Kirche

Einweihung des Eremitenhäusl in Aschau

„Die Abendmahlkapelle mitten im Wald, fernab der Straße ist, zusammen mit dem Eremitenhäusl, ein Rückzugs- und geistlicher Kraftort. Dieser Ort übt in einer lauten und hektischen Welt eine Anziehungskraft aus und führt uns an den Tisch des Letzten Abendmahls und zur Quelle des Lebens“. Pfarrer Paul Janßen erinnerte die zahlreichen Wallfahrer aus Aschau und der Region bei der Segnung des neu gebauten Eremitenhauses an die Ursprünge der Wallfahrt zur Abendmahlkapelle vor 300 Jahren, an das wundertätige Augenbrünnlein neben der Kapelle und an den Einsiedler, der daneben in seiner Klause wohnte und die Wallfahrtsstätte betreute. Seither habe sich durch den Wegfall der ständigen Wallfahrt und das Fehlen eines Einsiedlers vieles geändert und das Eremitenhäusl war ohne ständige Nutzung dem Verfall preisgegeben. Die letzten umfangreichen Renovierungsarbeiten liegen bereits 100 Jahre zurück.

Im Pfarrarchiv gibt es ein altes Foto, auf dem zu sehen ist, dass die Klause früher aus Stein gebaut war. 1923 nahm sich der Aschauer Frauenbund der Renovierung der Abendmahlkapelle an und brachte in zwei Sammlungen einen stattlichen Geldbetrag zusammen. Als einmal die Ziegel ausgingen und auch kein Fuhrwerk zur Stelle war, trugen die Frauen von Bucha die Ziegel auf dem Rücken den Berg hinauf. Damals wurde auch die Klause neben der Kapelle von Grund auf neu gebaut, nun aus Holz, und zwar durch die Zimmerei Bachmann aus Schleching.

In den letzten Jahren verfiel das ungenutzte Klausner- oder Eremitenhäusl immer mehr. Der Holzbau wurde morsch; eine umfangreiche Sanierung oder die Aufgabe des Hauses standen zur Debatte. Die Aschauer Kirchenverwaltung entschied sich, die Klause nicht verfallen zu lassen, sondern neu aufzurichten. Kirchenpfleger Werner Weyerer legte sich gleich voll „ins Zeug“, und führte voller Tatendrang Firmen, Handwerker, Helferinnen und Helfer zusammen, so dass die Klause nicht nur notdürftig ausgebessert, sondern von Grund auf neu errichtet wurde. Neben seinen Aufgaben bei der Renovierung und Ausstattung der Pfarrkirche und der Kreuzkapelle sowie der kleineren Flurdenkmäler im Gemeindebereich fand Werner Weyerer noch Zeit sich um die altehrwürdige Klause zu kümmern. Die Kosten für das schmucke Häuschen mit einer Grundfläche von 25 Quadratmetern aus Lärchenholz trägt die Pfarrgemeinde. Zahllose Spender trugen dazu bei, das Eremitenhäusl in neuem Glanz erstrahlen zu lassen. Den Abbruch des alten Hauses und die Betonarbeiten für das neue Bauwerk führte die Firma Andreas Dörfl aus Aschau durch, die Planung und den Bau des Holzbaus übernahm Jürgen Schreiner aus Thalham bei Riedering, die Firma Noichl aus Weiher kümmerte sich um die Außenanlagen und Peter Buchauer aus Frasdorf um die Photovoltaik und die elektrische Anlage. Erschwert wurden die Arbeiten durch die Abgeschiedenheit der Baustelle, die fehlende Zufahrtsstraße und die steile Hanglage. Kirchenpfleger Werner Weyerer bedankte sich bei den Handwerkern, Helferinnen, Helfern und Spendern, die zum Gelingen des Werkes beigetragen haben. Dabei verdiene besondere Anerkennung, dass so viele Arbeitsstunden ehrenamtlich und ohne sie in Rechnung zu stellen geleistet wurden. Schon das alleine zeige auf, wie sehr die Abendmahlkapelle und die Klause der Bevölkerung ein echtes Anliegen sei.

Pfarrer Paul Janßen wagte einen Blick in die Zukunft: künftig soll das Eremitenhäusl in seiner Abgeschiedenheit einen Raum für kleine Gruppen, wie Firm- oder Kommuniongruppen, für Gesprächskreise oder für Einkehrtage bieten. Dabei können Gruppierungen aus allen Mitgliedsgemeinden des Pfarrverbandes aus Aschau, Sachrang, Frasdorf und Umrathshausen berücksichtigt werden. Beim Patrozinium im Sommer soll es der Bewirtung der Wallfahrer dienen. Schließlich steht noch eine kühne Vision für die Nutzung des Klausnerhäusls im Raum: so könnte es Einzelnen für ein paar Tage als Eremitage und zur inneren Einkehr zur Verfügung stehen, das aber sei noch Zukunftsmusik. Die Vergabe des Hauses und die Schlüsselgewalt samt Schlüssel liegen bei der Pfarrverwaltung in Aschau.

Pfarrer Janßen führte weiter aus: „Die Abendmahlkapelle ist ein gern besuchter Ort, ein von vielen Menschen aufgesuchtes stilles Heiligtum in der Waldlichtung, wo man zu sich selbst kommen kann. Die Abendmahlkapelle und das Eremitenhäusl sollen sich den Charakter eines Rückzugs- und Kraftortes für Einzelne und für kleine Gruppen, sowie – das hoffen wir – auch wieder für Wallfahrer erhalten“.

Die Kapelle zum Heiligen Abendmahl im Bergwald oberhalb von Bucha bei Aschau ist bereits im 17. Jahrhundert entstanden. Das Besondere an der Abendmahlkapelle ist die enge Verbindung mit einer Quelle, der als „Augenbrünndl“ eine Heilkraft besonders für die Augen zugesprochen wird. Damit steht diese Kapelle in Verbindung mit den vielen Brünndlkirchen der Gegend, die oft schon auf heidnische Quellheiligtümer zurückgehen. Die Heilkraft des Wassers führte zur Entstehung eines lebhaften Wallfahrtslebens und machte die Einsetzung eines Klausners neben dem Heiligtum notwendig. Der Höhepunkt der Wallfahrt war in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts Ihr heutiges Aussehen erhielt die Kapelle durch den Anbau der Vorhalle und das kleine Spitztürmchen im Jahre 1877.

Bericht und Fotos: Heinrich Rehberg

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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