Kirche

Erstmals in Wildenwart: Frauentragen im Advent

Anton Hötzelsperger
Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Die Adventzeit ist eine Zeit des Aufbruchs in Richtung Weihnachten, dem hohen Kirchenfest mit der Geburt von Jesus Christus. In einigen Pfarr- und Kirchengemeinden gibt es für diese vorweihnachtliche Zeit den Brauch des Frauentragens. Dabei steht die schwangere Maria und spätere Mutter Gottes im Mittelpunkt. Sie und ihr Mann Josef werden in alter Tradition als Figuren in den Adventswochen von Haus zu Haus getragen, um in verschiedenen Haushalten bzw. Familien- und Nachbarschafts-Gemeinschaften zum gemeinsamen Gebet und zum Gesang einzuladen. Heuer erstmals in Wildenwart.

Die Adventszeit als Zeit des Aufbruchs und Wanderns erinnert an die Zeit vor über 2.000 Jahren als Maria auf einem beschwerlichen Weg unterwegs war, um ihrer Cousine Elisabeth von ihrer Schwangerschaft zu berichten. Später machte sie sich mit ihrem Verlobten Josef auf nach Bethlehem. Daraus entstand der Brauch des Frauentragens, der erstmals in der Kuratie „Christkönig“ von Wildenwart aufleben soll. Von Haus zu Haus wird die Figur der schwangeren Maria mit ihrem Mann Josef und mit dem Esel getragen, um dort einen schönen Platz zu erhalten und um Gelegenheit zu bieten, sich in einer gläubigen Hausgemeinschaft ganz bewusst auf das bevorstehende Weihnachtsfest einzulassen und einzustimmen. Die Leute können beten, musizieren und singen, das Figuren-Ensemble bleibt jeweils eine Nacht und wird am Abend des nächsten Tages zur nächsten Gastfamilie gebracht. Ab sofort hängt im Vorraum der Pfarrkirche „Christkönig“ von Wildenwart eine Liste aus, wo sich Alleinstehende, Ehepaare, Familien und Gemeinschaften eintragen können. Diese Liste wird dann mit auf den Weg gehen, so dass die Gastgeber auf leichte Weise Kontakt mit den nächsten Gastgebern aufnehmen können. Nähere Informationen zum Ablauf geben die Pfarrgemeinderats-Mitglieder Maria Bohrer in Wildenwart, Telefon 08051-5518 und Rosi Hötzelsperger in Prutdorf, Telefon 08051-3604.

Dass die Wildenwarter zu Ehren eines Frauentragens kamen, war einem glücklichen Umstand zu verdanken. Aus einem Kloster wurde ein ganz altes Figuren-Ensemble, das herrichtungs-bedürftig war, zur Verfügung gestellt (damals und dort wurde das Frauentragen von Klosterzelle zu Klosterzelle praktiziert). Diesem Unikat nahmen sich die Wildenwarter Pfarrgremien an und sie entschieden, den Brauch aufleben und das Paar Maria und Josef   herrichten zu lassen. Klara Schlosser aus Prien-Stetten übernahm die feine Ausstattung mit schönem Gewand, Susi Rupp aus Prutdorf übernahm die malerische Gestaltung des Hintergrundbildes und Sepp Fischer aus Pfifferloh sorgte dafür, dass der Kasten, in dem sich die schwangere Maria mit Josef und Esel befindet, wieder gescheit zusammengebaut wurde. In einer kleinen Broschüre, die die Wildenwarter zur Information für den neuen Brauch des Frauentragens zusammengestellt haben, heißt es unter anderem: „Marias Leben lief nicht in geordneten Bahnen. Daraus schöpfen Frauen, aber auch jeder Einzelne Trost und Hoffnung. In Maria finden wir eine Vertraute, eine Mutter, eine Freundin, der wir unsere Bitten, unsere Trauer, unsere Enttäuschungen, unsere Hoffnungen und auch unsere Freuden anvertrauen können“.    

Fotos: Hötzelsperger – Das Figuren-Ensemble mit der schwangeren Maria in einem schönen Kasten, so wie es in Wildenwart im Advent von Haus zu Haus kommen wird.

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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