Brauchtum

Einladung: Waldgau-Hoagartn in Hohenwarth

Anton Hötzelsperger
Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

„Hoagartn“ ist einer der schönsten Bräuche im bayerischen Raum, der vor allem im Spätherbst und Winter, wenn es nach der Ernte ruhiger wurde auf den Höfen, gepflegt wird. Zwar war das Vieh zu versorgen, im Haus wurde eingeweckt, geräuchert und gesurt (gepökelt), auf dem Hof die Wagen und Geräte gründlich überholt, doch früh am Abend war das Tagwerk getan und es blieb Zeit, sich mit den Nachbarn zu treffen. Übersetzt heißt er so viel wie „Heimgarten“, denn damals trafen sich Freunde und Nachbarn zu Hause im Garten, um sich zu unterhalten (wobei nicht selten über die jüngsten Ereignisse im Dorf geratscht wurde), um Karten zu spielen, Musik zu machen und zu tanzen. Die Frauen nähten, drehten das Spinnrad, häkelten oder strickten oft, während sie sich unterhielten, der Musik lauschten oder sangen. Es waren also einfach gesellige Treffen in heimischen Gärten, aus denen mitunter auch Ehen hervorgingen. An milden Abenden saß man auf der Bank vor dem Haus. Wenn es kälter war, traf man sich in der Stube. In erster Linie galten die Zusammenkünfte der Pflege der Volksmusik und der alten Tänze. Die dörflichen Musikanten hatten Hochsaison und vor allem die bäuerlichen Tanzformationen, die Zwiefachen, feierten dabei fröhliche Urständ.

Beim traditionellen Waldgau-Hoagartn, der am Samstag, 26. Oktober um 19.30 Uhr in der Schlossgaststätte Vogl in Hohenwarth Station macht, wird gemeinsam gesungen und musiziert. Dazu erzählt der Sprecher so manche lustige oder auch ernste Begebenheit. Es singen und spielen u. a. die „Bayerisch-Böhmischen“, die „Rittsteiger Sänger“ und das Harfenduo Lena Bscheid/Felicitas Wutz. Ein besonders Jubiläum können die „Stoiber-Deandln“ (Elfriede Heitzer und Luise Vogl) feiern, denn sie können auf eine 40-jährige gemeinsame musikalische Zeit zurückblicken. Gespannt sein darf man auch auf die „Geschwister Binder“, Gewinner des Jugendfink 2016. Carolin (Akkordeon, Steirische, Tenorhorn) und ihr Bruder Christoph (Steirische) haben traditionelle Volksmusik und das eine oder andere gesungene Lied in ihrem reichhaltigen Repertoire.

Als Sprecher konnte Robert Bauer, Bürgermeister von Schaufling, gewonnen werden, der sicher in seiner niederbayerischen Mundart viel Zeitkritisches, Nachdenkliches, Lustiges und manchmal auch recht Hintergründiges zu erzählen hat. Als veranstaltender Verein tritt der Trachtenverein „Kaitersbergler“ Hohenwarth unter der Führung von Elfriede Heitzer auf. Als Organisatoren zeigt das Musikreferentenpaar Hermann und Ingrid Hupf verantwortlich. Nach dem Ende des offiziellen Programms ist noch gemütliches Beisammensein angesagt. Für das leibliche Wohl ist bestens gesorgt. Als Unkostenbeitrag werden sechs Euro erhoben. Die Verantwortlichen freuen sich auf einen regen Besuch.

Bericht und Bilder: Regina Pfeffer

Bildunterschrift zu Ankündigung Waldgau-Hoagartn 2019-1-2:                                                                                                                Die „Geschwister Binder“ haben im Jahr 2016 den begehrten Volksmusikpreis für Nachwuchsmusikanten, den Zwieseler Jugendfink gewonnen.

Bildunterschrift zu Ankündigung Waldgau-Hoagartn 2019-3:                                                                                                                Bekannt in der Volksmusikszene seit vielen Jahren sind die „Rittsteiger Sänger“.

Bildunterschrift zu Ankündigung Waldgau-Hoagartn 2019-4:                                                                                                                Die „Stoiber-Deandln“ Elfriede und Luise singen überlieferte alte Waldlerlieder – und das gemeinsam schon seit 40 Jahren.

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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