Kirche

Filialkirche Ebering erstrahlt im neuem Glanz

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

“Was lange währt, wird endlich gut”. Dieser Satz passt vortrefflich auf die Filialkirche Sankt Laurentius und Stephanus in Ebering, Holzlandgemeinde Steinkirchen zu, sagte die Verwaltungsleiterin Sandra Bachmeier bei der kürzlich stattgefundenen Kirchenführung. Die langjährigen Kirchen-Renovierungsarbeiten an dieser Eberinger Kirche gehen nun den Ende entgegen. Diese Renovierung hat eine beispielhaft lange Geschichte. Bereits in den 80er Jahren hat der damalige Pfarrer Josef Reindl in etlichen Briefen an das Erzbischöfliche Baureferat den destolaten Zustand der Kirche in Ebering angeprangert: “das Chordach der Eberinger Kirche ist an der Nordseite total eingebrochen. Die sofortige Reperatur ist angezeigt, da das Wasser ungehindert eindringen kann”. Zum undichten Dach kamen noch etliche Problemzonen hinzu. Die Feuchtigkeit war dabei der ärgste Feind. Trotzdem hat es noch viele Jahre gedauert, bis endlich richtig angepackt werden konnte. Das Ordinariat hat sich aufgrund der hohen Kostenschätzung von 780.000 Euro sehr lange geziert, die Maßnahme durchzuführen und durch das Warten explodierten die Kosten. Der Wendepunkt kam mit der Zusage des Landessamtes für Denkmalpflege, das vom Andreas Lenz, MdB angestoßen wurde, über den sogenannten Entschädigungsfonds einen Zuschuss in Höhe von 200.000 Euro zu bewilligen mit der Bedingung , dass die Arbeiten nicht länger hinausgezögert werden. Weitere Zuschusszusagen vom Bezirk Oberbayern, der Bayerischen Landesstiftung, der Holzlandgemeinde Steinkirchen und vom Landratsamt Erding folgten und im Jahr 2016 konnte endlich mit der Gesamtrenovierung begonnen werden. Seit 2016 wurde in der Filialkirche Ebering Sankt Laurentius und Stephanus in der Pfarrei Steinkirchen im Holzland, Landkreis Erding fleißig gearbeitet. Eines der ältesten Gebäude der Gegend mit einer der ältesten Emporen des gesamten süddeutschen Raumes wird aufwändig renoviert und restauriert und damit der Nachwelt erhalten. Die 700-jährige Geschichte des Gotteshauses kann man am Gebäude und an der Innenausstattung ablesen. Dieses Juwel im Erdinger Holzland schlummerte lange im Dornröschenschlaf. Erst mit der Renovierung rückte die Bedeutung dieses Bauwerkes wieder in den Focus der Experten. Das Ordinariat, das Landesamt für Denkmalpflege, die Kirchengemeinde und auch die politische Gemeinde Steinkirchen sind ganz besonders stolz auf dieses Kleinod. Aktuell erhalten Altäre, Skulpturen und Kanzel der kleinen Filialkirche in Ebering nun ihren ihren letzten Schliff. Der im Wesentlichen aus der Zeit um 1300 stammende Backsteinbau ist eines der ältesten erhaltenen Gebäude der Gegend. In ihrem Inneren birgt sie eine Ausstattung, an der – wie auch am Baukörper – die bis in die frühe Gotik zurückreichende Geschichte ablesbar geblieben ist. Auch dank ihres um 1680 gefertigten Hochaltars, den ins 18. Jahrhundert datierten Seitenaltären, der Kanzel aus dem 17. Jahrhundert und weiteren Einzelskulpturen und Gemälden aus unterschiedlichen Epochen – die älteste davon die an der Nordwand stehende Skulptur des Hl. Laurentius von 1450/60 – stellt die Kirche ein seltenes historisches, religionsgeschichtliches, kunsthistorisches, kunsttechnologisches und volkskundliches Zeugnis dar. Erst vor wenigen Wochen wurde die imposante Eingangstüre aus dem 16. Jahrhundert mit den eindrucksvollen Alterungsspuren der überstandenen Jahre wieder eingesetzt und das alte Kirchentürschloss wieder gangbar gemacht, ebenfalls ein Schritt auf dem Weg der Sanierung, Konservierung und Restaurierung der Kirche und ihrer Ausstattung. Dieser begann 2010 mit einer ersten Bestandsaufnahme von Gebäude und Ausstattung. Inzwischen sind Gebäudesanierung und Konservierung/Restaurierung der Fassaden und der Rauminnenflächen weitgehend abgeschlossen. Durch Dachschäden eingedrungene Nässe, Kondensfeuchte, Klimaschwankungen und Holzschädlinge hatten auch der Ausstattung stark zugesetzt. Holz und Farbschichten zeigten immense Schäden und besonders die Farbschichten auf den Altären waren zu Beginn der Gesamtmaßnahme akut gefährdet. Die Behandlung der Altäre, Kanzel und Skulpturen erfolgte in drei Phasen: nach einer ersten Sicherung und einer Begasung des Kirchenraumes gegen Holzschädlinge 2017 wurden in der zweiten Phase 2019-2020 Holz, Farb- und Goldschichten der Altäre und Skulpturen umfassend gefestigt und gereinigt. Seit Sommer 2020 war die letzte Phase im Gange – die zurückhaltende Restaurierung: Neben einer letzten Reinigung und Festigung der Farbschichten wurden zunächst die stark verbräunten Überzüge früherer Restaurierungen reduziert, fehlende Teilstücke bildhauerisch ergänzt und sehr tiefe Holz- und Farbfehlstellen gekittet. Mit der Retusche von optischen Störungen erfolgt derzeit der letzte Schritt der Arbeiten. Dabei werden nicht die zahlreichen Ausbrüche der Farb- und Goldschichten bis auf das Holz geschlossen. In den vergangenen Jahrhunderten sind etwa zehn Prozent der Farb- und Goldschichten verloren gegangen. Die erhaltenen Flächen sind deutlich gealtert. Daher ist es nicht das Ziel dieser letzten Maßnahme die Oberflächen ‚in neuem Glanz erstrahlen zu lassen’ und damit einen Zustand vorzugaukeln der im Anbetracht der langen Geschichte der Objekte völlig unlogisch wäre. Der gealterte Zustand wird durch die behutsame Retusche der Oberflächen gewürdigt und trotzdem ein gepflegtes Erscheinungsbild hergestellt. Das Belassen der zahlreichen Fehlstellen ist daher nicht als Mangel an finanziellem Einsatz zu sehen. Es ist vielmehr Teil des Gesamtkon-zeptes der Maßnahme, die durch die Würdigung des gealterten Zustandes, den hohen historischen Wert des Bestandes ehrt. Heute ist es innen und außen ein wahres Schmuckstück mit sehr langer und interessanter Historie geworden. Die Liste der ausgeführten Arbeiten ist lang. Von der nördlichen Friedhofsmauer über die Außenbeleuchtung zur Außenfassade und über das Dach reichten die Arbeiten rund um das Kirchengebäude. Innen sorgt jetzt eine Belüftungsanlage für das richtige Klima damit die ertüchtigte Empore, die frisch renovierte Raumschale und Ausstattung lange im guten Zustand bleiben können. Das Gestühl und der Sakristeischrank wurden restauriert, ein Stromanschluss verlegt und passende Beleuchtung installiert. Jetzt lädt die Kirche wieder zu Gottesdiensten und weiteren Veranstaltungen ein. Wie Bachmeier betonte. “Wir freuen uns schon sehr darauf, auch wenn die Einweihungsfeier aufgrund der aktuellen Situation sicher, nicht so stattfinden kann, wie wir uns das Alle wünschen würden. Dennoch habe man die Hoffnung , das der Pfarrverband Holzland in der nahen Zukunft die Eröffnung der Eberinger Kirche zusammen feiern können”.

Text und Bilder:  Hans Kronseder

-3920 Die Außenansicht der Eberinger Kirche zusammen mit dem ebenfalls sanierten Kirchturm

-6299 Die an der Eingangsseite vorhandene Sonnenuhr zwischen den beiden Kirchenfenstern muss noch restauriert werden

-6304 Die schöne uralte Kirchentür wurde ebenfalls restauriert und zusammen mit dem Kirchentürschloss wieder gangbar gemacht

-6313 Hier wurden die restaurierten Votivbildtafeln begutarchtet „Votivtafeln stehen sowohl was ihr äußeres Erscheinungsbild als auch was den dargestellten Inhalt mit den geistigen Hintergrund”

von links nach rechts: Sandra Bachmeier, Verwaltungsleiterin  Isi Wegmann, Mitglied der Kirchenverwaltung zusammen mit Walter Höcketstaller, Mesner

-6383/6383 Die Eberinger Filialkirche St.Laurentius und Stephanus erstrahlt wieder im neuem Glanz. Der gesamte Innenbereich zusammen mit dem Hochaltar und den beiden Seitenaltären wurden saniert

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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