Landwirtschaft

Ernte 2018: Extreme Trockenheit schmälert bayerische Erträge

Anton Hötzelsperger
Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Das außergewöhnlich trockene Frühjahr beschert den bayerischen Bauern heuer wohl eine eher unterdurchschnittliche Getreideernte. Das hat Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber bei der diesjährigen Erntepressefahrt im Landkreis Freising mitgeteilt. „Der wärmste April seit Beginn der Wetteraufzeichnungen und die fehlenden Niederschläge haben heuer in vielen Teilen Bayerns das Wachstum aller Kulturen stark beeinträchtigt“, so Kaniber. Schätzungen zufolge wird die Getreideernte daher in diesem Jahr landesweit unter dem langjährigen Schnitt von 6,8 Millionen Tonnen liegen. Vor allem auf flachgründigeren Böden und in trockenen Regionen – etwa im besonders betroffenen ostbayerischen Raum und im nördlichen Franken – gibt es deutliche Schäden bei Weizen und Raps. Auch beim Grünland zeichnen sich unbefriedigende Erträge ab. Bei Zuckerrüben, Kartoffeln, Mais und Leguminosen bremste der Wassermangel das Wachstum zwar ebenfalls erheblich, hier gibt es allerdings noch Chancen: Wenn es in den kommenden Wochen ausreichend regnet, können sich die Ernteaussichten noch deutlich verbessern. Bei allen Kulturen hatten die Landwirte zudem heuer bayernweit mit regionalen Unwettern mit Starkregen und Hagel zu kämpfen. Damit bestätigen sich der Ministerin zufolge erneut die Prognosen der Klimaforscher: „Extremwetterlagen werden in unseren Breiten immer häufiger die Arbeit unserer Landwirte beeinflussen.“

Bei den Anbauflächen gab es im Vergleich zum Vorjahr nur leichte Veränderungen: Die Getreidefläche ist mit etwas über einer Millionen Hektar fast unverändert geblieben. Winterweizen, die wichtigste Brotgetreideart, wurde auf etwa 469 000 Hektar angebaut. Das sind rund 20 000 Hektar weniger als im Vorjahr. Engpässe bei Brot oder Semmeln sind Kaniber zufolge aber deshalb nicht zu befürchten. Bei der Sommergerste hat sich der Aufwärtstrend dagegen fortgesetzt. Die Anbaufläche ist um rund 6 000 auf fast 105 000 Hektar gestiegen. Auch bei Wintergerste hat der Anbau um etwa 3 000 auf über 230 000 Hektar leicht zugelegt. Die Zuckerrüben-Fläche ist mit rund 71 000 Hektar stabil. Ebenso Dauergrünland mit über einer Million Hektar. Eine Trendwende ist nach den Worten der Ministerin beim Mais festzustellen: Hier ist die Anbaufläche bereits zum zweiten Mal in Folge rückläufig. Als sehr erfreulich bezeichnete Kaniber den auch heuer anhaltenden Anstieg beim Anbau von Eiweißpflanzen. Vor allem bei den Sojabohnen ist die Fläche um fast 40 Prozent auf rund 12 000 Hektar gewachsen. Bereits im vergangenen Jahr konnte sie um mehr als 30 Prozent zulegen. „Das gibt unserer Bayerischen Eiweißinitiative noch einmal Auftrieb, mit der wir unsere Bauern unabhängiger von Soja-Importen aus Übersee machen wollen“, so die Ministerin.

Insgesamt hob Kaniber die großen Anstrengungen der Bauern für die Artenvielfalt hervor. Der Ministerin zufolge erbringt inzwischen jeder zweite Landwirt in Bayern auf seinen Feldern besondere Leistungen für den Natur- und Artenschutz. Rund 600 000 Hektar werden unter Vorgaben zur Förderung der Biodiversität bewirtschaftet. Das entspricht etwa einem Fünftel der landwirtschaftlich genutzten Fläche. Der Freistaat unterstützt umweltschonende Bewirtschaftungsverfahren über das Bayerische Kulturlandschaftsprogramm mit jährlich rund 60 Millionen Euro.

Foto: Heuernte bei Grainbach am Samerberg

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Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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