Kultur

Ein wichtiges Stück Priener Regionalgeschichte – Die Welle

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Das Priener Heimatmuseum zeigt bis zum 24. Oktober eine Retrospektive zur Künstlervereinigung „Die Welle-Freie Vereinigung Chiemgauer Künstler“. Die Eröffnung der Ausstellung, die täglich von 13 Uhr bis 17 Uhr geöffnet hat, fand an einem lauen Sommerabend vor dem Heimatmuseum mit zahlreichen Kunstfreunden statt. Hierzu konnten Erster Bürgermeister Andreas Friedrich und Museumsleiter Karl J. Aß unter anderem Dr. Elisabeth Waldmann, die Enkelin des „Welle-Künstlers“ Paul Roloff als Ehrengast willkommen heißen. In ihrem Festvortrag erinnerte Frau Dr. Waldmann an „Anekdotisches zur Welle“.

Im September 1921, also vor nunmehr fast 100 Jahren, wurde in Prien die Künstlervereinigung „Die Welle“ gegründet. Engagierte Künstler, allen voran der Landschafter und Porträtist Paul Roloff sowie sein Kollege Bernhard Klinckerfuß waren es, die in Eigeninitiative und ohne jegliche öffentliche Unterstützung, aber mit sehr viel Engagement auf den Priener Schären in Prien-Stock und direkt am Chiemsee einen Ausstellungspavillon erbauten, um dort ihre Bilder, Graphiken und Skulpturen zu zeigen. Für damalige und wirtschaftlich schwierige Zeiten ein völlig neuer, innovativer Weg der Vermarktung, der einheimische Kunstfreunde genauso wie ein gehobenes, touristisches Publikum ansprechen sollte. Zu den ersten Mitgliedern zählten auch Emil Thoma (der Mann von Annette Thoma, die der Gemeinschaft den Namen gab), Karl Hermann Müller-Samerberg, die Scherenschnittkünstlerin Paula Rösler und der Bildhauer Friedrich Lommel. Später kamen noch dazu Lisbeth Lommel, Rudolf Sieck, Rudolf Hause und Theodor Hummel. Insgesamt zwölf Ausstellungen fanden bis 1933 statt. 1934 wurde das Ausstellungsgebäude  abgebrochen. Eine letzte Ausstellung der „Welle“ fand 1934 in Rosenheim statt.

Bürgermeister Andreas Friedrich sprach in seinen Grußworten auch im Namen von Priens Kulturreferentin Karina Dingler den „Welle-Künstlern“ seinen Respekt aus, dass sie in einer Zeit der Resignation einen Anfang und Aufschwung wagten. „Bilder braucht in dieser Zeit keiner“ – mit diesem Zitat des Künstlers Paul Roloff setzte sich Karl J. Aß kritisch mit der Künstlerlandschaft Chiemsee und insbesondere mit der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg und  dem Dritten Reich auseinander. Er hob besonders hervor, dass die „Welle“ neben der Künstlergemeinschaft der „Frauenwörther“ Kunstausstellungen auf das Land brachten. Er betonte, dass das Ende der „Welle“ nicht, wie bisher meist dargelegt mit der diffusen nationalsozialistischen Kunstpolitik zu tun hat, sondern wohl mit dem Erlahmen der Initiative der Künstler und einem Unverständnis in der damaligen Kommunalverwaltung.  Daran anschließend begann Dr. Elisabeth Waldmann ihren Vortrag mit den Worten: „Wir treffen uns heute hier in einer schwierigen Zeit, um an eine Künstlergemeinschaft zu erinnern, die in schweren Zeit versuchte, mit großem persönlichem Einsatz ihre Kunst zu präsentieren, um Geld zu verdienen und damit zu überleben“. Und sie ergänzte dies mit dem Satz von Emil Thoma: „Ernst ist die Zeit und die Kunst eine Schinderei“.   Die Zeit der „Welle“ war geprägt von Inflation und tragischer Geldknappheit. Umso wichtiger war es – so Frau Dr. Waldmann – ,dass die erste Ausstellung der „Welle“ in Prien ein großer Besuchererfolg war und dass außergewöhnlich umfangreich und positiv Münchner Zeitungen darüber berichteten. So sind in der nunmehrigen Dokumentation in drei Räumen des Priener Heimatmuseums neben den Maler- und Kunstwerken der „Welle-Künstler“ auch die ausgesprochen informativen Ausstellungsbesprechungen nachzulesen.

Fotos: Hötzelsperger – u.a. Bürgermeister Andreas Friedrich bedankt sich bei Frau Dr. Waldmann für Ihren Vortrag

Anlagen:

 

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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