geologische Sensationen wohl noch unter den Wiesen und Feldern verborgen sind.

Bericht und Bilder: Karin Wunsam – Beitrag entstand in Kooperation mit dem Wendelstein Anzeiger – wwww.wendelstein-anzeiger.de

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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