Natur & Umwelt

Ein Auge für seltene Arten

Veröffentlicht von Günther Freund

Botanische Sensation: Mitarbeiterin des Nationalparks Bayerischer Wald entdeckt Ästige Mondraute.

Sie kennt sich im Nationalparkzentrum Neuschönau aus wie in ihrer Westentasche, kennt alle dort wachsenden Blumen, Sträucher und Moose und ihre Standorte. Deshalb ist es Gabi Zechmann auch sofort aufgefallen, als auf einer ehemaligen Versuchsfläche plötzlich eine besonders seltene Art wiederaufgetaucht ist – und zwar die Ästige Mondraute.
„Gabriele Zechmann hat einen ganz besonderen Spürsinn für das Auffinden und die Pflege seltener, heimischer Arten“, sagt Dr. Christoph Heibl, stellvertretender Sachgebietsleiter „Naturschutz und Forschung“. Ihn freut es sehr, dass sie die Ästige Mondraute gefunden hat. „Dieser Farn steht als stark gefährdet auf der Roten Liste und Deutschland besitzt eine besondere Verantwortung für den Erhalt dieser Pflanzenart.“ In ganz Bayern gibt es nur mehr wenige Standorte der Ästigen Mondraute, drei davon liegen im Nationalpark Bayerischer Wald, und zwar auf dem Ruckowitzschachten , auf der Rachelwiese und auf dem Hochschachten . „Und nun ist dank der Aufmerksamkeit von Gabi Zechmann ein vierter dazugekommen.“

                Gabi Zechmann (Mitte) zwischen Christoph Heibl und Cornelia Straubinger

Für Christoph Heibl und sein Team ist das Auffinden der Pflanze eine botanische Sensation und Anlass, die langjährigen Bemühungen von Gabi Zechmann, die seit 1993 beim Nationalpark arbeitet, zu ehren. „Weltweit war bisher keine erfolgreiche Anzucht aus Sporen bekannt“, so Heibl. „Die Pflanze lebt viele Jahre ihrer Entwicklung unterirdisch mit einem Pilzpartner zusammen und bildet nur wenige Wochen überirdische, wenig Zentimeter große Sprosse aus.“ Die Entdeckung einer solchen Art erfordert also einen besonderen Blick.

Die Nachzucht und Pflege von Gehölzen und Kräutern aus dem Bayerischen Wald gehört seit vielen Jahren in das Tätigkeitsfeld von Gabi Zechmann und ihren Kollegen. „Vor allem Pflanzen, die in unserer Landschaft aufgrund der Nutzungsveränderungen der letzten Jahrzehnte selten geworden sind, werden auf den Flächen des Nationalparks gezielt gefördert“, erzählt Gabi Zechmann. Im Pflanzen-Freigelände am Hans-Eisenmann-Haus können Besucher diese Arten bestaunen. Bevor es so weit ist, liegen viele Arbeitsschritte vor Gabi Zechmann und ihren Kollegen. „Das erfordert in vielen Fällen ein hohes Maß an Geduld und manchmal braucht es auch innovative Ansätze“, so Heibl.

Um dieses Engagement zu würdigen, überreichten Christoph Heibl und Cornelia Straubinger, stellvertretend für die Belegschaft des Nationalparks, als Dank ein botanisches Fachbuch mit allen heimischen Arten an Gabi Zechmann – damit sie auch in Zukunft die Pflanzenwelt ihrer Heimat und die botanischen Seltenheiten des Nationalparks erfolgreich bestimmen kann.

Pressemitteilung der Nationalparkverwaltung Bayerischer Wald

Über den Autor

Günther Freund

1944 in Bad Reichenhall geboren, Abitur in Bad Reichenhall, nach dem Studium der Geodäsie in München 3 Jahre Referendarzeit in der Vermessungs- und Flurbereinigungsverwaltung mit Staatsexamen, 12 Jahre Amtsleiterstellverteter am Vermessungsamt Freyung, 3 Jahre Amtsleiter am Vermessungsamt Zwiesel und 23 Jahre Amtsleiter am Vermessungsamt Freyung (nach Verwaltungsreform mit Vermessungsamt Zwiesel als Aussenstelle). Seit 2009 im Ruhestand, seitdem in Prien am Chiemsee wohnhaft.

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