Land- & Forstwirtschaft

Ein Blick auf die Anfänge des Bayerischen Bauernverbandes

Am 7. September 1945 wurde der Bayerische Bauernverband gegründet, am 21. Dezember erhielt er die Arbeitserlaubnis. Grundlage dafür ist eine eindrucksvolle Proklamation.

Der zweite Weltkrieg und die Ideologie der Nationalsozialisten haben unfassbares Leid und unfassbare Zerstörung gebracht. Die Not und die Verzweiflung im Jahr 1945 waren groß, aber sowohl die Besatzungsmächte als auch die gesamte Bevölkerung wussten: Um das Feld nicht dem Hunger und dem Chaos zu überlassen, muss gemeinsam gehandelt werden.

Unmittelbar nach Kriegsende wollten deshalb die Bäuerinnen und Bauern schnell einen eigenen Verband gründen. Als Alois Schlögl, vor dem Krieg Direktor des Niederbayerischen Christlichen Bauernvereins, in der bayerischen Staatskanzlei und im Amt für Ernährung und Landwirtschaft vorstellig wurde, um sich für eine neue Bauernorganisation einzusetzen, war er deshalb nicht der erste mit diesem Wunsch. In seinen Aufzeichnungen heißt es, dass „bereits verschiedene Bauern und ehemalige Bauernvertreter zwecks Gründung einer Bauernorganisation vorgesprochen hatten“.
Streben nach Einheit

Nach der Zersplitterung der bäuerlichen Interessenvertretung in der Weimarer Republik und der Zwangsorganisation im Reichsnährstand während der Nazi-Diktatur sollte nun eine freie, parteipolitisch unabhängige und gemeinsame Bauernorganisation entstehen. Am Nachmittag des 7. September 1945 trafen sich die 22 Gründungsmitglieder im Sitzungssaal des Amtes für Ernährung und Landwirtschaft in München. Um 17.48 Uhr war es dann soweit, die Zusammenkunft war zu Ende und der Bayerische Bauernverband gegründet.

Als erster Präsident wurde Josef Sturm, Bauer aus Gresselsbach bei Dingolfing, gewählt, Generalsekretär wurde Alois Schlögl. Neben der Satzung wurde von den Gründungsmitgliedern auch eine gemeinsame Proklamation unterzeichnet, die dann in fast allen bayerischen Dörfern angeschlagen und im Rundfunk verkündet wurde: „Einig und geschlossen wollen wir an die Arbeit gehen. Die so oft versuchte Bauerneinigung wird jetzt geschaffen. Der neugegründete Bayerische Bauernverband umfasst das gesamte Landvolk ohne Unterschied der Religion und Rasse und ohne Unterschied ihrer Arbeit im Einzelnen“, hieß es darin.

Inhalte sind noch aktuell

Es ist ein beeindruckender Text, der nur drei Monate nach Kriegsende und vor dem schwierigen Winter 1945 verfasst wurde. Vieles liest sich 75 Jahre später beklemmend, anderes scheint nach wie vor aktuell: „Unsere Arbeit kann nicht gedeihen, wenn wir nicht Vertrauen schaffen. Vertrauen müssen wir zu uns selbst haben, aber auch das Vertrauen anderer zu uns muss erworben sein.“

Am 21. Dezember 1945 erhielt der Bayerische Bauernverband im Münchner Rathaus die Arbeitserlaubnis aus dem amerikanischen Hauptquartier in Frankfurt überreicht. Vier Monate nach der Gründung verlieh Ministerpräsident Dr. Wilhelm Hoegner (SPD) dem Verband die Körperschaftsrechte. Durch diese Urkunde wurde der Verband als Berufsorganisation und Vertreter der „Belange der Landwirtschaft in allen Fragen des ländlichen Lebens“ anerkannt.

Anfang 1946 wurde mit der Organisation der Orts-, Kreis- und Bezirksverbände begonnen. Bauern, Bürgermeister, Landräte und Mitarbeiter verbreiteten die Ziele und Grundsätze des Verbandes. Innerhalb eines halben Jahres hatten sich 100.000 Mitglieder eingeschrieben, und im Laufe des Folgejahres verdoppelte sich die Zahl.

Bericht und Foto: Bayerischer Bauernverband

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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