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Firmungs-Erinnerungen von Prälat Josef Obermaier

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Firmungen in unserem alten Bistum Freising in früheren Zeiten – von Prälat Josef Obermaier:  Damals waren Firmungen in unserem Bistum Freising ohne Telefon und Auto rein organisatorisch eine große Leistung. Alle Jahre wurden zwar die Firmjugendlichen auf die Firmung vorbereitet, aber nicht alle Jahre fand dann in der Pfarrei oder im Dekanat eine geplante Firmung statt. Unsichere Zeiten, Krankheiten wie Cholera, Hungersnöte und Mißernten oder auch das Alter des Firmbischofs verhinderten oft die vorgesehenen Firmreisen. Darum wurden fast immer Erwachsene mit den Jugendlichen gefirmt um solche Jahreslücken aufzufüllen.

Ohne moderne Kommunikationsmittel (Telefon oder Handy gab es noch nicht) und ohne Auto und Eisenbahn war es nicht leicht, Termine für die Firmungen zu bestimmen und wahrzunehmen. Zudem waren die Firmtermine noch besetzt mit weiteren Kirchen-Terminen gerade in den größeren Firmorten, denn der Firmbischof musste den Firmtermin auch noch zu anderen Begegnungen nutzen. Der Firmbischof oder sein Weihbischof bereiste bei seiner Firmreise nur einen Teil seiner Diözese; er wohnte dabei in Dekanats-Pfarrhäusern, in Klöstern und Adelsschlössern, die auf der geplanten Firmroute lagen.  Alles musste organisiert werden ohne Telefon per „Post-Boten“ für das Begleit-Personal, für die Pferde, für die Kutschen und für den landüblichen Begleitschutz. Die Firmung war also ein nicht leichtes organisatorisches Unternehmen. Darum fanden die Firmungen in der Regel in größeren zeitlichen Abständen in verschiedenen Dekanaten statt – meist zusammen mit erwachsenen Firmlingen, die noch nicht gefirmt waren. Meist zu Fuß, zu Pferd oder auf Lastkarren kamen die Firmlingen und ihre Paten am Firmort an. Oft mussten sie am Ort einen oder zwei Tage warten.  Bei der Firmung war kein Familienmitglied der Firmlinge eingeladen. Dazu reichte der Platz in den Kirchen meist nicht aus. Auch ich wurde 1955 in Rosenheim gefirmt ohne Eltern und Familie; nur der Firmpate war natürlich dabei. Das Firmsakrament wurde damals so verstanden, dass der frisch-gefirmte Jugendliche diesen Tag ganz bewusst ohne Familie verbringen sollte. Daher kommt auch die Praxis des Firmausflugs, von dem der Volksmund manch nette Geschichten erzählt – zum Beispiel für die Buben die 1. Zigarre und die 1. Maß Bier! Nun erleben wir moderne Menschen, wie schwer es sein kann, einen Firmtermin zu finden. Wegen der Corona-Seuche werden die Firmungen laut Amtsblatt bis zum Ende der bayerischen Sommerferien verschoben. Hoffen wir, dass wir möglichst bald wieder das Fest des Heiligen Geistes mit unseren Jugendlichen und Firmbewerbern feiern können.

Prälat Josef Obermaier

Fotos: Rainer Nitzsche – Eindrücke von der Firmung auf dem Samerberg 2019 mit Abt Emmanuel Rutz, OSB von der Abtei Otmarsberg in Uznach in der Schweiz

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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