Leitartikel

Erinnerungen an Priens Pfarrer Josef Preis

Anton Hötzelsperger
Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

12 Jahre war Hans-Dieter Dummert aus Prien Pfarrgemeinderatsvorsitzender in der Pfarrei „Maria Himmelfahrt“, 10 Jahre davon diente er dabei  Pfarrer Josef Preis. Dieser verstarb vor 20 Jahren als dann Pfarrer von Reit im Winkl im Alter von nur 46 Jahren. In seinen Erinnerungen sagt Hans-Dieter Dummert: „Die 10 Jahre mit Pfarrer Josef Preis waren für mich die schönsten, aber auch die anstrengensten“ – ein dankbarer Blick zurück!

„Es war ein historischer Moment am 7. Oktober 1988 als unser neuer Pfarrer Josef Preis nach seinen Kaplan- und Jugendpfarrerjahren in Berchtesgaden zu uns nach Prien kam. Der Empfang war zur selben Stunde als in München der Trauer-Festzug für den verstorbenen Bayerischen Ministerpräsidenten Franz-Josef Strauß vonstattenging. An der Priener Gemeindegrenze holte Kirchenpfleger Günther Pelzl den neuen Pfarrer ab, in der Fußgängerzone begrüßte ich ihn mit Rosen in den Kirchenfarben gelb und weiß, die Priener Blasmusik spielte ob der bayerischen Staatstrauer nur getragene Stücke“ – so beginnen die Aufzeichnungen. Josef Preis, ein Spätberufener kam mit 35 Jahren nach Prien, schon bald suchte er das persönliche Gespräch mit dem Pfarrgemeinderatsvorsitzenden, dieser dazu: „Er machte mir einen sehr guten Eindruck, er wirkte bescheiden und es war für ihn bestimmt kein leichter Anfang, da der Pfarrerwechsel in Prien mit einem Eklat endete. In der Nacht vor dem Abschiedsgottesdienst von Pfarrer Konrad Huber wurde ein anonymer Brief an viele Haushalte verteilt, die den Weggang von Pfarrer Huber bedauerten und deshalb auch mehrere Personen beschuldigten“. In seiner ersten Kirchenverwaltungssitzung musste sich Pfarrer Preis der Kirchenrenovierung als Hauptthema stellen. „Da er vorher gelernter Industriekaufmann war, kam ihm das sehr zugute und er konnte sich auch gegen das Ordinariat bei der Auswahl des Architekten zugunsten eines Ortsansässigen durchsetzen, ja er konnte schon hartnäckig sein, man sagte ihm auch einen Allgäuer Dickschädel nach“.

Verlegung des 40stündigen Gebetes und neue Kirchenorgel

Ein zweites sensibles Thema war 1988 die von Pfarrer Preis angeregte Verlegung des 40-stündigen Gebetes. Dieses fand über Jahrhunderte aufgrund einer Stiftung im 17. Jahrhundert immer zeitgleich zum Faschingsende statt. „Eine außerordentliche Pfarrversammlung dauerte fast bis Mitternacht, kurze Zeit später fand eine Abstimmung in der Priener Pfarrkirche und in den Filialkirchen statt. Das Ergebnis war überwältigend: 72 Prozent der Gläubigen waren für und 25 Prozent gegen eine Verlegung, so wurde in der darauffolgenden Pfarrgemeinderatssitzung beschlossen, dass das 40-stündige Gebet 1990 erst am ersten Fastenwochenende beginnt“.

Das nächste große Thema, dem sich Pfarrer Preis und PGR-Vorsitzender Hans-Dieter Dummert gemeinsam stellen mussten, waren der Neubau der Kirchenorgel und die Vergrößerung des Pfarrheimes, Beides wurde am 14. November 1989 in einer besonderen Kirchenverwaltungssitzung beschlossen. Im gleichen Monat ging es noch zu einer Orgel-Erkundungsfahrt zum Bodensee, denn die Neuanschaffung mit einem Kostenvoranschlag von rund 1,3 Millionen Euro muss gründlich vorbereitet und überlegt sein. Die Weihe der neuen Woehl-Orgel war dann an Kirchweih 1995, verbunden mit der Einweihung des vergrößerten Pfarrheimes mit Bischof Franz-Xaver Schwarzenböck. „Da kam viel zusammen und als an diesem Festtag auch noch das Pfarrgemeinderats-Mitglied Irmi Summerer im Alter von nur 43 Jahren verstarb, da war Pfarrer Preis auch noch bei ihr“. Wie Hans-Dieter Dummert weiter erzählt, bedrückte Pfarrer Preis ein Einbruch mit Geld-Diebstahl aus dem Pfarrbüro im Januar 1997 sehr. Das folgende Jahr 1998 ist von zwei Terminen besonders geprägt: „Am 5. Februar leitete ich letztmals nach 12 Jahren eine Pfarrgemeindesratssitzung, dabei schlug ich vor, dass wir mit allen ausgeschiedenen Mitgliedern des PGR sowie mit allen Geistlichen, die neu nach Prien kommen und mit den Ruhestandspfarrern einen Stammtisch gründen. Das wurde gerne angenommen, heuer im März wäre es der 216. Stammtisch gewesen, aber wegen Corona pausieren wir derzeit“.

Am Vormittag des Karfreitag 1997 war Hans-Dieter Dummert mit Kaplan Klaus Franzl, der nach dem Weggang von Pfarrer Preis nach Reit im Winkl  die geistliche Führung in Prien übernahm, beim Kreuzweg nach St. Salvator. „Ich wusste, dass Pfarrer Preis im Vincentinum in Ruhpolding war, ich wollte ihn am Telefon sprechen, das sagte die Schwester: Er ist vor 15 Minuten verstorben“. Als die Todesnachricht am Nachmittag von Kaplan Franzl bei der Karfreitagsliturgie bekanntgegeben wurde, weinten viele Gottesdienstbesucher. Josef Preis war eine Sonne, die in seinen Händen jede Blume erblühen ließ“ – so Hans-Dieter Dummert zum Ende seiner Erinnerungen. Pfarrer Josef Preis wurde am 26. April 2000 in seiner Allgäuer Geburtsort Heimenkirch zu Grabe getragen, fast 1.000 Leute verabschiedeten sich von ihm, Traueransprachen hatte er sich verbeten. Die Marktgemeinde Prien mit Bürgermeister Lorenz Kollmannsberger würdigte die Beliebtheit und Wertschätzung des zehnjährigen Wirkens von Pfarrer Josef Preis mit einem eigenen Pfarrer-Josef-Preis-Weg.

 Viele weitere Priener denken gerne an die Zeit mit Pfarrer Josef Preis zurück. Ehrenbürger Michael Anner, damals Gemeinderat, aber auch aktives Chor-Mitglied und Vorsitzender vom Orgelbauförderverein und Pfarrer Preis freundschaftlich verbunden erinnert sich unter anderem so: „Pfarrer Preis war selbst sehr musikalisch und so war er auch an der Chor- und Kirchenmusik sehr interessiert und er hat sie auch unterstützt, wo es ihm möglich war“. Und zur damals in Auftrag gegebenen neuen Orgel weiß Anner zu berichten, dass der Verein und die Pfarrgremien immer gut im Dialog waren, wenn es die einzelnen Schritte der Finanzierung abzustimmen gab.

Repros: Hötzelsperger – 1. Hans-Dieter Dummert (re.) empfängt am 7. Oktober 1988 den neuen Priener Pfarrer Josef Preis.

  1. Im März 1992 konnte die Familie Dummert aus den Erlösen u.a. vom Fastenmarkt und von 560 Ostereiern den Betrag von 4.260 Mark als Spende für die neue Orgel überreichen, von links: Tochter Sonja Heider, Pfr. Preis sowie Hans-Dieter und Gisela Dummert. 3. Fotos hö  Pfr. Preis.

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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