Leitartikel

Neu: Atzinger Jugendfeuerwehr – Interview

Anton Hötzelsperger
Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Bei der heurigen Mitgliederversammlung der Feuerwehr Atzing wurde im Beisein von Kreisbrandrat Richard Schrank und Priens Kommandant Samuel Witt die Gründung einer Jugendfeuerwehr bekanntgegeben. Geleitet wird diese nach Entscheidung der Vorstandschaft und der Kommandanten von Anna Boggusch aus Siggenham und Georg Müller aus Atzing. Mit Anna Boggusch trafen wir uns am Atzinger Feuerwehr- und Vereinshaus und konnten ihr einige Fragen stellen:

Frage: Liebe Anna, von wem, wann und wie kam die Idee, die derzeit 49 Aktiven der Feuerwehr Atzing mit einer eigenen Nachwuchsgruppe zu ergänzen?

Antwort: Die Idee, eine Jugendfeuerwehr zu gründen, kam eigentlich gar nicht von einer einzelnen Person, sondern vielmehr aus der Gruppe heraus. Wir waren eine der wenigen Feuerwehren im Landkreis Rosenheim, die noch keine eigene Jugendfeuerwehr hatte. Um auch die jugendlichen Nachwuchskräfte in der Atzinger Feuerwehr zu fördern und den schweren Nachwuchssorgen entgegen zu wirken, fand im Oktober 2019 ein erstes Treffen mit einer kleineren Gruppe der Feuerwehr Atzing bezüglich der Überlegung zu einer Jugendfeuerwehr statt.

Um zu sehen, wie viel Interesse die Jugendlichen am Dienst in der Feuerwehr haben, wurde ein Schnupper- und Aktionstag geplant. „Wie sieht wohl der Alltag einer Freiwilligen Feuerwehr aus?“ Die Antwort auf genau diese Frage erhielten die Jugendlichen aus Atzing und Umgebung bei unserem Schnuppertag am Samstag, den 16. November 2019. Verschiedene Stationen wie Atemschutz, Höhenrettung und Feuer-Kontakt waren im Programm für diesen Tag der Begegnungen und Erfahrungen. Das Löschen mit einer Kübelspritze, mit einem Feuerlöscher oder mit einer Spritzwand waren ebenso lehrreich. Das Highlight des Nachmittags waren ein Fett- und Palettenbrand, die durch eine Einsatzsimulation der Feuerwehr Atzing gelöscht wurden. Der Nachmittag klang bei einer gemütlichen Brotzeit im Florianstüberl aus.
Die Aktion war ein erstmaliger Versuch und dieser gelang. Denn das Interesse war so groß, dass sich die Gründung einer eigenen Jugendfeuerwehr zu Jahresbeginn ergab.

Frage: Ab welchem Lebensjahr kann man sich der Jugendfeuerwehr anschließen und gilt das für Buam und Dirndl gleichermaßen?

Antwort: Egal, ob Dirndl oder Buam, wer mindestens 12 Jahre alt ist und in Atzing und Umgebung wohnt, kann unserer Jugendfeuerwehr beitreten.
Bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres leistet man in der Jugendfeuerwehr als Feuerwehranwärter seinen Feuerwehrdienst. Bis zur Vollendung des 16. Lebensjahres dürfen die Jugendlichen nur an den Ausbildungsveranstaltungen und ab 16 Jahren bei Einsätzen zu Hilfeleistungen außerhalb der unmittelbaren Gefahrenzone teilnehmen.

Frage: Wieviele Mitglieder hat die Jugendfeuerwehr Atzing bislang?

Antwort: Die Jugendfeuerwehr Atzing kann momentan (Stand März 2020) über sieben aktive Mitglieder im Alter zwischen 12 und 14 Jahren berichten. Darunter sind drei Dirndl und vier Buam.

Frage: Was sind die Ziele der Jugendfeuerwehr?

Antwort: Ein wichtiges Anliegen der Jugendfeuerwehr ist es, Kinder und Jugendliche an die Aufgaben einer Feuerwehr heranzuführen und für den Einsatz in der aktiven Wehr vorzubereiten, sodass sie nach Erfüllung der rechtlichen Voraussetzungen bei entsprechendem Alter und Qualifikation in der Einsatzabteilung der Freiwilligen Feuerwehr eingesetzt werden können.
Die/der angehende Feuerwehrfrau bzw. -mann durchläuft zu Beginn die sogenannte „Truppmannausbildung“ (entspricht einer Grundausbildung), wobei die in der Jugendfeuerwehr erlernten grundlegenden Tätigkeiten, wie Fahrzeugkunde, Brandlehre und -bekämpfung vertieft und geprüft werden.
Eine Jugendfeuerwehr stellt insbesondere die größte Nachwuchsquelle an Einsatzkräften dar und sichert somit die Zukunft unserer Feuerwehren.

Frage: Du warst die erste Feuerwehrfrau bei der FFW Atzing, wie sieht es bei der Jugendfeuerwehr mit weiblichem Nachwuchs aus?

Antwort: Tatsächlich ja, ich wurde im Sommer 2017 als erste Feuerwehrfrau bei der Atzinger Feuerwehr aufgenommen, worauf ich auch heute noch unheimlich stolz bin. Ich bekomme oft die Frage gestellt, ob mir das denn gar nichts ausmache, als Frau in einer Männerdomäne. Nein, ganz im Gegenteil, ich gehöre zum Team genau wie alle anderen auch und packe auch genauso mit an.
Meine Motivation für die Feuerwehr ist es, Menschen in Not zu helfen und sich gesellschaftlich zu engagieren, um Gutes zu tun. Als Mitglied einer freiwilligen Feuerwehr lernt man Verantwortung zu übernehmen und erfüllt eine Art Vorbildfunktion. Aber auch der Umgang mit moderner Technik und nicht zu vergessen die gelebte Kameradschaft bereiten mir sehr viel Freude.
Retten, Löschen, Bergen, Schützen. Kurz gefasst sind das die Aufgaben einer freiwilligen Feuerwehr. Bei den vielfältigen Aufgabenfeldern von der Brandbekämpfung bis zur technischen Hilfeleistung sind überall Einsatzmöglichkeiten – auch für Frauen.
Auch in der Jugendfeuerwehr haben wir bereits drei Dirndl dabei, was mich persönlich natürlich sehr freut.
Es muss einfach passen, egal ob Mann oder Frau. Man sollte nicht zimperlich sein, sondern auch mal anpacken können! Das hat aber nicht immer etwas mit dem Bizepsumfang zu tun, sondern auch mit innerer Stärke.
Was ich allen Frauen und Mädels gerne mit auf den Weg geben möchte: Wenn Euch der Dienst bei der Feuerwehr gefällt, dann meldet Euch bei eurer örtlichen Feuerwehr. Denn Frauen können alles werden – auch Feuerwehrfrau. Traut euch!

Frage: Was haben die neuen Jugendfeuerwehr-Mitglieder bereits bislang gelernt und was steht ihnen noch bevor?

Antwort: Momentan stehen wir noch ganz am Anfang mit der Jugendfeuerwehr. Die Ausbildung enthält das Erlernen von Grundtätigkeiten im Feuerwehrdienst, sowie die Übung von Geschicklichkeit, Beweglichkeit und Allgemeinwissen. Die erste Übung der Jugendfeuerwehr wurde mit der allgemeinen UVV (Unfallverhütungsvorschriften) begonnen. Der Feuerwehrdienst enthält viele gefahrvolle Aufgaben, weshalb eine Sicherheitsunterweisung zur Lehre der Persönlichen Schutzausrüstung und Unfallverhütung bei praktischen Übungen unumgänglich ist.

Weiterhin folgten Übungen der Fahrzeug- und Gerätekunde, Handhabung von Funkgeräten, sowie die Überprüfung der örtlichen Wasserversorgung. Für die künftigen Übungen sind die Handhabung der Beleuchtungs- und Warngeräte, Unfall Erstversorgung, Technische Hilfeleistung und Löschaufbau bzw. -angriff in Theorie und Praxis geplant.

Schon von Anfang an stand die feuerwehrtechnische Ausbildung der Jugendlichen im Vordergrund. Die Verantwortlichen verfolgten allerdings ebenso andere wichtige Ziele. Dazu gehören unter anderem die Pflege des Verantwortungsbewusstseins und der Kameradschaft, die Förderung des sozialen Engagements und die Gestaltung der Freizeit durch Gruppenarbeit und interessante freizeitliche Aktivitäten. Für die Zukunft sind natürlich auch die Teilnahme an Wissenstests, Jugendleistungsabzeichen und weiteren Wettbewerben geplant. Die Jugendfeuerwehr Atzing hält ihre Übungen im 14-tägigen Rhythmus ab.

Frage: Eine zentrale Motivation für den Feuerwehrdienst ist, zu helfen. Was bedeutet dies für Übungen und Einsatzbereitschaften in der aktuellen Corona-Krise?

Antwort: Das Coronavirus beschäftigt natürlich auch die Einsatzkräfte der Feuerwehren stark. Daher ist es empfehlenswert, Maßnahmen zu ergreifen, die verhindern, dass große Gruppen von Einsatzkräften unter Quarantäne gestellt werden müssen. Der Ausbildungs- und Übungsbetrieb der Feuerwehr (inkl. Jugendfeuerwehr) wurde bis auf Weiteres eingestellt, um die Gesundheit der Jugendlichen und Feuerwehrdienstleistenden zu schützen. Als oberstes Ziel gilt dennoch, die Einsatzbereitschaft und Dienstfähigkeit der Feuerwehren aufrecht erhalten zu können.
Folgende Empfehlungen gelten für Einsätze der Feuerwehren: Verwendung von Infektionsschutzhandschuhen, ggf. Verwendung von partikelfiltrierenden Atemschutzmasken (FFP2 oder höhere Qualität) für die Einsatzkräfte, Mund- und Nasenschutz für die Fremdperson, Tragen der Schutzkleidung in vollständigem und geschlossenen Zustand, Händehygiene und Hustenetikette einhalten, korrekte Reinigung der Schutzkleidung und Flächendesinfektion der Gerätschaften und der Mannschaftskabine.
Personen, die Husten, Kratzen im Hals, Fieber oder weitere Infektionszeichen aufweisen, dürfen nicht am Einsatz teilnehmen. Dies gilt ebenfalls für Personen mit einem gesicherten COVID-19 Fall, Kontakt zu einem COVID-19 Fall und für Personen mit Aufenthalt in einem Risikogebiet (in den letzten 14 Tagen).
Wir sind für Euch da – bleibt Ihr für uns zu Hause.

Frage: Was wünscht Du Dir persönlich für die Jugendfeuerwehr von Atzing?

Antwort: Die Arbeit mit den Jugendlichen bereitet mir unglaublich viel Spaß. Dass die Jugendlichen jetzt schon Verantwortung übernehmen und lernen wollen, anderen Menschen zu helfen, finde ich toll. Für die Zukunft wünsche ich mir, dass die Jugendlichen weiterhin mit so viel Ehrgeiz, Motivation und Einsatzbereitschaft dabei sind. Wer sich für die Jugendfeuerwehr interessiert, darf gerne jederzeit vorbeischauen. Für Fragen stehen wir unter post@feuerwehr-atzing.de zur Verfügung. Wir freuen uns immer über neue, interessierte Jugendliche!

Liebe Anna, vielen Dank für das Gespräch und weiterhin Dir, der Jugendfeuerwehr und der gesamten Aktivenmannschaft viel Freude, Kameradschaft und Zusammenhalt zum Wohle der Bevölkerung.

Gespräch: Toni Hötzelsperger

Foto: Rainer Nitzsche – Anna Boggusch, erste Atzinger Feuerwehrfrau bei einer Übung

Fotos: Hötzelsperger – Eindrücke vom ersten Schnupper- und Aktionstag sowie Anna Boggusch und Georg Müller als Leiter der Atzinger Jugendfeuerwehr

 

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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