Gastronomie & Wirtschaft Grüne Woche Berlin

Eröffnungsfeier der Grünen Woche Berlin im CityCube

Anton Hötzelsperger
Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Die Eröffnungsfeier der Internationalen Grünen Woche Berlin 2018 fand am 18. Januar im CityCube Berlin statt. Das Partnerland Bulgarien gestaltete das kulturelle Rahmenprogramm, sowie den anschließenden Empfang für die über 3.600 geladenen Ehrengäste und Delegationen aus über 100 Ländern.

Zur Begrüßung sprach Dr. Christian Göke, der Vorsitzende der Geschäftsführung der Messe Berlin GmbH. Neben den zahlreichen Ehrengästen hieß er insbesondere den bulgarischen Landwirtschaftsminister Rumen Porodzanov, mit seiner Delegation auf das herzlichste willkommen. Mit Stolz verkündete Dr. Göke, dass sich insgesamt 1.660 Aussteller aus 66 Ländern an der diesjährigen Leistungsschau der Ernährungswirtschaft, Landwirtschaft und des Gartenbaus beteiligen.

Die diesjährige Grüne Woche ist die internationalste in ihrer Geschichte, so Dr. Göke. Erstmals dabei ist Katar aus dem Mittleren Osten. Auch Russland ist nach zweijähriger Abstinenz wieder dabei. Die Grüne Woche bietet auch in diesem Jahr wieder einen umfassenden Marktüberblick und vielfältige Möglichkeiten für nachhaltige Geschäftskontakte. U.a. bietet die neu, von Landgard konzipierten Blumenhalle  „1.000 gute Gründe für Blumen und Pflanzen“. Für den Besuch der Grünen Woche fallen mir sowieso 1000 gute Gründe ein, betonte Dr. Göke, und wünschte den Gästen eine erfolgreiche und spannende Grüne Woche 2018.

Michael Müller, der Regierende Bürgermeister von Berlin, lobte die mittelständischen Unternehmen der Ernährungswirtschaft für Ihre Leistungsfähigkeit. Gerade Berlin, mit 40 000 Zuzüglern pro Jahr,  bietet für den fachlichen Austausch ein sehr gutes Umfeld. Kritische Diskussionen zu Themen wie Glyphosat etc. wollen wir gemeinsam angehen. Auch wenn die Lösungen hierbei was kosten, Qualität hat eben auch seinen Preis, so Herr Müller. Er führte weiter aus, dass trotz der fachlichen Aspekte die Messe auch Spaß machen soll. Dabei soll das Produkt und die Arbeit sinnlich erlebt werden.

Zur Ernährungswirtschaft nahm Dr. Christian von Boetticher Stellung. Er ist der stellv. Vorsitzende der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie BDE. Allein in Deutschland sind über 5 Millionen Erwerbstätige in fast 700.000 Betrieben der Ernährungsbranche tätig. 170.000 Produkte sind ständig am deutschen Lebensmittelmarkt verfügbar. Jährlich kommen 40.000 neue Lebensmittel auf den Markt, nicht zuletzt auch von den, über 1.000 Start-Up Unternehmen, die jährlich im Lebensmittelsektor den Einstieg wagen.

Grüne Woche ist nicht nur Ausstellung, sie ist auch Dialog, denn die Lebensmittelproduktion braucht stabile Rahmenbedingungen. Mit einem Appell an Bundesminister Schmidt „versehen sie uns bitte nicht mit noch mehr Bürokratie“ schoss Dr. van Boetticher seine Ausführungen. Er ergänzte dazu, dass die Lebensmittelerzeugung und deren Verbrauch was individuelles sei, das nicht übermäßigen Regularien unterworfen werden sollte.

Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernverbandes DVB, freut sich auf spannende Dialoge mit den Verbrauchern, Politikern und Vertretern der Agrar- und Lebensmittelmärkte.

Als überzeugter Europäer wünscht sich Herr Rukwied für die Weiterentwicklung einer gemeinsamen Agrarpolitik zunächst eine neue Bundesregierung. Die Wirtschaftsverbände und und vor allem die Wähler haben immer weniger Verständnis für die langwierigen Sondierungs- und Koalitionsverhandlungen. „Europa wartet auf Deutschland“ – dieser Satz gilt bei vielen Aufgaben, die Europa lösen muss und die Deutschland ohne Europa nicht lösen kann. Insbesondere gilt dies auch für die gemeinsame Agrarpolitik.

Die EU-Agrarpolitik trägt Verantwortung für die Bauernfamilien und vor allem für die ländlichen Räume, die Europa zu 70 % prägen und die Europa bisher zusammengehalten haben.

Für die Bauernfamilien stellte Herr Rukwied klar, dass wir uns der Verantwortung für Nachhaltigkeit, Tiere, Umwelt, Arbeitsbedingungen und Verbraucher stellen. Zwei Beispiele seien die Klimastrategie, die vergangenen Woche vorgestellt wurde, und das Tierwohl als Verbraucherwunsch Nr. 1.

Der DBV setzt sich weiterhin für einen moderaten Gebrauch von Glyphosat ein. Ohne den Einsatz des chemischen Mittels würde sich unser Ackerbau um 25 Jahre zurück entwickeln. Wir würden dann sozusagen von der Champions League in die 2. Liga absteigen, so Herr Rukwied. Bei dem Thema geht es insbesondere um Plagiatsvorwürfe, die bei näherem Hinsehen haltlos sind. Ideologische Aussagen und mittelalterliche Angstmacherei verschleiern hierbei die Realität. Herr Rukwied wünscht sich hierzu einen realitätsbezogenen, konstruktiven Bürgerdialog. Diskutieren Sie mit uns und genießen Sie, ist sein Motto für die diesjährige Grüne Woche.

Phil Hogan, EU-Kommissar für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung, bezeichnete Europa, als einen voll funktionierenden Binnenmarkt für Lebensmittel höchster Qualität. Wenn es um Lebensmittel geht, so ist Europa die 1. Adresse.  Auch als Lebensmittel-Exporteur gilt Europa als die Nr. 1 weltweit. Er plädierte für die Vereinfachung der EU-Vorschriften auf dem Agrarsektor.

Als Glyphosat-Befürworter erklärte Herr Hogan, dass man schließlich kein Produkt verbieten kann, wenn es dazu noch keine Alternativen gibt. Für das Partnerland Bulgarien sprach Rumen Porodzanov, Minister für Landwirtschaft, Ernährung und Forsten der Republik Bulgarien.

Es sei eine große Ehre, dass Bulgarien nach vielen Jahren der Teilnahme an der Internationalen Grünen Woche nun erstmals als Partnerland gewählt worden ist. Gleichzeitig übernimmt die Republik Bulgarien erstmals die rotierende EU- Ratspräsidentschaft. Für unser Land ist das eine besondere Ehre, aber auch eine große Verantwortung, so der Minister.

Für die Republik Bulgarien nimmt die Landwirtschaft schon immer einen besonderen Platz ein. Die geografische Lage, die fruchtbaren Böden und das günstige Klima bieten in dem Balkanstaat beste Voraussetzungen für die Agrarwirtschaft und die Tierhaltung. Nach den Worten des Landwirtschaftsministers entfallen rund fünf Prozent der Wertschöpfung auf den Agrarsektor, in dem ca. sieben Prozent der Arbeitsplätze angesiedelt sind. Handel und Ausfuhr von Agrarprodukten steigen derzeit jährlich um etwa 14%, bzw. 17% des Gesamtvolumens des Landes.

Zu den weltbekannten traditionellen bulgarischen Lebensmitteln zählt neben diversen Käsesorten in erster Linie bulgarischer Joghurt. Der Minister betonte, dass diese Käseprodukte den größten Teil der Gesamtausfuhren ausmachen. Auch verschiedene Milchprodukte, Wein und Honig zählen zu den traditionellen Lebensmittel Bulgariens..

Viehzucht ist ebenfalls ein wichtiger Sektor in der Landwirtschaft der Republik Bulgarien, insbesondere Schweine- und Geflügelzucht. Bulgarien hat auch eines der größten Waldressourcen in Europa, die 1/3 der Fläche des Landes einnehmen.

Zu den Traditionen Bulgariens zählt auch die Produktion von ätherischen Ölpflanzen. Dabei ist das Öl der Rose, das sogenannte Rosenöl, der Hauptbestandteil des Duftes einiger weltberühmter Parfüm- und Kosmetikhersteller. Das Partnerland wirbt somit auch auf der Messe mit dem Motto „Duft der Sonne“, gemeint ist der Duft tausender Rosen.

„Sie können sich gerne die traditionelle bulgarische Folklore erleben, den Duft von Rosen einatmen und die traditionellen bulgarischen Lebensmittel genießen“, mit diesen Worten lädt der  Landwirtschaftsminister Bulgariens, Rumen Porodzanov,  die Gäste der Internationalen Grünen Woche Berlin in die bulgarischen Ausstellungshalle ein. Die Eröffnung der 83. Internationalen Grüne Woche Berlin erfolgte durch Christian Schmidt, dem Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft.

Zu Beginn seiner Rede verwies er auf das besondere Datum, auf das die Eröffnung der 83. Internationalen Grünen Woche fällt.

Wir schreiben den 18. Januar 2018, und es ist genau 18 Uhr. Im Judentum, das unverrückbar zu Deutschland gehört, ist achtzehn der Zahlenwert des hebräischen Wortes Chaj. Und Chaj bedeutet „Leben“. Um das Leben geht es hier schließlich, hier bei der Grünen Woche in Berlin, hier, wo die Grundlagen des Lebens präsentiert werden: Essen und Trinken!

Wir wollen eine ökonomisch tragfähige und ökologisch nachhaltige Landwirtschaft betonte Bundesminister Schmidt. Und zwar hier in Deutschland. Und wir sind bereit, in die Zukunft der Landwirtschaft zu investieren – aber nicht, um den Status Quo einfach zu erhalten. Sondern, damit

wir uns verändern! Wir werden auf meinem Tierwohllabel aufbauen: 79 Prozent der Verbraucher aller Altersgruppen wünschen sich solch ein staatliches Tierwohllabel. Es ist neutral und schafft Vertrauen. Zu dem aktuellen Insektensterben erforderte Bundesminister Schmidt zügiges Handeln. Wir müssen die Artenvielfalt besser fördern und zwar durch mehr Vielfalt in der Landschaft: mehr Flächen für Bienen, mehr Hecken, Blühstreifen, ökologische Vorrangflächen, durch die weitere Stärkung des Ökosystems Wald und durch geringeren und zielgenaueren Einsatz von Pflanzenschutzmitteln.

Für Glyphosat soll das Gleiche gelten wie bisher für Pflanzenschutzmitteln, „so wenig wie möglich, nur so viel wie unbedingt nötig“. Er befürwortete auch den Ausbau des Ökolandbaus und die Reduzierung des Flächenverbrauchs in der Landwirtschaft. Beim EU-Kommissar Phil Hogan bedankte sich der Bundesminister für die beständige, zuverlässige Unterstützung in Brüssel! Wir sind uns einig: Wir brauchen – trotz BREXIT – auch in Zukunft eine gesicherte, solide Ausgestaltung und Ausstattung unserer gemeinsamen Agrarpolitik!

Zu den Ausführungen vom Bulgarischen Landwirtschaftsminister, Rumen Porodzanov, zum Thema Rosenöl ergänzte Bundesminister Schmidt, das 70 Prozent des weltweit gehandelten Rosenöls aus dem Tal der Rosen, einer der faszinierendsten Gegenden der Welt, mitten in Bulgarien stammt. Die Produktion dieses Duftöls ist sehr aufwendig. Denn man benötigt sage und schreibe vier Tonnen Rosenblätter um nur einen Liter Öl zu gewinnen. Da das bulgarische Motto auf der Grünen Woche „Duft der Sonne“ heißt, bat Landwirtschaftsminister Schmidt seinen Kollegen aus dem Partnerland, doch möglichst viel hier zu lassen.

Sonne können wir hier im trüben Winter Berlins wirklich viel brauchen! Mit den abschließenden Worten „Ich freue mich, dass wir alle hier auf der Internationalen Grünen Woche Zeit und Gelegenheit haben, den neuesten Entwicklungen, den leckersten Nahrungsmitteln, den nettesten Menschen und den wunderbarsten Tieren mitten aus der Landwirtschaft zu begegnen“ erklärte der Bundesminister die Internationale Grüne Woche 2018 für eröffnet. Das Partnerland Bulgarien präsentierte sich während der Eröffnungsfeier traditionell und modern. Eine Multimedia-Show zeigte den Start der Voyager-Weltraumsonden, begleitet von Stimmen und Musik der Erde. Dazu spielten Dudelsackspieler mit Musik aus den Rhodopen. Anschließend begeisterte die Solistin der Musikgruppe „Bulgare“, Albena Veskova,  mit ihrem Lied „Izlel e Delyo haidutin“ die Gäste.

Weiterhin sorgte das nationale Folklore Ensemble Bulgare mit traditionellen Tänzen für eine heitere Stimmung. Dazu mitreißende Musik aus der Region Shopluk, dem Westen Bulgariens.

Studenten der Musikakademie Plovdiv spielten auf Streich- und Blasinstrumenten eine vielseitige Mischung traditioneller Musik.  Dazu traten der Popstar „Lucy“ und die Opern-/Beatbox-Künstlerin Adriana Nikolova-Pechenkata auf, die musikalische Welten verbinden. Nach der Eröffnungsfeier lud das Partnerland Bulgarien zu einem Empfang im CityCube ein. Die Tische waren mit bulgarischen Spezialitäten reichlich gedeckt.

Dazu gehörten die  traditionellen Vorspeisen, wie die Salate Schopska, Kiopolo und Sneschanka (Schneewittchensalat). Bei den bulgarischen Hauptgerichten dominiert in erster Linie Fleisch. So gab es u. a. neben Braten vom Schwein, Lamm und Kalb auch Huhn nach thrakischer Art . Bei den Dessert durfte das Blätterteiggebäck Baklava nicht fehlen. Bulgarische Weine rundeten das ganze ab. Umrahmt wurde der Empfang von beeindruckenden Bilder-Shows, die zeigten dass Bulgarien nicht nur auf dem Agrar- und Lebensmittelsektor was zu bieten hat, sondern auch im Tourismussektor und der Gastronomie.

Unter den zahlreichen Gästen aus dem In- und Ausland waren auch Aussteller und Delegationen aus Bayern vertreten. Denn gerade auf der diesjährigen Internationalen Grünen Woche gibt es Anlass genug, dass sich Bayern zu seinem 100sten Jubiläum besonders stark präsentiert. So waren unter den Gästen auch die 1. Vorsitzende vom Landesverband Bauernhof- und Landurlaub Bayern e.V., Gerda Walser, mit dem Ehepaar Gretschmann vom Rechenmacher Hof, einem Ferien-Biobauernhof in Schöffau.

Es war eine bestens gelungene Eröffnungsfeier der Internationalen Grünen Woche Berlin 2018, bei der sich das Partnerland Bulgarien unter dem Motto „Der Duft der Sonne“ von seiner besten Seite gezeigt hat und sich auch im Verlauf der Messe in der Ausstellungshalle 10.2 weiterhin zeigen wird.

Helmut Amberger – Freier Berichterstatter der Samerberger Nachrichten

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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