Brauchtum

Ernst Rupp: vom Chiemgauer Hochzeitslader zum Helfer in Europa

Anton Hötzelsperger
Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Vom Chiemgauer Hochzeitslader und Heimatabend-Ansager hat sich der Priener Ernst Rupp zu einem internationalen und stillen Helfer Europas entwickelt.  Auch mit 92 Jahren ist er noch unterwegs nach Ungarn und Südtirol, um armen, aber dankbaren Menschen zu helfen. Lediglich die Corona-Krise hat  zu einer Reisepause geführt, doch sobald die Reisefreiheit wieder hergestellt und Corona-Gefahren vorbei sind, soll es wieder losgehen. Kurz vor seinem 93. Geburtstag am 2. Juli haben wir uns mit Ernst Rupp zu einem Lebens-Rückblick getroffen.

Es war im Jahr 1950 als Ernst Rupp bei einer Hochzeit von der Musik gebeten wurde, die Ehrentänze mangels Hochzeitslader anzusagen. Daraus entstand dann eine langjährige Aufgabe, die mit einer ersten eigens organisierten Hochzeit im Gasthof Stocker in Prien-Atzing begann und 1985 bei einer Hochzeit in der Wildenwarter Schlosswirtschaft endete. „Dazwischen waren ein paar Hundert Hochzeiten und viele lustige Begebenheiten“ – so Ernst Rupp, der 1960 auch mit dabei war, als erstmals ein bayerisches Hochzeitsladertreffen organisiert wurde. Aus den Erfahrungen und Kontakten bei den Feierlichkeiten bei den Hochzeiten ergab es sich auch, dass Ernst Rupp von den Trachtenvereinen gebeten wurde, die damals stark besuchten Heimatabende zu moderieren. Der erste Heimatabend mit dem Priener Trachtenverein und mit der Blaskapelle Prien war im Saal des Bayerischen Hofes in Prien. Jahrzehntelang war er dann ständiger Ansager  auch noch bei den Trachtenvereinen Hohenaschau und Bernau, zuweilen kam er dabei auch bis zum Tegernsee und nach Bad Tölz. „Meine Aufgabe verstand ich immer so, dass ich für den Ort des Heimatabends und für den Chiemgau im allgemeinen Fremdenverkehrswerbung machte. Hierfür stellte ich mir eigene Gedichte zusammen“, so Ernst Rupp, der dafür bekannt war, lange und klangvolle Gedichte über das Chiemgau-Land auswendig vorzutragen, hierzu sagt er stolz: „Diese Gedichte kann ich auch heute noch“. Um all die Aufgaben und Termine für Hochzeiten und Trachtenabende wahrnehmen zu können, musste er beruflich Rücksicht erfahren, hierzu dankt er rückblickend: „Meine damaligen Arbeitgeber Baron und Freiherr Ulrich Varnbüler von Prien-Bauernberg und die Priener Firma Systemform haben mit viel Verständnis meine Aktivitäten unterstützt“.

Doppelte Dankbarkeit führte immer wieder nach Ungarn

Die Dankbarkeit spielte bei Ernst Rupp immer wieder eine große Rolle. So erhielt er lange Zeit für seine schwer kranke Frau Magdalena hilfreiche Medikamente aus Ungarn. Da diese Arznei in Deutschland nicht zu bekommen war, kam es zu mehreren Fahrten nach Ungarn. „Diese Medizin war viele Jahre für meine dann 1982 verstorbene Frau von großer Hilfe. Als wir bei unseren Fahrten für arme ungarische Familien Kleidung und Textilien mitbrachten, da spürten wir eine enorm tiefe Dankbarkeit.“ – so Ernst Rupp, der inzwischen seit 40 Jahren zu Ungarn-Deutschen fährt und sich auch gerne daran erinnert, dass er an der Grenze immer freundlich behandelt wurde. „Im Laufe der Jahre haben sich die Grenzer sogar mit mir angefreundet“ – auch dies vergisst Ernst Rupp ebenso wenig wie die Sach- und Kleiderspenden von Freunden und Bekannten, so dass er bei seinen mehrmals im Jahr durchgeführten Fahrten immer gut mit Spendensachen beladen war. Dem ungarischen Ziel folgte noch Südtirol als weiteres Ziel, das Ernst Rupp seit inzwischen 35 Jahren ansteuert. Hierzu weiß er zu berichten: „Richtig ärmliche Bergbauernfamilien mit zuweilen mehr als zehn Kindern waren immer überglücklich, wenn ich mit Kleidung, Schuhen und weiteren Sachen kam. An eine Familie erinnere ich mich noch ganz besonders gerne: da waren die ersten zehn Kinder allesamt Dirndl, das elfte Kind war dann ein Bua und die Freude über den Stammhalter war riesengroß noch dazu, weil ich für ihn was Passendes zum Anziehen dabei hatte“. In Südtirol waren die Gegenden um Bozen und Meran sowie das Passeiertal Ziel für Hilfsfahrten, übernachten konnte Rupp dabei immer bei den gastfreundlichen Familien. Bis heute braucht Ernst Rupp für seine Ungarn-  und Südtirol-Fahrten kein Navi, Landkarten genügen, wenn diese überhaupt noch gebraucht werden, denn er kennt seine Strecken wie seine Hosentasche.

Fotos/Repros: Hötzelsperger –  Heimatabend in Prien am 15. Juni 1967 im Bayerischen Hof: Ernst Rupp zusammen mit Marianne Eham aus Wies bei Piezenau/Irschenberg sowie mit Ilse Gossner und Gisela Obermaier, beide aus Aschau i. Chiemgau, als der Aschauer Dreigesang.

Eng verbunden war Ernst Rupp mit dem Trachtenverein Hohenaschau, zu seinem 90. Geburtstag waren Vorstand Claus Reiter und sein langjähriger Weggefährte Hubert Haas (re.) zum Gratulieren da.

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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