Kirche

Erzbischof würdigt Jesuiten in der Innenstadtkirche St. Michael

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Kardinal Reinhard Marx hat am Morgen des zweiten Adventssonntags die „Entdeckung des Subjekts“ im 16. Jahrhundert in den Mittelpunkt seiner Predigt gestellt, die er anlässlich des 100. Jahrestags der Rückkehr der Jesuiten in die Kirche St. Michael in der Münchner Innenstadt gehalten hat. „Im Herzen des Menschen“ werde „die entscheidende Schlacht geschlagen“, so der Erzbischof von München und Freising, „wohin es gehen soll, was ich erkenne, was mein Ziel ist, wohin ich mich ausrichte und was mein Beitrag ist für das große Projekt Gottes, das er mit der Welt, in der der Menschwerdung seines Sohnes aufgenommen hat.“

Die Kirche St. Michael sei dafür gebaut, „damit die Jesuiten hier arbeiten für das Heil aller Menschen, für die Hoffnung für alle Menschen“. Um die Spiritualität der Jesuiten, die hier ihren Platz habe, zu verstehen, müsse vom „geistlichen Weg der Erkenntnis, dass Jesus wirklich mich selber meint und dass ich mich entscheiden kann“ ausgegangen werden. „Wo ist mein Platz, wo will ich sein, wo gehöre ich hin? Das kann ich nicht delegieren an Instanzen und Institutionen“, so Marx. Bezugnehmend auf eine Meditation im Exerzitienbuch des Heiligen Ignatius von Loyola, Gründer der Jesuiten, führte Marx aus, dass „wir auf einen Gott schauen, der grundsätzlich das Heil aller Menschen will“ und der sich aufmache, „die Welt zu retten, nicht zu richten, nicht zu verderben, nicht anzuklagen, sondern zu retten“.

Zentrum und entscheidender Ausgangspunkt des christlichen Glaubens sei die Selbstmitteilung Gottes in Jesus von Nazareth für alle Menschen. In St. Michael werde dieser nachgegangen in den Predigten, Gottesdiensten und Gesprächen im Beichtstuhl. Marx würdigte die Arbeit des Jesuitenordens in der Münchner Innenstadt weiter: Die Jesuiten hälfen „mit ihrer großen geistlichen und theologischen Tradition“ mit, „dass Menschen ihren je eigenen Weg finden und dabei getröstet und aufgerichtet werden“. Marx sprach über den Gedanken der Arbeit am Reich Gottes in dieser Welt: „Wenn wir auf den kommenden Christus schauen, dann sind die Fragen der Gerechtigkeit nicht gleichgültig, die Frage der Teilhabe aller, die Option für die Armen, das Denken vom Rand her, von den Peripherien her, wie es Franziskus, der Papst, jetzt sagt.“ Papst Franziskus ist der erste Jesuit auf dem Stuhl Petri. „Wie können wir vom Kommen Christi reden, wenn wir jetzt die Hände in den Schoss legen und nichts tun für die Würde des Menschen, für die Teilhabe der Armen, Zeichen setzen für die neue Schöpfung, für die neue Welt? Der Heilige Vater tut das in großartiger Weise“, so Marx.

Die Gesellschaft Jesu (Jesuiten) wurde in der ersten Hälfte des 16. Jahrhundert von Ignatius von Loyola gegründet und war seit 1591 in München ansässig. St. Michael wurde 1597 geweiht und den Jesuiten übergeben. Mit der Aufhebung des Ordens 1773 fiel die Kirche zurück an den Stifter, zunächst den Kurfürsten, dann den König von Bayern. St. Michael wurde Hof- und Garnisonskirche. Nach dem Ende der Monarchie 1918 folgten wechselvolle Stationen als Kirche des Malteserordens und verschiedener Bruderschaften. Seit 1917 war die Gesellschaft Jesu nach der Aufhebung des während des Kulturkampfes erlassenen Jesuitengesetzes wieder im Deutschen Reich zugelassen. Bereits seit 1903 waren einige Patres in München tätig. Kardinal Michael von Faulhaber setzte sich dafür ein, dass die Jesuiten nach St. Michael zurückkehrten und übergab die Kirche am 4. Dezember 1921 wieder an sie. (glx)

Bericht: Erzbischöfliches Ordinariat

Foto: Rainer Nitzsche – Blick in die Innenstadtkirche St. Michael (anl. eines Konzertes mit Hans Berger und seinem Ensemble)

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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