Landwirtschaft

Fachberatung für Fischerei des Bezirks Oberbayern informiert

Anton Hötzelsperger
Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Bereits seit 2016 arbeitet die Fachberatung für Fischerei des Bezirks Oberbayern gemeinsam mit Projektpartnern an der Studie „Nitroflex“. Sie soll klären, wie sich das Verhältnis von Stickstoff und Phosphor in den oberbayerischen Seen auf das Wachstum von Renken auswirkt. Ende 2019 wurde die Laufzeit des Projekts bis 2022 verlängert – Gelegenheit, es hier vorzustellen.

Im Mittelpunkt der mehrjährigen Untersuchung steht einer der typischsten und wohlschmeckendsten Fische der oberbayerischen Seen, die Renke. Sie gilt als „Brotfisch“ der hiesigen Berufsfischer. Seit Jahren jedoch haben diese weniger Renken im Netz, und die Fische sind auch kleiner. Ist der Klimawandel schuld, die gute Wasserqualität der Seen oder aber das gestörte Stickstoff-Phosphor-Verhältnis, wie einige Experten vermuten? Letzteres wurde in Modellversuchen und Laborexperimenten bereits nachgewiesen. Man weiß, dass sich eine Verschiebung im Verhältnis der beiden Stoffe über die Nahrung auch auf die Fischpopulation und deren Wachstum auswirkt. Die genauen Zusammenhänge sollen jetzt Daten aus Freilandversuchen klären, die bislang fehlten.

Elf Seen untersucht

Die Initiative für die Studie ging von der Fischereifachberatung des Bezirks Oberbayern und der Fischereigenossenschaft Chiemsee aus, Kooperationspartner sind die Abteilung Aquatische Ökologie der Ludwig-Maximilians-Universität München und das Institut für Fischerei an der Landesanstalt für Landwirtschaft. Das Umwelt- und das Landwirtschaftsministerium geben zu gleichen Teilen Fördermittel. Untersucht wird neben dem Seewasser und den Renken auch das Plankton. Das sind alle Organismen, die frei im Wasser schweben. Um ausreichend Vergleichsmaterial zu erhalten, finden die Untersuchungen an elf Seen statt: Die Fischereifachberatung des Bezirks entnimmt Proben vom Chiemsee, Ammersee, Tegernsee, Simssee, Walchensee, Königssee, Staffelsee und vom Seeoner Klostersee. Der Starnberger See, der Riegsee und der Bodensee werden vom Institut für Fischerei untersucht.

16:1 – alles im grünen Bereich

In den Seen verändert der mengenmäßige Anstieg von Stickstoff im Verhältnis zu Phosphor und Wasser die Nährstoffzusammensetzung. Über Jahrtausende hinweg hat sich für Stickstoff und Phosphor die Relation 16:1 eingespielt. Das heißt: Auf 16 Teile Stickstoff kommt ein Teil Phosphor. In den letzten hundert Jahren hat sich dieses natürliche Verhältnis durch menschlichen Einfluss jedoch stark verändert, teilweise mit Werten bis zu 200:1. Verantwortlich dafür sind vor allem Düngemittel, die in die Gewässer gelangen, sowie Stickstoffeinträge über die Luft durch Industrie und Verkehr. Die Veränderung der Nährstoffzusammensetzung eines Sees wirkt sich auf das komplette Nahrungsnetz aus. Der Begriff wird heute für „Nahrungskette“ verwendet, weil er die Verhältnisse in realen Öko­systemen besser beschreibt.

Um für die Studie Daten zu gewinnen, sind viele praktische Arbeiten erforderlich. Jeweils im Frühjahr und Herbst werden Renken aus den Seen geholt, gemessen, gewogen und anhand der Schuppen ihr Alter bestimmt. Einige von ihnen wandern in ein Speziallabor, in dem Fettsäuremuster erstellt werden. Auch der Mageninhalt wird analysiert. Renken ernähren sich von tierischem Plankton wie Wasserflöhen und Hüpferlingen. Es zeigt sich aber, dass in den Seen weniger davon enthalten ist und sich zudem die Qualität dieser wichtigen Biomasse verändert hat. So kommen beispielsweise Daphnien nicht mehr so oft vor – winzige Krebstiere, die normalerweise auf dem Speiseplan der Fische ganz oben stehen. Das ist eine der Folgen des geänderten Stickstoff-Phosphor-Verhältnisses im Seewasser. Zuerst betroffen ist immer die Algengemeinschaft, das pflanzliche Plankton. Gibt es davon weniger, reduziert sich auch das tierische Plankton und den Renken steht weniger Nahrung zur Verfügung.

Spitzenreiter Seeoner See

Die bisherigen Untersuchungen haben auch gezeigt, dass der Zustand an den jeweiligen Seen sehr unterschiedlich ist. Am besten wachsen die Renken im Seeoner See, wo es ein ausgewogenes Stickstoff-Phosphor-Verhältnis und viel tierisches Plankton gibt. Auch der Chiemsee steht vergleichsweise gut da, während es am Starnberger und am Tegernsee hohe Stickstoffwerte und wenig Phosphor gibt. Bevor man gezielt gegensteuern kann, müsse der Prozess erst genau verstanden werden, so Fischereifachberater Dr. Bernhard Gum. Ihm ist es – im Verbund mit den Forschungspartnern – ein Anliegen, auf das Projekt und die ansteigenden Stickstoff­einträge in die Gewässer aufmerksam zu machen. Deshalb wurden im Herbst 2019 die oberbayerischen Fischer und Fischerinnen ins Kultur- und Bildungszentrum Kloster Seeon eingeladen, wo die ersten Ergebnisse vorgestellt und diskutiert wurden. (ks)

Holen Renken: Peter Voll von der Fischereifachberatung des Bezirks Oberbayern (vorn) und Fischermeister Thomas Amort

Bericht und Fotos: Bezirk Oberbayern

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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