Natur & Umwelt

Ein Spatz in der Hand – Gott sei Dank!

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Kiefersfelden / Landkreis Rosenheim – Nicht mal 20 Gramm wog der kleine verwaiste Baby-Spatz, als ihn die Kiefersfeldenerin Dorle Dengg im Juni vergangenen Jahres unter ihre Fittiche nahm. In der Brust des Winzlings schlug aber ein enormes Kämpferherz. Er wuchs und gedieh dank liebervoller Pflege prächtig. Seiner Retterin hält er nach wie vor die Treue. Dorle Dengg hat über ihre Aufzucht-Erfahrungen ein  Büchlein verfasst.

Die Enkelin von Dengg fand das Spatzenkücken mutterseelenallein in einer Wiese in Aschau. Mittels Smartphone schickte sie ihrer Oma ein Bild des Vogelbabys mit der Frage: “Was soll ich mit ihm machen?”
Die 75-jährige bekannte Kinderbuchautorin und Puppentheaterspielerin aus Kiefersfelden hatte immer schon ein großes Herz für Tiere und musste über die Antwort für ihre Enkelin deshalb auch überhaupt nicht nachdenken: “Für mich war sofort klar, diesem kleinen Wesen muss geholfen werden.” Sofort rief sie bei einer Tierärztin an, um sich über die Aufzucht  beraten zu lassen. Diese machte ihr aber nur wenig Hoffnung auf Erfolg.
Dorle Dengg wollte das kleine Wesen aber nicht einfach so aufgeben, auch wenn der Spatz schon mehr tot als lebendig aussah, als er bei ihr eintraf. “Er hat sich kaum noch bewegt. Ich habe ihm dann aus einem alten Handtuch ein Nestchen gebaut und weil ich keine Wärmelampe habe, ein Wärmflasche dazugepackt”, erzählt sie.
Als sie einige Zeit später wieder nach dem Spatz schaute, war dieser unter die Wärmflasche gekrochen:  “Als ich die Wärmflasche aufhob, lag er da wie ein platter Frosch. Ich dachte, er sei gestorben.”

Wärme weckte die Lebensgeister

Zum Glück war das nicht der Fall. Im Gegenteil. Die Wärme weckte die Lebensgeister des kleinen Wesens. Er sperrte sofort den Schnabel auf und lies sich endlich bereitwillig mit der Pipette füttern. Von da an flößte die Kiefersfeldenerin dem Spatz alle paar Stunden eine Mischung aus Haferflocken, Honig und Wasser ein – auch in der Nacht. Nach und nach wurde der Speiseplan des Vogelkindes erweitert mit getrockneten Mehlwürmern, gestocktem Ei und Futter für Kanarienvögel.
Vom provisorischen Nestchen ging es später in einen Vogelkäfig und diesen platzierte Dorle Dengg am Fensterplatz, damit der Kleine schon mal Kontakt mit seinen Artgenossen aufnehmen konnte. Tatsächlich kamen diese auch und beäugten das Ziehkind – das aufgrund seines Fundortes den Namen “der kleine Aschauer” bekam –  neugierig von draußen.
Das Fliegen brachte sich der Spatz selbst bei. Von den ersten Flatterversuchen im Käfig auf dem schaukelndem Ast vom Apfelbaum ging es auf größere Runden im Wohnzimmer, wobei er dort dann immer wieder einmal zur Rast auf Dorle Denggs Schultern landete. “Er sah in mir ganz klar seine Ersatzmama”, steht für die Tierfreundin fest.
Nach gut einem Monat liebevoller Pflege im Haus beschloss Dorle Dengg, dass es nun Zeit sei, ihrem Schützling die Freiheit zu schenken. Sie öffnet das Fenster und die anderen Spatzen nahmen ihm mit auf Erkundungstouren im Garten zu Buchenhecke und Schildkrötenteich. Anfänglich flog er zum Fressen immer wieder zurück in seinen Käfig. Aber schnell gewöhnte er sich an das Leben in der Freiheit.
Von seinen Artgenossen wurde er problemlos akzeptiert. Doch nach wie vor fliegt das kleine Kerlchen auch heute noch täglich in der Früh an das Fensterbrett seiner Ziehmutter und schaut zu ihr herein. “Ich erkenne ihn sofort an seinem weißen Fleck an der Kehle”, erzählt Dorle Dengg.

Von den ersten Flugversuchen hat Dorle Dengg auch ein Video gemacht – zu sehen auf www.innpuls.me

Text: Karin Wunsam    –    Fotos: Dorle Dengg

 

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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